Gerücht: Einigung im Fall Hudyma

Es könnte eine Lösung in der Affäre um die Gehaltsforderungen des ehemaligen Spielers, Volodymyr Hudyma, geben. Der Fall war durch mehrere Instanzen vor verschiedenen Gerichten gegangen, und trotz der insgesamt undurchsichtigen Situation (Hudyma hatte auf Zahlung von einsatzabhängigen Prämien geklagt, die – da er nicht mehr im Kader stand – nicht ausgezahlt worden waren) war der Club verurteilt worden, den Forderungen nachzukommen, was er jedoch bis heute nicht getan hat. Als Konsequenz wurden dem Club bereits zweimal Ligapunkte abgezogen – 3 Punkte in der Winterpause und 6 Punkte in der vergangen Woche – wobei die Sanktionen bisher noch nicht in Kraft getreten sind. Zum Schluss hatten sogar die Fans begonnen, selber Geld für Hudyma zu sammeln, um dem durch die Punktabzüge drohenden Abstieg entgegenzuwirken.

111.jpg
Photo: © Wikipedia, Lizenz: Creative Commons

Nun zeichnet sich eine überraschende Wendung ab. Der Präsident des Zweitligaclubs Rukh Vynnyky, Hryhorij Kozlovskyj, soll sich Berichten zufolge eingemischt und den ehemaligen Spieler in einem Gespräch davon überzeugt haben, seine Forderungen zurückzuziehen. Jener wandte sich kurz darauf an die Presse und erklärte, er hoffe, dass es keine Sanktionen gegen Karpaty gebe und dass er den Club liebe. Näheres ist bisher unbekannt, vor allem, ob Hudyma durch eine etwaige finanzielle Entschädigung seitens Kozlovskyj zu diesem Schritt “motiviert” wurde.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Berichte bestätigt werden und tatsächlich der ukrainische Fußballverband von den bereits verhängten Sanktionen Abstand nimmt.

Karpaty – Shakhtar: 0:3

Heute spielten Karpaty zu hause gegen Tabellenführer Shakhtar. Im Normalfall wäre dies ein Spiel gewesen, was man schon vor Anpfiff abgehakt hätte, da in Sachen Kaderstärke der Unterschied einfach riesig ist. Allerdings drohen Karpaty aktuell – je nachdem, wie es mit dem Widerspruch weiter geht – insgesamt 9 Punkte Abzug, wodurch sie abgeschlagen mit 10 Punkten am Tabellenende stünden. Irgendetwas Zählbares musste heute also unbedingt her.

111.jpg
Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Das System war gegenüber letzter Woche beim 0:0 gegen Chornomorets ein neues: 4:3.3. Im Tor stand wieder Pidkiwka, davor eine Viererkette aus Miroshnichenko, Sandokhadze, Fedetskyj und Hutsulyak, der deutlich defensiver stand als in den letzten Wochen. Im Mittelfeld standen Carrascal, Verbnyj und Di Franco, davor Myakushko, Shved und im Sturmzentrum Akulinin. Zur Aufstellung ist noch zu sagen, dass in den letzten Wochen eigentlich immer eine Viererkette hinten mit Hustulyak in der linken Verteidigung ausgewiesen wurde, nur wurde eigentlich immer mit einer Dreierkette hinten und hängenden Mittelfeldspielern auf den Flügeln gespielt.

Das Spiel begann durchaus ausgeglichen und abwechslungsreich. Shakhtar traten natürlich mit einem ganz anderen Anspruch an als noch letzte Woche Chornomorets. Gleichzeitig stellten sich Karpaty ber nicht hinten hinein und erspielten sich einige durchaus vielversprechende Chancen. So ging es ganz unterhaltsam auf und ab. Mehr Gefahr entstand natürlich vor dem Tor der Hausherren, und Pidkiwka hatte einige Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Eine interessante Szene gab es in der 31. Minute, als Pidkiwka einen Ball abgewehrt hatte, der daraufhin frei durch den Fünfmeterraum rollte und Sandokhadze sich in aller Seelenruhe zwischen Ball und Gegner stellte, aber ihn nicht aus dem Strafraum drosch, sondern einfach darauf wartete, dass sein Torhüter ihn an sich nehmen konnte. Das war schon ziemlich abgebrüht.

Die Dominanz der Gäste nahm aber zum Ende der ersten Halbzeit immer mehr zu, und die Frage war eigentlich immer nur, ob und wie es gelingen sollte, den Kasten sauber zu halten. Das Karpaty-Mittelfeld wirkte oft etwas überfordert damit, den Ball kontrolliert nach vorn zu spielen, ohne ihn gleich wieder zu verlieren, so dass immer wieder ein Angreifer im Strafraum auftauchte. Entlastungsangriffe gab es nur wenige, und wenn, dann durch Carrascal, der durch seine Dribblings hin und wieder für Gefahr sorgte. Am Ende ging es mit einem für Karpaty schmeichelhaften 0:0 in die Pause.

Karpaty begannen die zweite Halbzeit ohne Wechsel. In der 56. Minute fiel dann, was sich schon angedeutet hatte – die Führung für Shakthar. Marlos dribbelte sich in den Strafraum hinein, seinen Schuss konnte Pidkiwka aber abwehren, der Ball flog Bernard vor die Füße, der direkt verwandelte. Nun musste ein Ausgleichstor her, und es gab auch ein paar schöne Angriffe zu sehen, die aber nichts Zählbares ergaben. Kurz danach, in der 63. Minute kam Chachua für Di Franco.

In der 69. Minute durfte sich dann ein Debütant freuen: Remenyuk, der kürzlich aus der U23 in die erste Mannschaft befördert worden war, kam für Myakushko, der heute nicht so richtig ins Spiel kam, zu seinem ersten Einsatz. Die Freude hielt aber nicht lange an, denn gleich anschließend fiel das 0:2 – Alan Patrick schoss von der Strafraumgrenze mit einem sehr platzierten Flachschuss links unhaltbar ein.

Das Spiel war nun gelaufen. Cortes kam noch zu einem Einsatz, vom Platz ging Akulinin, der gegen einen Gegner, bei dem man höchstens mal zu Kontern kommt, durch seine Spielanlage und nicht gerade große Schnelligkeit nicht so richtig “funktionierte”.

In der 81. Minute fiel das 0:3 durch Ismaily – er war von der Mittellinie durch einen Lupfer fast an die Strafraumgrenze steil geschickt und lochte ein. Nun ja, die Verteidigung war auch weitgehend aufgelöst. Karpaty versuchten, wenigstens noch zu einem Ehrentor zu kommen, und Shakhtar tat gerade genug, um das nicht zuzulassen.

Fazit: Dieses Spiel war wahrlich kein Gradmesser. Shakhtar ist eine Klasse besser als so ziemlich der gesamte Rest der Liga. Die drei Gegentore geben faktisch den Unterschied im Leistungsstand wieder. Karpaty spielen schön, aber sie treffen das Tor nicht. Shakhtar kann sich dagegen auch ein paar Auszeiten leisten.

Die auffälligsten Akteure bei Karpaty waren Pidkiwka, ohne den es noch ein paar Tore mehr geworden wären, sowie Carrascal, der als einziger echte Torgefahr ausstrahlte.

Myakushko verzettelte sich mit seinen Dribblings immer wieder, während Shved ein paar gute Szenen hatte. Akulinin war für diesen Gegner eine Fehlbesetzung, da er einfach zu langsam für Konterspiel ist, und genau das war gegen einen solchen Gegner zu erwarten.

Immerhin hat die direkte Konkurrenz auch verloren, so dass sich am Tabellenstand erst einmal nichts ändert. Eine Entscheidung über die dem ehelmaligen Spieler Volodymyr Hudyma zugesprochenen Nachzahlungen und den daraus resultierenden drohenden Punktabzug steht noch aus.

Hudyma-Affäre: 6 Punkte Abzug

Wie das Portal Football Ukraine berichtet, werden FK Karpaty Lviv 6 Punkte in der ukrainischen Liga abgezogen. Der Grund ist die fortgesetzte Weigerung des Clubs, seinem Ex-Spieler Volodymyr Hudyma die von ihm geforderten 74.000 US-$ Gehalt nachzuzahlen. Durch den Punktabzug würde der Club nun auf den letzten Platz abrutschen. Hinzu kommt übrigens noch ein Punktabzug von 3 Punkten, der im Dezember schon aus dem selben Grund verhängt worden, der aber auf Proteste des Clubs zunächst noch nicht in Kraft getreten war. Somit kämen sogar 9 Punkte Abzug zusammen. Es ist davon auszugehen, dass der Verein dagegen Einspruch einlegen wird.

111.jpg
Quelle: Wikipedia, Lizenz: Creative Commons
 

 

Neuzugänge trotz Transfersperre

Das Portal Football Ukraine meint, eine Erklärung gefunden zu haben, wie es Karpaty gelang, trotz des Transferverbots drei neue Spieler zu registrieren. Der Verein hat offenbar hier ausgenutzt, dass, wenn vor einem ordentlichen Gericht Einspruch gegen das Urteil erhoben wird, es für die Dauer erst einmal ausgesetzt wird.

Dennoch bleibt die “Hudyma-Affäre” immer noch ein Damoklesschwert über dem Club. Schlimmer noch, andere ehemalige Spieler sind in der letzten Zeit aufgetaucht, die ähnliche Vorwürfe erhoben. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist oder man einfach hofft, angesichts des aktuellen Erfolgs Hudymas, ein wenig auf dem Trittbrett mitfahren zu können, ist freilich ungeklärt.

Ukrainische Vereine sind ja generell bekannt dafür, mit durchaus “kreativen” Verträgen und Bezahlungsmodellen zu arbeiten, um ihre Kader finanziert zu bekommen (was schwer genug ist). Nach allem, was ich zum Thema Hudyma gelesen habe, scheint mir der Verein hier aber im Recht zu sein (Hudyma klagt Boni ein, die er, weil er nicht spielte, auch nicht bekam, die aber in seinem Vertrag einen größeren Teil seines Gesamtgehalts ausmachten), zumindest, solange man nicht zu dem Schluss kommt, dass Verträge wie der seinerzeit mit Hudyma sittenwidrig und somit sowieso nichtig seien.

Zur Causa Hudyma

Hier ist (in ukrainischer Sprache) ein Bericht, in dem es um die Schieflage der aktuellen ukrainischen Fußball-Gerichtsbarkeit geht.

Im ersten Teil geht es um Leonid Kovel und den Skandal um seinen Vertrag bei Karpaty. Im zweiten Teil wird die Kontroverse um Volodymyr Hudyma und Karpaty aufgegriffen, aufgrund derer ja kürzlich eine Transfersperre gegen den Club verhängt wurde.

Der Streitpunkt ist die Frage, ob der Verein dem Spieler Bonuszahlungen auch für die Zeit, wo er aussortiert war und nicht spielte, hätte zahlen müssen. Sein damaliger Vertrag sah ja so aus, dass nur rund 25% seines Gehaltes fest war, während rund 75% aus Bonuszahlungen bestand, die – so wie ich das verstehe – an Einsätze gebunden waren. Dieser Bericht ist natürlich nur eine mögliche Sicht der Dinge. Mein Eindruck ist, dass das Schema, nach dem der Club die Verträge mit seinen Spielern gestaltet(e), durchaus fragwürdig, dabei aber wohl in gewisser Weise branchenüblich war und nun die Entscheidung des ukrainischen Fußballverbandes, dem Club gegenüber eine Transfersperre zu verhängen, obwohl er dem Club noch vor einigen Wochen die Lizenz erteilt hatte, nicht ganz sauber zu sein scheint.

Da man auch jenseits des Sports in der Ukraine leider schon länger mit fragwürdigen Gerichtsentscheidungen leben muss, dürfte der Ausgang dieses Dramas vollkommen offen sein. Jedenfalls wird am Samstag beim Saisonstart zuhause gegen Zirka wohl eine Mannschaft ohne Neuverpflichtungen auflaufen müssen.