[2024/2025] Karpaty – Rukh: 3:1

Heute war Derby-Tag in Lviv und Vynnyky – ob es nun eine Zusammenarbeit beider Clubs gibt oder nicht, konnte man davon ausgehen, dass es hoch hergehen würde. Außerde war dies wie alle anderen noch ausstehenden Spiele ein „must win match“ für die Grünweißen, wenn sie noch irgendeine Chance auf Platz 4 haben wollten, der zur Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb berechtigt.

Der Held des Tages: Igor Neves, Photo: © Pressezentrum «Karpaty Lviv»

Mit Denys Miroschnitschenko war nach dessen Gelbsperre der Kapitän wieder an Bord, während Oleksij Sytsch immer noch verletzt und Yan Kostenko gelbgesperrt fehlten. Überraschend stand auch Jean Pedroso nicht im Aufgebot, weshalb es personell in der Defensive schon recht dünn aussah. Das Resultat war diese Aufstellung:

Auf der Bank saßen:

Im weiteren Verlauf des Spiels kamen noch Vladyslav Klymenko (Artur Schakh), Ihor Krasnopir (Igor Neves), Oleh Fedor (Oleh Otscheret’ko), Yevhen Pidlepenets‘ (Bruninho), Ilya Kvasnytsya (Ambrosij Tschatschua) zum Einsatz.

Das Spiel begann wie vorher bereits vermutet als ein Aufeinandertreffen zweier verschiedener Fußball-Philosophien: Rukh physisch und mit viel Tempo, Karpaty technisch und um Spielkontrolle bemüht.

Nach 12 Minuten hatte Torhüter Kinarejkin seinen Auftritt: nach einem Rückpass lief Yurik Klymtschuk auf ihn zu. Statt den Ball wegzuschlagen, spielte Kinarejkin den gegnerischen Stürmer mit einer kleinen Körpertäuschung aus und gab dann ab. Interessant, ob er in der Pause dafür vom Trainer Lob oder eine verbale Abreibung bekam.

Emotional wurde es auch schon früh. Tschatschua und Edson gerieten nach einem harten Einsteigen des Brasilianers in einen emotionalen Wortwechsel, den der Schiedsrichter mit einem erzwungenen Handschlag der beiden schlichten musste. Aber es wurde auch Fußball gespielt. Karpaty hatten etwas mehr vom Spiel, kombinierten gefällig und tauchten hin und wieder vor dem gegnerischen Tor auf. Das war noch kein mitreißendes Spiel, aber auch nicht langweilig.

Und nach 19 Minuten gab es dann auch das erste Tor – und was für ein Tor das war! Igor Neves hatte im Strafraum einen scharf gespielten Pass aus dem Mittelfeld erhalten, ohne zu schauen ließ nach rechts abtropfen, sein Landsmann Bruninho, dessen Laufweg er auch ohne hinzuschauen genau kannte, lief hinein und schloss direkt ab. Bruninho ist als Mittelfeldspieler längst der wichtigste Torschütze seiner Mannschaft geworden, und Igor Neves (wie auch Krasnopir) hat in dieser Saison überhaupt schon getroffen, aber heute konnte man wieder sehen, wie wichtig der Brasilianer durch sein intelligentes und mannschaftsdienliches Spiel ist.

Nach dem Tor ging es im Grunde genau so weiter wie zuvor. Torchancen gab es mehr im Strafraum der Gäste, aber auch wenn es einige Male schon ziemlich gefährlich wurde, gab es keine Änderung des Spielstands. Die gab es nicht – bis zur Minute 44. Nach einer Ecke von rechts gab es gleich eine weitere von links, Babohlo versuchte aufs Tor zu köpfen, den zurückprallenden Ball bekam Stets’kov irgendwie auf den Fuß, traf aber nur die Latte, und Igor Neves stand wie ein klassischer Abstauber bereit und traf zum 2:0 – dem langersehnten ersten Treffer in der UPL. Die Freude kannte keine Grenzen, Igor Neves und seine Mitspieler feierten überschwänglich, und der Schiedsrichter pfiff zur Halbzeit.

In die zweite Hälfte ging es ohne personelle Änderungen bei den Grünweißen. Während es in den ersten Minuten nicht viel neues gab, hatte Rukh etwa ab Spielminute 50 einige sehenswerte Chancen – ein Distanzschuss, der das Tor knapp verfehlte und an den Kinarejkin nicht herangekommen wäre, und auch eine Möglichkeit aus einem Konter heraus, wo Pastukh ziemlich allein vor dem Tor war, links auf Runitsch ablegte, der sich aber zu weit abdrängen ließ. Das war vor allem einer gewissen Leichtfertigkeit in der Karpaty-Abwehr zu verdanken und gab doch etwas Anlass zur Sorge.

Nach 61 Minuten wechselte Trainer Lupaschko zum ersten Mal: für Schakh kam Klymenko, der gleich die Position mit Bruninho tauschte, und Torschütze Igor Neves wurde mit Applaus verabschiedet, als Krasnopir zum Einsatz gegen seinen Exclub kam. Karpaty wurden zu dieser Zeit wieder etwas stärker, und nach 70 Minuten hatte Bruninho von der linken Seite eine Chance, aber ein Bein der Rukh-Abwehr kam irgendwie noch dazwischen. Die darauf folgende Ecke von links war gefährlich, und der nur 1.71 Meter große Ambrosij Tschatschua stieg noch links vor dem Fünfmeterraum und köpfte wunderschön aus spitzem Winkel ein zum 3:0.

Mit noch 15 regulär zu spielenden Minuten war das Spiel nun endgültig entschieden. Rukh griff zwar mit viel Wucht an, um zumindest noch zu verkürzen, sah aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aus, als würde auch nur das gelingen. Kurz darauf kamen noch Fedor und Pidlepenets‘ zu ihren Einsätzen – Bruninho und Otscheret’ko verließen für sie das Feld. Nach 86 Minuten kam dann schließlich noch Kvasnytsya für Tschatschua.

Aber das war noch nicht der Schlusspunkt. Es waren 88 Minuten gespielt, und Rukh hatte einen Eckstoß von links. Pastukh stieg hoch zum Kopfball, der aber wenig Wucht hatte und auf Kinarejkin zuflog, der ihn eigentlich schon in den Händen hatte, ihn dann aber doch irgendwie durchließ. Das war natürlich unnötig und schmälerte ein wenig die Freude bei den Grünweißen. In der Nachspielzeit gab es dann noch einen Freistoß für Karpaty, der aber zu keinem Tor führten, dafür aber zu einem kleinen Ringkampf zwischen Babohlo und Lyakh, für den beide die gelbe Karte erhielten – die aber für den bereits verwarnten Lyakh dann die Ampel bedeutete.

Es blieb am Ende bei einem auch in dieser Höhe leistungsgerechten 3:1 Heimsieg für Karpaty.

Fazit

Es war ein Derby, aber doch deutlich weniger hart umkämpft und spannend als die beiden in der Vorrunde – hier dürfte sich der Wechsel von Leistungsträgern zu Karpaty bemerkbar gemacht haben. Insofern sind die Machtverhältnisse in Lviv zumindest aktuell geklärt.

Aber mehr noch ruhten alle Augen auf Mittelstürmer Igor Neves. Der Brasilianer hatte die gesamte Saison auf sein erstes Tor gewartet, zwei Elfmeter verschossen, aber nie aufgehört, zu arbeiten und mannschaftsdienlich zu spielen, und die Freude war nicht nur ihm anzusehen, sondern auch der ganzen Mannschaft, die ausgelassen mit ihm feierte.

Mit seinem Fehler, der zum Ehrentreffer der Gäste führte, geriet Torwart Yakiv Kinarejkin noch kurz vor Schluss ins Rampenlicht. Er hatte sich ja im Trainingslager – auch bedingt durch eine hartnäckige Virusinfektion beim in der Hinrunde noch gesetzten Oleksandr Kemkin – den Stammplatz erkämpft. Wird der heutige Fehler für ihn Konsequenzen haben?

Karpaty wahren weiter die Chance auf Platz 4, auch wenn es nicht in ihrer eigenen Hand liegen wird, ob sie ihn erreichen, da Kryvbas und Polissiya beide eine bessere Ausgangslage haben. Nächste Woche geht es auswärts weiter bei Abstiegskandidat Obolon‘.