[2024/2025] Rukh – Karpaty: 0:1

Heute war es endlich soweit: das Derby mit Rukh, dem Club aus der Vorstadt Vynnyky, fand statt. Dieses Spiel bedeutete auch ein Wiedersehen mit den besten Produkten der Karpaty-Akademie, die Ruhk in den Jahren 2020/2021, als der alte PFK Karpaty unterging, umsonst oder für sehr wenig Geld verpflichten konnte – wie man bei Rukh betont, habe man diesen Spielern „geholfen“, im grünweißen Lager ist die Sicht mitunter eine etwas andere. Jedenfalls standen mit Pidhurskyj, Karabin, Prytula, Sytsch, Roman gleich 5 der besten Karpaty-Schüler jenes Jahres in falschen Farben in der Startformation und mit Runitsch und Slyusar saßen zwei weitere auf der Bank.

Das Spiel stand unter ungleichen Vorzeichen: Karpaty sind gerade am Ende der Vorsaison aufgestiegen und arbeiten noch am Aufbau einer Mannschaft, die im oberen Tabellendrittel eine Rolle spielen kann, Rukh hat diese Phase längst hinter sich und spielt um den Einzug in einen europäischen Wettbewerb.

Gespielt wurde in der für die EM 2012 errichteten Arena Lviv, die aufgrund der Sicherheitebestimmungen angesichts der russischen Aggression nur teilweise mit Fans gefüllt waren. Obwohl im Vorfeld spekuliert worden war, das für Karpaty-Fans praktisch keine Eintrittskarten zur Verfügung stehen würden, schienen sie im Stadion gut vertreten.

Oleksandr Kemkin hatte erneut eine Menge zu tun.

Trainer Lupaschko ließ sein gewohntes 4:1:4:1 spielen. Der zuletzt verletzte Taras Sakiv stand nicht in der Startaufstellung, vielleicht war seine Fitness noch nicht wieder ausreichend, näheres wusste man nicht, weswegen erneut Jean Pedroso in der Innenverteidigerposition und Volodymyr Adamyuk in der Außenverteidigung auflief. In der Startaufstellung standen:

Auf der Bank saßen zu Spielbeginn:

Das Spiel war von Anfang an eines Derby würdig: turbulent und mit zahlreichen Torchancen auf beiden Seiten. Rukh war in seinen Angriffen direkter und gefährlicher – oder war es auch nur so, dass die Karpaty-Abwehr leichter zu verunsichern war – während Karpaty in der gegnerischen Hälfte oft sehenswert kombinierten, dann aber im Abschluss eher harmlos wirkten.

Nach rund einer halben Stunde hatte Rukh gleich mehrere große Chancen, die Führung zu erzielen, und Karpaty hatten es Kemkin und ein wenig auch der fehlenden Präzision im Abschluss beim Gegner zu verdanken, dass es immer noch 0:0 stand.

Tatsächlich waren es aber die Grünweißen, die in Führung gingen. Nach 42 Minuten hatten Karpaty einen Freistoß aus ca. 30 Metern rechts vom Strafraum, den Miroschnitschenko genau auf den Kopf des im Strafraum hochsteigenden Jean Pedroso brachte, der unhaltbar zum 0:1 einköpfte.

Direkt im Anschluss gab es richtig Ärger: Nach einem Foul von Stênio in der gegnerischen Hälfte, das der Schiedsrichter nicht pfiff, gerieten Miroschnitschenko und Klymtschuk aneinander, den der Karpaty-Rechtsverteidiger nach einem Handgemenge umriss. Von allen Seiten kamen Spieler heran, und der Schiedsrichter hatte alle Mühe, die Situation zu eskalieren. Am Ende gab es für beide Spieler gelb, was für Miroschnitschenko sehr glücklich war, der für sein Agieren auch gut vom Platz hätte gestellt werden können. Es ging mit dem für Karpaty glücklichen Stand von 0:1 in die Pause.

Die zweite Hälfte begann ohne personelle Wechsel bei den Grünweißen und mit einer Menge Hektik. Rukh ging sehr aggressiv zur Sache und wollte offenbar möglichst gleich maximalen Druck aufbauen, um zum Ausgleich zu kommen. Karpaty hielten dagegen, und es wurde streckenweise richtig emotional. Nach 59 Minuten hatten Karpaty nach einer schönen Einzelleistung von Bruninho und Nachschuss von Stênio gleich zweimal die Chance, die Führung zu erhöhen, die Rukh-Abwehr konnte aber gerade noch so klären.

Nach 60 Minuten kam Pidlepenets‘ für Bruninho. Zu dieser Zeit hatte der ganz große Druck der Gastgeber etwas nachgelassen, und Karpaty konnten sich immer häufiger selber in Position bringen – letztlich war man jetzt ein wenig bei wieder dem hin und her gehenden Spiel zu Beginn der ersten Hälfte. Es war hochspannend, und jederzeit wäre auf beiden Seiten ein Tor möglich gewesen. Eine Viertelstunde später kamen Ustymenko für Igor Neves, der wieder viel gearbeitet, aber erneut nicht getroffen hatte und Schakh für Stênio. Wieder fünf Minuten später musste Adamyuk angeschlagen vom Platz, für ihn kam Veklyak.

Die letzten Minuten waren dramatisch. Rukh erhöhte wieder den Druck, und es rollte Angriff auf Angriff in Richtung des Karpaty-Tors. Die Grünweißen setzten nun nur noch auf Konter, und vor allem die beiden frischen Außenstürmer Pidlepenets‘ und Schakh sorgten dabei immer wieder für Gefahr. Aber auch die 5 Minuten Nachspielzeit überstanden die Grünweißen, und es blieb beim knappen 0:1 Auswärtssieg.

Fazit

Dieses Spiel wurde in Tempo, Emotionalität und Spannung allen Erwartungen gerecht. Rukh setzte auf Tempo, Athletik und direktes Spiel, Karpaty hingegen auf Technik und Kombinationsfußball, wobei gerade die beiden Brasilianer Bruninho und Stênio immer wieder für Gefahr sorgten. Ein Klassenunterschied, wie ihn die Tabellensituation vor dem Spiel implizierte, war in diesem Spiel nicht zu erkennen, und auch wenn dieser Sieg hart umkämpft und letztlich glücklich war, waren beide Mannschaften in ihren Leistungen auf Augenhöhe.

Karpaty verschaffen sich nach unten ein wenig Luft, und am nächsten Samstag geht es dann zu hause gegen den Tabellenvorletzten Obolon‘.