Myron Markevytsch, ehemaliger Trainer von „Metalist“, „Dnipro“ und der Nationalmannschaft der Ukraine, ist der Hauptkandidat für den Job bei „Karpaty“. Der Verein aus Lviv konnte die Aufgabe, in die UPL aufzusteigen, nicht erfüllen und möchte daher zum Erreichen dieses Ziels einen erfahrenen Mentor für sich gewinnen.
Exklusiv für Karpaty Lviv Nachrichten: Serhij Tyshchenko, Fußball-Journalist und Analyst, publiziert u.a. bei Futbol 24, Dynamo vid Schurika, Sportua.

Markevytsch hat Erfahrung im Aufbau eines Clubs in der UPL
Das Hauptproblem bei „Karpaty“ ist das Wachstum des Vereins. In Ambitionen und finanziellen Möglichkeiten hat man die Realität schon überholt. Doch wird im Fußball nicht alles durch Geld entschieden. Für den Erfolg der Mannschaft muss ein Club Schritt für Schritt aufgebaut werden, und es reicht nicht aus, einfach nur erfahrene und hochkarätige Spieler zu verpflichten.
In der vergangenen Saison hatte Polissya mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Trotz finanzieller Möglichkeiten beendete die Mannschaft von Yurij Kalytvyntsev die Hinserie der Saison im Tabellenmittelfeld. Es bestehen große Zweifel, ob das Team aus Zhytomyr die Aufgabe, die UPL zu erreichen, hätte erfüllen können, wäre Saison zuendegespielt worden (sie war aufgrund der russischen Invasion vorzeitig beendet worden). Alles braucht seine Zeit. Ein Club wird Schritt für Schritt aufgebaut. Benötigt werden nicht nur eine Stärkung des Kaders, sondern auch des Managements und der Infrastruktur. Der Besitzer des Clubs, Hennadij Butkeyitsch, begegnet dem mit Verständnis und Geduld. Kalytvyntsev erhielt eine zweite Chance, und innerhalb eines Jahres gewann die Mannschaft die Perscha Liha.
Tatsächlich sind „Karpaty“ irgendwo auf genau diesen Rechen getreten und haben sich dabei eine Beule geholt. Der Verein hatte geplant, mehrere Entwicklungsschritte zu überspringen und praktisch sofort in die UPL zu gelangen. Im Herbst fiel die Mannschaft deutlich zurück, und im Frühjahr lief es schon nicht mehr. Alles drehte sich um den Mentor, Andrij Tlumak, der für die Auswahl der Spieler sowie die Entwicklung des Vereins verantwortlich war und der auch noch die Mannschaft trainierte. Wie die Ergebnisse zeigen, ist Andrij Bohdanovytsch gescheitert.
Im ukrainischen Fußball beginnt der Aufbau eines Vereins mit dem Cheftrainer. Bei „Dynamo“ war es mit Lobanovskyj, Syomin, Rebrov, jetzt Lucescu. Mircea hatte zuvor ein System bei Schakhtar errichtet. Bei Polissya baut Butkevytch seinen Club um Kalytvyntsev herum auf. Genau deshalb ist für Karpaty eine Verpflichtung Markevytschs perfekt geeignet – ein erfahrener, namhafter Trainer, der nicht nur die Mannschaft, sondern auch den Verein nach oben führen kann.
Myron Bohdanovytsch hat seinerzeit bereits einmal ein erfolgreiches Projekt praktisch von Grund auf aufgebaut, und zwar in Kharkiv. Der Eigentümer des Clubs, Oleksandr Yaroslavskyj, wurde Eigentümer von Metalist. Markevytsch hatte gute finanzielle Ressourcen, und Schritt für Schritt wurde „Metalist“ zu einem Giganten des ukrainischen Fußballs, auf Augenhöhe mit „Dynamo“, „Dnipro“ und „Schakhtar“. Nur der Besitzerwechsel des Vereins hinderte die Mannschaft daran, um die Meisterschaft zu kämpfen und sich für die Champions League zu qualifzieren. Der Erfolg dieser „Metalist“-Mannschaft ist größtenteils Markevytsch zu verdanken.
Es gibt nur einen Unterschied zu „Karpaty“ jetzt – das Lviver Team spielt derzeit in der Perscha Liha, während „Metalist“ bereits in der UPL war. Sie verpflichteten, wen sie konnten, in der Ukraine; später begannen sie, mit Ausländern zu arbeiten. Das Team kam Schritt für Schritt voran. Nach fünf bis sechs Jahren spielten sie bereits regelmäßig im Europapokal und forderten das damalige Flaggschiff der ukrainischen Meisterschaft, „Schakhtar“, heraus.
Markevytsch ist als Kandidat faktisch alternativlos
Derzeit ist der ukrainische Fußballmarkt recht eingeschränkt, und zwar nicht nur bei Spielern, sondern auch Trainern. Das hat schon zu der absurden Situation geführt, dass ein und derselbe Trainer sowohl die Nationalmannschaft als auch die Jugendmannschaft trainiert – und trotzdem noch bei einem Club arbeitet. Dies ist kein Vorwurf an Ruslan Rotan sondern ein Problem der Auswahl oder auch der Qualität der Fußballlehrer in der Ukraine.
Wenn Markevytsch nicht dazu geboren wäre, „Karpaty“ anzuführen, dann wüsste ich nicht, wen man sonst noch fragen könnte. Die in den Medien genannten Kandidaten für das Traineramt wirkten nicht wie eine Verbesserung gegenüber Andrij Tlumak. Vasyl Satschko ist seit langem arbeitslos. Bei seiner letzten Station „Volyn“ erreichte er nichts. Yurij Moros arbeitet seit 2006 im Jugendnationalmannschaftssystem der Ukraine. Das Rückgrat dieser Generation bildet der Dynamo-Nachwuchs. Zum Einen glaube ich nicht, dass ihn jemand gehen ließe, zum anderen: Welche Erfahrungen beim Aufbau eines Clubs kann Jurij Leontievytsch vorweisen? Wieder Trial-and-Error?
Ostap Markevytsch [Myrons Sohn] wurde von seinem Verein in der dritten polnischen Liga entlassen. Davor hatte er in der Perscha Liha bei „Ahrobisnes“ und „Tschornomorets“ gearbeitet. Bei keinem Team ist er lange geblieben. Mit Mariupol war er das schlechteste Team der Liga. Zu Beginn des Krieges verhielt er sich nicht besonders schön – er ließ die Mannschaft in der Türkei allein und kehrte nach Spanien zurück, wo seine Familie lebt. Oleh Luzhnyj hat keine Erfahrung im Aufbau eines Clubs. Er ist seit drei Jahren arbeitslos. Bei „Dynamo“ war er Assistenztrainer. Sein FK „Tavria“ war berühmt für seine kämpferischen Qualitäten, aber das war auch alles. Serhij Lavrynenko ist arbeitslos. Er hatte „Inhulets“ in die UPL geführt. Aber auf der höchsten Ebene des ukrainischen Fußballs wirkte die Mannschaft ehrlich gesagt schwach. Über Leonid Kutschuk möchte ich nicht einmal sprechen. Und ein guter Ausländer wird jetzt nicht in die Ukraine wechseln.
Eine echte Alternative zu Markevytsch könnte Yurij Virt könnte sein. Er selbst stammt aus Lviv. Zweimal gelang es ihn, aus dem nichts, ohne die stärksten Spieler im Kader zu haben, mit „Veres“ in die UPL aufzusteigen. Der Fußball von Yurij Mykolayovytsch ist vielleicht nicht besonders spektakulär, aber er orientiert sich an den Fähigkeiten seiner Spieler und den ihm durch den Club gestellten Aufgaben. Virt weiß auch, wie man eine Mannschaft zusammenstellt. Zur Zeit arbeitet er in Rivne. Meiner Meinung nach ist der „Veres“-Kader der schwächste in der UPL, aber das Team kämpft ums Überleben. Mit anderen Worten, die Probleme von „Veres“ liegen nicht beim Trainer, sondern der Qualität der Spieler. Mannschaften der Perscha Liha, darunter, darunter „Karpaty“, verfügen über stärkere Kader. Das Schicksal des Trainers wird sich am Ende der Saison entscheiden.
Vielleicht wäre es auch möglich, Vasyl Kobin Aufmerksamkeit zu schenken. Für ihn ist „Karpaty“ kein fremder Club. Einst gewann er mit „Mynaj“ die Perscha Liha und baute den Club aus der Sakarpattya-Region auf. Vasyl Vasyliovytsch ist mit Metalist in Verbindung gebracht worden. Aber aktuell weiß ich nicht einmal, wo er sich überhaupt aufhält.
Daher scheint eine Entscheidung für Markevytsch ein guter Schritt für die „Karpaty“-Führung zu sein. Er ist ein erfahrener Trainer, der der Entwicklung des Vereins Impulse geben und Ergebnisse liefern kann. Die Ankunft von Myron Bohdanovych hat auch eine sehr gute mediale Komponente. „Karpaty“ werden so nicht nur im Westen, sondern im ganzen Land verstärkte Aufmerksamkeit erhalten.
Markevytsch ist schon über 70. Aber warum in den Pass schauen? Im Alter von fast 78 Jahren hat Lucescu nicht vor, in den Ruhestand zu gehen. Wenn eine Person die Kraft verspürt, zu arbeiten, spielt das Alter keine große Rolle.
Das Problem besteht hier vielmehr darin, dass Myron Bogdanovytsch seit 2016 nicht mehr als Trainer tätig gewesen ist. 7 Jahre ohne Arbeit sind eine lange Zeit. Der Fußball steht nicht still.
Auf der Suche nach einem neuen Krasnikov
Das Hauptproblem für Markevytsch bei „Karpaty“ besteht darin, einen Gleichgesinnten zu finden, einen Bruder im Geiste, der ihm bei der Entwicklung des Clubs hilft. Yevhen Krasnikov war eine solche Person bei „Metalist“ und „Dnipro“. Er war für die Zusammensetzung des Teams verantwortlich.
Die Realität im ukrainischen Fußball sieht heute so aus, dass die Vereine Geld haben, es aber nicht genügend Spieler von der notwendigen Klasse gibt. Selbst wenn Sie einen Transfer oder ein gutes Gehalt bezahlen können, gibt es keine Garantie, dass Sie sich mit guten Spielern verstärken können. Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist es nicht so einfach, einen Ausländer zu verpflichten, und bei ukrainischen Spielern gibt es keine Auswahl – Preise und persönlichen Ansprüche steigen nur.
Tatsächlich hat sich Tlumak genau daran verbrannt. Weder im Sommer-, noch im Winterfenster haben die Transfers den Club stärker gemacht – und das, obwohl es nicht so aussieht, dass die zu guten Bedingungen dan verpflichteten Spieler nicht die schlechtesten waren. Diesen Prozess muss man beherrschen, seine Eigenheiten verstehen, Spieler entdecken können. Es wird jemand benötigt, der in diesem Bereich über den Tellerrand hinausschaut, nicht nur in der Ukraine über Verbindungen und Autorität verfügt. Selbst zur Zeit von Krieg kann man in Lviv arbeiten, das gilt auch für Ausländer. Ich würde das Auftauchen von Legionären bei „Karpaty“ nicht ausschließen – insbesondere aus Lateinamerika.
Der aktuell „Karpaty“-Kader muss grundlegend umgebaut werden. Nicht alle Spieler genügen den Ambitionen der Mannschaft. Eine ganze Reihe von Positionen muss gestärkt werden. Benötigt werden Leute mit Erfahrung, insbesondere in der Verteidigung. Es gibt ein Problem mit Flügelspielern. Mit Angreifern. Kurz: es gibt viel zu tun.
Seinerzeit, als Schakhtar anfing, Geld für Ausländer auszugeben, verstanden sie, dass es unmöglich war, das einfach nur so zu tun. Sie stellten einen Chefscout ein, der daraus ein System aufbaute und Fehler minimierte. Im Grunde brauchen „Karpaty“ jetzt genau so eine Person.
Markevytschs offizieller Spielervermittler ist Vadim Schablij. Ich weiß nicht, wie ihre Beziehung jetzt ist. Aber unter den gegenwärtigen Bedingungen ist es unwahrscheinlich, dass Schablij „Karpaty“ in puncto Kaderverstärkung ernsthaft helfen kann – er hat bereits genug Vereine, mit denen er zusammenarbeitet. Und das hier ist die Perscha Liha. Ich weiß nicht, wie Krasnikovs Zusammenarbeit mit „Dnipro-1“ weitergehen wird, aber wenn etwas schief gehen sollte, wäre sein Erscheinen bei „Karpaty“ keine Überraschung. Sei es auch nur zur Beratung bei Transferarbeiten auf der Suche nach Verstärkung. Wenn nicht, muss sich der Club eine andere Person suchen. Tlumak wäre dafür kaum geeignet.
Той самий аналіз можна читати українською мовою тут: Чому Мирон Маркевич ідеальний варіянт для „Карпат“.
