Andrij Rusol über die Pläne bei Karpaty und die „Vereinigung“ mit Rukh

In einem großen Interview mit Tribuna hat Karpaty-Generaldirektor Andrij Rusol interessante Einblicke in die Pläne des Vereins und die Absprachen mit Rukh gegeben.

Das Interview ist sehr ausführlich und zu einer ganzen Reihe von Themen, weshalb wir hier nur zu einigen ausgewählten Fragen einen kurzen Extrakt liefern – dem geneigten Leser sei ansonsten gern die Lektüre des gesamten Interviews, ggf. mit google Übersetzung, ans Herz gelegt!

Aufgabenstellung und Pläne des Vereins

Rusol erklärt, der Club habe sich einen Zeitrahmen von 3 Jahren gesetzt, und ab der kommenden Saison müsse er um die Qualifikation für europäische Wettbewerbe kämpfen. Teil eines langfristigen Konzepts sei, dass man Jahr für Jahr einer der Anwärter sei – ob es dann immer gelänge, sei im Fußball natürlich nicht vorhersagbar.

Was den Weg dorthin betreffe, höre man auf die Menschen vor Ort, und dabei sei schon deutlich, dass sich viele eine Mannschaft wünschten, die vorwiegend aus Spielern aus der Region bestünde. Rusols Vision sei auch, dass große Mannschaften auf einem Stamm eigener Spieler aufgebaut seien, die über Jahre hinweg aus dem eigenen Jugendsystem kämen. Gleichzeitig sei auch ein gewisses Gleichgewicht mit Spielern aus anderen Ländern typischer Bestandteil großer Clubs.

Mit anderen Worten: man will den Anteil lokaler Spieler ehöhen, der Vektor des Recruitings im Ausland (hier aktuell: vor allem Südamerika) soll aber nicht aufgegeben werden. Ein wichtiger Baustein in der Strategie sei auch die Verpflichtung des Spaniers Andoni Bombin als Nachwuchskoordinator, der in früheren Stationen seiner Karriere bereits bei Athletic Bilbao und Independiente Erfahrungen gesammelt hatte.

Der Deal mit Rukh

Über die Summe, die tatsächlich von Karpaty an Rukh geflossen sei, sei Stillschweigen zwischen den beiden Parteien vereinbart worde. Es sei schwierig, den richtigen Begriff für die Zusammenarbeit beider Clubs zu finden – es sei aber weder eine „Vereinigung“ noch eine „Absorption“, wie manche es ausgedrückt hätten. Rusol sieht die Zusammenarbeit mit Rukh als einen entscheidenden Faktor zum Ziel, eine starke Mannschaft mit einem Kern aus lokalen Spielern zu formieren. Rukh habe in dieser Beziehung einen Vorsprung vor Karpaty gehabt. Ohne diese Zusammenarbeit hätte man noch einen Zeitraum von etwa 3-4 Jahren vor sich gehabt, um aus der eigenen Jugendarbeit und Recruiting eine Mannschaft mit dem notwendigen Niveau zusammenzustellen.

Es gebe auch eine Vereinbarung mit der Rukh-Akademie. Wie genau die aussehe, etwa, ob daraus irgendwann eine Karpaty-Akademie werden könne, könne zur Zeit noch nicht beantwortet werden, man sei zu diesen Fragen im Kontakt mit dem Fußballverband, um zu erfahren, wie alles angegangen werden müsse.

Die Initiative zu dieser Zusammenarbeit sei von Hryhorij Koslowskyj ausgegangen. Was die erste Mannschaft betreffe, umfasse die Vereinbarung „vorerst“ den Übergang von insgesamt 6 Spielern von Rukh zu Karpaty: 4 in der Winterpause und 2 im nächsten Sommer. Berichte, dass einige der Spieler sich kategorisch geweigert hätten, zu Karpaty zu wechseln, seien nicht wahr. Man habe die Spieler zu dem Thema begleitet, mit ihnen darüber gesprochen, was geplant sei. Einige hätten sich früher entschieden, einige später.

Die Tatsache, dass Jurij Tlumak und Artur Ryabov Karpaty verließen und dann bei Rukh unterschrieben, sei kein Teil der Vereinbarung gewesen. Sie hätten der Vertragsauflösung mit Karpaty zugestimmt, seien danach vertraglos gewesen und seien dann von Rukh verpflichtet worden.

Am Status von Rukh-Besitzer Hryhorij Koslowskyj würde sich nichts ändern, er würde nicht zu Karpaty wechseln oder auch nur irgendeine Funktion im Management des Clubs übernehmen. Das selbe gelte für andere Mitglieder des Rukh-Managements.

Alles in allem kann man Rusols Worte so interpretieren, dass der Deal mit Rukh (und auch die Summe Geld, die an Rukh bezahlt wurde) vor allem zum Ziel hat, den Club in der Entwicklung um 2..3 Jahre voranzubringen: gut ausgebildete Spieler aus der Region für die erste Mannschaft jetzt, aber vor allem eine Basis in der Jugendarbeit, die nach dem Untergang des PFK Karpaty zu guten Teilen von Rukh absorbiert worden war.