Zugänge: Shved und Tkachuk

Stürmer Mariyan Shved (Karpaty-Eigengewächs) und Mittelfeldspieler Yuri Tkachuk kehren nach erfolglosen Versuchen, sich in Spanien zu etablieren, in die Ukraine zurück und haben bei Karpaty unterschrieben.

Von Tkachuk gibt es ein interessantes Interview, in dem er erzählt, warum es für ihn nicht geklappt hat: in Spanien spricht längst nicht jeder englisch, er ist auf seinen Übersetzer angewiesen, versteht im Training Anweisungen nicht usw. Gerade Spanien ist da nicht ohne. 

Abgang: Ribas

Stürmer Sebastian Ribas, der gerade erst in dieser Transferperiode gekommen war, verlässt Karpaty schon wieder. Er hatte in den letzten Wochen seinen Stammplatz an Roman Debelko verloren, der allerdings auch nicht wirklich überzeugen konnte. Ich bin gespannt, ob man jetzt etwas bezüglich Serhij Petrov unternimmt.

Ein wenig unklar ist aber auch die Frage, wie es mit dem Club weitergeht. Besitzer Petro Dyminski war vergangene Woche offenbar in einen Unfall verwickelt, bei dem eine 31-jährige Frau ums Leben kam und hat sich Berichten zufolge in die Schweiz abgesetzt.

Olimpik – Karpaty: 0:0

Heute spielten Karpaty auswärts im fast leeren Dynamo-Stadion in Kyiv bei Olympik Donetsk.

Nachdem Sebastian Ribas den Club heute verlassen hat und Roman Debelko letzte Woche schwach gespielt hatte, begannen Karpaty ohne einen echten Mittelstürmer. Das Spielsystem war eine Art 4:1:4:1, mit Pidkiwka im Tor, hinten Fedetskyj, Lobaj, Corteggiano und Lbedenko, davor die Tissone, davor Miroshnichenko, Di Franco, Holodyuk, Chachua und als Stürmer Khudob’yak.

Die ersten 20 Minuten gehörten den Gästen, die flüssig nach vorn spielten. Auffällig war Di Franco, der einige Male mit schöne Dribblings zeigte und dann seine Mitspieler gut ins Spiel brachte. Trotz der formalen Aufstellung mit einem Stürmer sah mir das System eigentlich eher danach aus, als würde mit 5 offensiven Mittelfeldspielern gespielt. Khudob’yak und auch Di Franco tauchten hin und wieder vor dem Tor auf, zogen sich aber immer wieder in die Mittelfeldreihe zurück. Miroshnichenko spielte heute wieder offensiv, da seine rechte Verteidigerposition jetzt von Fedetskyj besetzt ist. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, weil er durch seine Schnelligkeit und ordentliche Dribblingkünste gut Räume aufreißen kann. Allerdings sah man an einigen Szenen doch, dass er weit in der gegnerischen Hälfte oft noch nicht so ganz weiß, was er mit dem Ball machen soll.

Ab der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit wurde das Spiel etwas ausgeglichener. Olympik versuchte vor allem, durch Konter zum Abschluss zu kommen. Vor allem Moha war durch seine Dribblings gefährlich. Mehr Spielanteile hatten aber immer noch Karpaty. Es waren einige schöne Spielzüge dabei, wo oft einfach der letzte Pass nicht stimmte, aber es lag schon etwas in der Luft. Von Minute 30 an hatte dann Olympik etwas mehr Ballbesitz, und Karpaty konterten.

Die zweite Halbzeit begann ohne Wechsel und wieder mit Angriffen von Karpaty. Nach 49 Minuten musste allerdings Tissone heraus, der sich bei einem schönen Fernschuss offenbar leicht verletzt hatte. Für ihn kam Arques. Das Spielsystem blieb formal unverändert, aber Tissones Fehlen war schon merklich, da Arques nicht diese Defensivqualität hat und auch nicht so sehr das Spiel an sich reißt. Es ging also fortan noch etwas mehr hin und her, und die Chancen für Karpaty kamen eher etwas zufällig zustande. Nach 68 Minuten kam Klyots für Holodyuk, der ebenfalls ein wenig angeschlagen wirkte. Das brachte noch einmal eine Belebung im Mittelfeld. Karpaty erspielten sich wieder ein leichtes Übergewicht und hätten bis zur 80. Minute eigentlich längst führen müssen.

Für die letzten 10 Minuten kam dann noch Husulyak für Chachua herein, der ein gutes Spiel gemacht hatte. Interessanterweise besetzte er auch nicht die Mittelstürmerposition, sondern positionierte sich ebenfalls im offensiven Mittelfeld. Beide Mannschaften hatten noch Chancen auf die Führung, aber am Ende blieb es beim 0:0, das für Karpaty eher zwei verlorene als ein gewonnener Punkt waren.

Das war wieder ein ziemlich gutes Spiel von Karpaty. In der Verteidigung sind sie endlich stabil, auch nachdem Tissone raus war, sah das immer noch gut aus. Fedetskyj hat hier einen großen Anteil, aber auch Lebedenko in der linken Verteidigung war wieder gut. Im Mittelfeld läuft der Ball schön, das ist alles schön anzusehen.

Der Spieler des Tages war Di Franco. In der ersten Halbzeit war er eindeutig der beste Spieler auf dem Platz, in der zweiten Halbzeit war er nicht mehr ganz so stark, aber immer noch sehr fleißig. Tissone zeigte wieder Klasse, ich hoffe, er fällt nicht länger aus. Was bei Karpaty fehlt, habe ich ja letzte Woche schon geschrieben: das Team braucht einen Knipser, der ohne viel Zurechtlegen einfach mal auf das Tor schießt. So einen hatten sie heute nicht, jedes Mal, wenn es in den Strafraum ging, wurde noch mal der Ball auf den anderen Fuß gelegt, abgespielt, kurz: vertändelt.

Arques hat zumindest keinen Schaden angerichtet, obwohl er einmal kurz davor war. Ich beginne aber zu verstehen, warum er immer wieder spielen darf. In allen drei Reihen spielt jeweils ein “Spanier”. Denen ruft Navarro während des Spiels seine Anweisungen zu, und die müssen an die anderen weitergeben, was zu tun ist. Das ist nachvollziehbar, aber kann eigentlich kein Dauerzustand werden.

Mal sehen, ob sie nun Petrov holen, nachdem durch dem Abgang von Ribas wieder ein Platz frei geworden ist.

Karpaty – Oleksandria: 0:0

Heute spielten Karpaty zu hause gegen Oleksandria.

Bei Karpaty stand wieder eine leicht geänderte Mannschaft auf dem Platz. Die Aufstellung erinnerte an ein 4:2:3:1. Im Tor stand wieder Pidkiwka. Die Viererkette bestand von rechts nach links aus Fedetskyj, Lobaj, der den verletzten Nesterov ersetzte, Corteggiano und Lebedenko. Das Mittelfeld bestand in der Zentrale aus dem Neuen, Tissone (der seit fast einem Jahr keinen Fußball in einem Top-Wettbewerb gespielt hatte) und Holodyuk, davor auf den Flügeln Khudob’yak rechts, Chachua links und Di Franco zentral. Im Sturm stand Debelko.

Dieses Spiel konnte wieder einmal als “Schicksalsspiel” durchgehen, da es das sechste war, nach dem der Vorstand die Leistung des Trainers bewerten wollte, und auch, weil die heimischen Ultras bereits sehr deutlich gemacht hatten, dass sie mit der Leistung der Mannschaft unzufrieden seien, vor allem, weil dort viele Ausländer die Eigengewächse verdrängt hatten.

Karpaty begannen etwas kontrollierter und weniger stürmisch als in den letzten Partien. Tissone spielte sehr defensiv, so dass das System beinahe wie eines mit 5 Verteidigern wirkte. Offenbar war seine Aufgabe, mit seiner Erfahrung den Spielaufbau aus der eigenen Hälfte heraus zu konsolidieren. Nach 5 Minuten stand es 1:1 nach guten Chancen. Karpaty hatten bereits früher schon eine gute Möglichkeit gehabt, dann holte Pidkiwka sehr sehenswert einen Flachschuss aus der unteren linken Ecke beim ersten richtigen Angriff von Oleskandria. Fortan hatte Oleksandria die besseren Chancen, während bei Karpaty selbst Khudob’yak in der Verteidigung aushalf und Pidkiwka noch ein paar mal zeigen konnte, dass er seinen Platz in der Startformation verdient hatte.

Zur Mitte der ersten Halbzeit hin wurde das Spiel ausgeglichener und unterhaltsam. Beide Seiten hatten ihre Chancen. Es gab eine ganze Reihe gelber Karten gegen Karpaty-Spieler, was z.T. etwas kleinlich wirkte. Auffällig war, dass viele Angriffe bei Karpaty von Tissone ausgingen, der eine Art Doppelrolle spielte: Hinten Staubsauger und nach vorn Spieleröffner. Dabei wurde in der Verteidigung auf Schönspielerei verzichtet und auch gern mal ein längerer Pass ins offensive Mittelfeld gespielt. In der gegnerischen Hälfte ähnelte das Spiel dann aber wieder eher dem der letzten Wochen – also durchaus Kurzpässe und direktes Spiel.

Die zweite Halbzeit begann mit stärkerem Regen und ohne Auswechselungen. Karpaty war zunächst die aktivere Mannschaft und kam gleich zu drei guten Chancen innerhalb der ersten 5 Minuten, wobei jedes Mal Khudob’yak schön angespielt wurde undauf seiner rechten Seite schön die Abseitsfalle aushebelte. Nach 60 Minuten kam bei Karpaty Neuling Memeshev für Debelko, der heute keinen guten Tag hatte. Für ihn rückte Chachua in die Mittelstürmerposition. Memeshev hatte gleich ein paar gute Momente – starke physische Präsenz und guten Offensivaktionen.

Um die 70. Minute herum kam dann Miroshnichenko für Fedetskyj, etwas später Hutsulyak für Chachua, so dass nun wieder ein gelernter Mittelstürmer vorn im Sturmzentrum stand. Hutsulyak hätte sich gleich danach unsterblich machen können, als er auf der rechten Seite schön steil geschickt wurde und dann nach ein wenig Warten auf nachrückende Mitspieler den Ball einfach dem gegnerischen Torwart zuspielte, der ihn dankbar aufnahm. Kurz darauf hätte er selber treffen können, als er den Ball schön von Di Franco zugespielt bekam, aber der Torwart gut reagierte und abwehren konnte. In den letzten 20 Minuten gehörten eindeutig Karpaty, die aber nichts Zählbares daraus machen konnten.

Als Fazit fallen mir einige Aspekte ein. Zum Einen – das ist neu – stand die Null. Das war ein Riesenfortschritt, nachdem die Abwehr in allen vorherigen Spielen dieser Saison löcherig war. Die Spielweise, wie sie heute gezeigt wurde, war ein Fortschritt. Der Versuch, in der eigenen Hälfte direktes Kurzpassspiel zu zeigen, war u.a. ja verantwortlich gewesen für die vielen Gegentore. Die Viererreihe hinten mit einem defensiven Tissone davor funktionierte. Die Spielweise in der gegnerischen Hälfte war dann wieder etwas “spanischer”, was aber auch gut funktionierte, und wenn dann dabei Ballverluste auftraten, tat das nicht so weh wie in der eigenen Hälfte. Generell sehe ich, obwohl es nur für einen statt drei Punkte gereicht hat, eine gute Leistung. So kann es gehen.

Spieler des Tages war der neue “alte Spanier” – Tissone, der meine Skepsis Lügen gestraft hat. Man merkte deutlich, dass er schon auf europäischem Niveau gespielt hatte. Der Auftritt war fehlerfrei, er stabilisierte die Abwehr und leitete jede Menge Angriffe durch kluge Pässe ein. Der Einkauf war Stand heute ein richtig guter. Dicht darauf folgte wie so oft Ihor Khudob’yak, der mich immer wieder ins Staunen versetzt: er rennt, kämpft, ist überall auf dem Feld und spielt dann das eine oder andere Mal richtig gefährliche Pässe ins Sturmzentrum.

Die Legionäre sind ja aktuell ein großer Streitpunkt im Umfeld des Vereins. Heute standen ja vergleichsweise wenige auf dem Platz. Über Tissone habe ich ja schon geschrieben. Corteggiano spielte eine solide Partie, der ging für mich in Ordnung. Di Franco hat mir auch gefallen, technisch stark und schnell, war an einigen gefährlichen Aktionen beteiligt.

Das große Problem der Mannschaft ist für mich aber nach wie vor, dass sie keinen Knipser hat. Debelko hat heute einige gute Chancen ziemlich kläglich vergeben. Ribas hat mir in seinen bisherigen Spielen auch nicht besonders gefallen. Hutsulyak fand ich letzte Saison im offensiven Mittelfeld besser aufgehoben. Hier muss m.E. noch dringend eine Verstärkung her. Hladky hat sich ja leider erledigt. Letzte Saison fand ich Serhij Petrov, der gerade mit Lutsk abgestiegen ist, sehr vielversprechend, vor allem ist er physisch präsent und kopfballstark. Das wäre doch mal was?

Zugang: Tissone

Noch ein alter Spanier. Fernando Tissone, 31-jähriger defensiver Mittelfeldspieler, Argentinier mit italienischem Pass, hat unterschrieben. Er war zuletzt vereinslos, hatte vorher bei Malaga gespielt.

Langsam wird es wirklich lustig. Wie viele Spieler wollen sie denn noch für diese Position verpflichten? Es gibt mit Chachua, Klyots, Verbny und Holodyuk vier gute und z.T. schon erfahrene Eigengewächse. Hinzu kamen Tkachuk und Arques und jetzt noch der hier.

Ich neige dazu, mich den Reihen der Meckerer anzuschließen, wenn ich langsam zu dem Eindruck komme, dass diese Saison massenweise eingekauft wurde, aber kaum Qualität dabei ist, wobei gleichzeitig absolute Leistungsträger der Vorsaison (Borovyk, Dytyatyev und Hladky) gehen gelassen wurden. Kopftisch.