[2024/2025] Veres – Karpaty: 0:0

Heute begann für Karpaty die langersehnte erste UPL-Saison. Gegner war Veres Rivne, eine Mannschaft, die sich in der letzten Saison im Kampf gegen den Abstieg befand und somit wohl realistischerweise einer der Konkurrenten der Grünweißen um den Klassenerhalt sein würde. Hinzu kamen noch eine ganze Reihe anderer Faktoren: die geographische Nähe, dabei die Rivalität zwischen Galizien und Wolhynien – und ein Wiedersehen alter Bekannter: diesen Sommer war Karpaty-Keeper Andrij Kozhukhar nach Rivne gewechselt, und seit dem Zusammenbruch des alten PFK Karpaty steht dort auch der langjährige Karpaty-Mittelfeldmotor Dmytro Klyots unter Vertrag. Gestern Vormittag hatte die U19 der Grünweißen in Rivne bereits ein 2:2 Unentschieden erreicht.

Mit einigen Neuzugängen, die sich noch nicht so richtig mit der Mannschaft und dem Trainer hatten vertraut machen können und einem neuen Trainer war die Startaufstellung und das Spielsystem natürlich mit Spannung erwartet worden. Gespielt wurde in einer Art 4:3:2:1 mit drei zentralen Mittelfeldspielern hinter den beiden Wingern Pidlepenets‘ und Kostenko und davor Mittelstürmer Igor Neves. Die Frage nach der Hackordnung im Tor war zugunsten der Jugend entschieden worden, Oleksandr Ilyushchenkov hatte es nicht einmal auf die Bank geschafft:

Auf der Bank fiel auf, dass neben Yakiv Kinarejkin mit Nasar Domtschak noch ein zweiter Torwart bereitstand, der zusammen mit Vadym Sydun, Artur Schakh, Bohdan Veklyak, Vitalij Katrytsch und Andrij Lomnytskyj eine Gruppe von insgesamt 6 Spielern aus der U19 bildete:

Das Spiel fand bei Regen auf weichem Boden statt, und beide Mannschaften suchten direkt die Offensive. Die erste große Chance hatte Veres nach 11 Minuten, als Kemkin mit einiger Akrobatik einen Schuss aus seiner rechten Strafraumhälfte abwehren musste – hier hatte die Karpaty-Abwehr, wie wir es schon aus der letzten Saison kennen, hinten einige Räume gelassen. Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte wirkte Veres dann auch stärker als die Gäste, die sich zwar um mehr Sicherheit und flüssiges Kombinationsspiel bemühten, aber das Spiel nicht so recht unter Kontrolle bekamen. Dabei ging es auch von beiden Seiten zum Teil ziemlich hart zur Sache, und es gab einige gelbe Karten.

Erst zum Ende der ersten Hälfte gelang es den Grünweißen, häufiger in die Nähe des gegnerischen Strafraums zu gelangen. Dabei gab es dann einige Chancen, u.a. auch zwei Freistöße, die allerdings alle nichts zählbares einbrachten. So ging es – für die Gäste schmeichelhaft – torlos in die Kabine.

Die zweite Hälfte begann ohne Personalwechsel. Veres war weiter die stärkere Mannschaft und setzte die Gäste von Anfang an unter Druck. Nach 55 Minuten musste Sakiv, der sich bereits in der ersten Hälfte einige Blessuren zugezogen hatte, verletzt vom Platz. Für ihn kam Polehenko, der dann gleich mit Miroschnitschenko die Seiten tauschte und von der rechten Seite spielte.

Das Spiel war jetzt etwas ausgeglichener und wurde von beiden Seiten zunehmend riskant geführt. Nach 63 Minuten leistete sich Torwart Kemkin, der faktisch als dritter Innenverteidiger agierte, einen Abspielfehler, der fast fatale Folgen gehabt hätte – mit Hilfe der heraneilenden Karpaty-Verteidiger und etwas Glück, da der Veres-Angreifer den Ball beim Schuss nicht richtig erwischte, konnte ein Gegentreffer verhindert werden.

Nach 88 Minuten ging Yan Kostenko mit gelbrot vom Platz. Er hatte bereits in der ersten Hälfte eine Verwarnung erhalten und dann mit einem riskanten Tackling seinen Gegner von den Beinen geholt. Trainer Lupaschko schöpfte mit Stênio, Schakh und Sydun noch sein Wechselkontingent aus und schenkte den dreien eine wenn auch kurze UPL-Premiere. Am Spielstand änderte aber all das nichts mehr, es blieb beim 0:0 Unentschieden.

Dieses erste Spiel der Grünweißen in der UPL erinnerte vom Niveau her eher an die Perscha Liha. Veres mit der nominal schwächeren Mannschaft machte das beste aus seinen Möglichkeiten, was streckenweise sehr sehenswerten Fußball ergab. Karpaty konnte man ansehen, dass die Mannschaft sich noch nicht gefunden und auch kein System verinnerlicht hatte. Viel Zeit wird sie nicht haben, das nachzuholen, da in den nächsten zwei Wochen mit Kryvbas und Dynamo gleich richtig starke Gegner anstehen.

Einer der Gewinner des heutigen Spiels war Torhüter Oleksandr Kemkin, der zeigte, dass er am Ball deutlich stärker ist als sein Vorgänger Andrij Kozhukhar, der dazu ja auch noch auf der Gegenseite zwischen den Pfosten stand. Der sehr offensiv agierende Kemkin bewahrte seine Mannschaft in der ersten Hälfte gleich mehrmals mit guten Reflexen vor einem Rückstand. Auch sein Abspielfehler in der 64. Minute, der fast zu einem Gegentor geführt hätte, ändert nichts daran, dass es hier aktuell keinen Verstärkungsbedarf mehr geben dürfte.

Auf der anderen Seite konnte bei der Startelf nicht die Rede von einer „erneuerten“ Mannschaft sein – 6 von 10 Feldspielern waren bereits Stammkräfte in der Vorsaison gewesen, einige davon übrigens zum Club zurückgeholt, nachdem man sich in der Sommerpause bereits von ihnen getrennt hatte.

Es ist davon auszugehen, dass Karpaty auf dem Transfermarkt weiter aktiv bleiben werden. Wie schnell es gelingt, die neu formierte Mannschaft auf das Syatem des neuen Trainers einzuspielen, wird sich zeigen. Es ist allerdings zu befürchten, dass es bis dahin gegen die stärkeren Mannschaften der Liga einige saftige Niederlagen gibt.