Heute kam es zum lang erwarteten Höhepunkt des Trainingslagers in Österreich: Gegner war Leicester City, englischer Meister der Saison 2015/2016, der gerade nach der vergangenen Saison in die zweite englische Liga abgestiegen war, aber natürlich in Sachen Kaderqualität den Grünweißen um Welten voraus ist.

Bei diesem Gegner konnte man davon ausgehen, dass Trainer Lupaschko auf Experimente verzichten und den stärkstmöglichen Kader aufbieten würde (der schnellere Krasnopir statt Igor Neves dürfte darauf hindeuten, dass man gegen diesen Gegner eher mit Konterspiel rechnete). Es bleibt zu sehen, ob es sich bewahrheitet, aber diese Auswahl könnte durchaus einen Einblick geben, wie die Mannschaft in der neuen Saison aufgestellt sein könnte:
- Nasar Domtschak (TW)
- Pavlo Polehenko (RV)
- Vladyslav Babohlo (IV)
- Jean Pedroso (IV)
- Denys Miroschnitschenko (LV)
- Pablo Álvarez (ZDM)
- Yaroslav Karabin (RW)
- Bruninho (RZM)
- Ambrosij Tschatschua (LZM)
- Yan Kostenko (LW)
- Ihor Krasnopir (MS)
Auf der Bank saßen:
- Andrij Klishchuk (TW)
- Fabián Sánchez (LV)
- Volodymyr Adamyuk (IV)
- Tymur Stets’kov (IV)
- Mykola Kyrytschok (RV)
- Vladyslav Klymenko (ZM)
- Artur Schakh (ZAM)
- Oleh Fedor (ZAM)
- Igor Neves (MS)
- Jurij Kokodynyak (RV)
- Andrij Ivasij (MS, LV, LW)
- Andrij Tscheberyntschak (IV)
- Luiz Yano (ZAM)
- Paulo Vitor (LW)
Leicester City übernahm sofort das Kommando und sorgte mit hohem Tempo und Kombinationsspiel für große Probleme in der Karpaty-Abwehr. Da war eine Menge Nervosität zu spüren, und als man nach rund 2 Minuten zum ersten Mal in Ballbesitz war, versuchte man, das Spiel erst einmal zu verlangsamen. Aber nach einigen Minuten entwickelte sich dann doch ein richtiges Fußballspiel, in dem Leicester zwar überlegen, aber nicht übermächtig wirkte.
Die erste richtige Chance gab es nach 9 Minuten: Karabin war an der gegnerischen Strafraumgrenze zu Fall gebracht worden – ein wenig verwunderlich, warum das kein Freistoß war – und die Karpaty-Abwehr war aufgerückt, als Leicester zu einem Tempogegenstoß und auch zum Abschluss vor dem Tor von Domtschak kam. Allerdings war der Schuss von Patson Daka zu ungenau und verfehlte das Tor.
Nach der ersten halben Stunde war noch immer kein Tor gefallen, und Karpaty zeigten, dass sie nicht nur verteidigen sondern selber aktiv am Spiel teilnehmen wollten – im Grunde ähnlich wie in den Spielen der abgelaufenen Saison gegen Dynamo und Schakhtar. Es ging auf beiden Seiten nun noch eine Weile eifrig hin und her, bist dann zur Pause gepfiffen wurde.
In die zweite Hälfte ging es erst einmal ohne Wechsel. Karpaty kamen nach 47 Minuten zu einem Freistoß an der Strafraumgrenze. Karabin trat an und traf sehenswert zum 1:0. Das war natürlich überraschend. Aber schon zwei Minuten später klingelte es auf der anderen Seite. Miroschnitschenko brachte im Strafraum seinen Gegenspieler zu Fall – der auch kräftig mithalf und bereitwillig fiel, und der Pfiff zum Elfmeter ertönte. Patson Daka trat an und, obwohl Domtschak den Ball fast hatte, traf zum 1:1.
Es ging offensiv auf beiden Seiten weiter. Nach 58 Minuten verfehlte Karabin nach schönem langen Steilpass von Domtschak knapp das Tor – hier hatte Domtschak schön seine Klasse gezeigt, und auch die Annahme von Karabin war sehenswert. Es folgen die ersten Wechsel: Paulo Vitor kam zu seinem Debüt, außerdem übernahmen Igor Neves und Oleh Fedor.
Nach 73 Minuten stand es dann 1:2, und erneut war Patson Daka der Torschütze. Leicester hatte ihn durch zwei Pässe, die Lücken in der Karpaty-Deckung ausnutzten im Strafraum mit freiem Schussfeld ins Spiel gebracht, und er schloss platziert, ohne Chance für Domtschak, ab. Leicester übernahm nun auch wieder mehr die Kontrolle und drängte auf eine höhere Führung, während Karpaty seltener zu Möglichkeiten durch Konter kamen. Da jetzt auch häufiger gewechselt wurde, um möglichst vielen Spielern die Chance auf einen Einsatz zu ermöglichen, fehlte bei den Grünweißen jetzt so ein wenig die Konzentration und Kompaktheit.
Es blieb am Ende bei einem leistungsgerechten 1:2.
Fazit
Karpaty haben nach sehr wackeligen ersten Minuten letztlich den Respekt abgelegt, ihren typischen Still gespielt und damit auch diesen starken Gegner einige Male in Schwierigkeiten gebracht. Das allein ist schon eine gute Nachricht. Tatsächlich war das Spiel über weite Strecken offen, und ein Klassenunterschied war nicht zu spüren. Natürlich ist Leicester City aktuell nur ein Championship-Club, also weit entfernt vom internationalen Wettbewerb, aber als Premier League Absteiger ist der Kader natürlich um Welten wertvoller als der eines UPL-Clubs.
Der Treffer zum 1:2 zeigte eine Schwäche im Karpaty-Spiel, die wir auch in der abgelaufenen Saison schon einige Male gesehen hatten: die Innenverteidigung lässt mitunter zu große Lücken, die der Gegner durch platzierte Pässe ausnutzen und einen Stürmer hinter der Abwehrlinie in Szene setzen kann. Ein Gegner wie Leicester nutzt solche Schwächen unmittelbar aus.
Ansonsten ist zu sagen, dass Nasar Domtschak im Tor eine beeindruckende Leistung zeigte. Nach den Abgängen von Kemkin und Kinarejkin war ja die Frage laut geworden, warum man so starke Spieler, die ja darüber hinaus auch noch Wachstumspotential haben, hat gehen lassen, aber wenn der Plan ist, mit Domtschak in die Saison zu gehen (und er auch das Niveau von heute stabil abrufen kann), sieht das mehr und mehr nach einer veritablen Strategie aus.
Insgesamt war dies ein unterhaltsames Spiel auf ordentlichem Niveau, das Hoffnung auf eine starke neue Saison machen kann.
