Ausblick vor Saisonbeginn

Morgen, am Sonntag, beginnt die neue Saison. Zurück liegt das Trainingslager mit einigen Sparrings, bei denen auch einige Nachwuchsspieler aus der U19 zum Einsatz gekommen waren. Wird die Mannschaft, die eingespielt aber bisher nur moderat verstärkt verstärkt worden ist, oben mitspielen können? Wir werfen einen Blick auf die letzten Nachrichten und wagen eine Prognose.

Der Kader und bisherige Transfers

Das bisherige Transferfenster ist für manche Betrachter entäuschen verlaufen und wirft zumindest einige Fragen auf. Neben der üblichen „Aufräumaktion“, wo Verträge von Spielern, die keine Rolle in der Planung des Trainers spielen, aufgelöst wurden, haben auch drei absolute Leistungsträger den Club verlassen, und davon auch noch zwei auf der selben Position:

Oleh Otscheret’ko kehrte zu seinem Stammclub Schakhtar zurück, von dem er ohne Kaufoption geliehen worden war. Es ist kein Geheimnis, dass man ihn gern fest verpflichtet hätte, aber nach dessen starker Saison für die Grünweißen entpuppte sich das erwartungsgemäß als unrealistisch.

Darüberhinaus gingen mit Oleksandr Kemkin und Yakiv Kinarejkin zwei der talentiertesten jungen Torhüter der Liga. Wie Trainer Vladyslav Lupaschko in einem Interview angedeutet hatte, hatte Kemkin einen „Tapetenwechsel“ benötigt, wohl auch, das klang zwischen den Zeilen durch, weil er unzufrieden war und die Umgebung im Club nicht ausreichend zu schätzen schien. Kinarejkin hatte bekanntermaßen bereits auf der Liste europäischer Clubs gestanden und wechselte dann für 700.000 Euro zu Villarreal B nach Spanien.

Andere Leistungsträger konnten zum Glück gehalten werden – so wurden etwa Jean Pedroso und Bruninho für insgesamt 1.7 Mio nach Ablauf ihrer Leihen fest verpflichtet.

Für Otscheret’ko und den aussortierten Yevhen Pidlepenets‘ im offensiven Mittelfeld bzw. auf den Flügeln kehrte Eigengewächs Yaroslav Karabin von Rukh zurück, und der 26-jährige Brasilianer Paulo Vítor wurde per Leihe mit Kaufoption von Portimonense aus der zweiten portugiesischen Liga verpflichtet. Karabin hat sich bereits in den Testspielen als eine echte Verstärkung gezeigt, bei Paulo Vitor wird sich das noch zeigen müssen.

Auf der Torwartposition gab es für die zwei Abgänge auch zwei Zugänge: eine weitere Rückkehr mit Roman Mysak und Andriy Klishchuk – beides erfahrene Spieler, aber eher nicht auf dem Niveau, auf dem Kemkin und Kinarejkin gespielt hatten. Es spricht aktuell viel dafür, dass die Position „intern“ besetzt wird – Nasar Domtschak wird von vielen Experten als Riesentalent gesehen, und in den Testspielen, nicht zuletzt gegen den stärksten Gegner, Leicester City, hatte er die meiste Spielzeit gesammelt. Sollte er mit seinen erst 18 Jahren den hohen Anforderungen schon gerecht werden können, wäre das natürlich eine gute Lösung, allerdings, sollte er einmal verletzt ausfallen, steht dann natürlich nicht mehr wie zuvor ein praktisch gleichwertiger Ersatz bereit.

Im Trainingslager sind auch einige weitere Jungspieler aus der U19 zum Einsatz gekommen: Luiz Yano (ZAM), Mykola Kyrytschok (RV), Jurij Kokodynyak (RV), Andrij Ivasij (MS, LV, LW), Andrij Tscheberyntschak (IV), Vladyslav Tsymbalistyj (LV), Artem Kolesnyk (TW). Aus dieser Gruppe fehlte heute (neben Nasar Domtschak) Vladyslav Tsymbalistyj, was als Hinweis darauf gedeutet werden könnte, dass dieser morgen bei der Saisoneröffnung im Kader stehen könnte.

Generell, so haben Insider berichtet, sind Karpaty nach wie vor aktiv auf der Suche nach Verstärkungen. Neben der Tatsache, dass mehrere Spieler, an denen man interessiert war, aufgrund des Kriegs oder auch finanzieller Forderungen nicht verpflichtet werden konnten, spielt hier auch der Anspruch des Trainerteams eine Rolle: Spieler müssen in das System passen und auch in der Lage sein, es in kurzer Zeit zu verinnerlichen. Dieses Suchschema trägt letztlich auch dazu bei, dass bisher nicht mehr neue Namen im Kader aufgetaucht sind. Einer, der noch eine Rolle spielen könnte, ist der Argentinier Fabián Sánchez (LV), der im Trainingslager offenbar eine gute Figur gemacht hatte.

Ausblick

Auch wenn möglicherweise noch der eine oder andere Spieler gefunden wird, ist zu vermuten, dass Karpaty in der neuen Saison mit einer ähnlichen Mannschaft wie in der Vorsaison auflaufen werden.

Hierbei bleibt eine interessante Frage, ob es am Ende gelingt, die beiden talentierten Mittelfeldspieler Oleh Fedor und Ilya Kvasnytsya zu integrieren. Beide sind mit Kaufoption bis zum Jahresende von Rukh ausgeliehen, und beide haben zweifellos großes Potential, haben sich aber bisher in der Mannschaft nicht durchsetzen können. Im Tor wird zu beobachten sein, ob Nasar Domtschak einen Stammplatz erhält und dann, ob er bereit für die UPL ist.

Eine Baustelle bleibt die Defensive. Zwar stehen mit Jean Pedroso und Vladyslav Babohlo zwei starke Innenverteidiger zur Verfügung, allerdings wird Tymur Stets’kov, der gerade in München operiert worden ist, wohl noch für länger aus, wodurch nur noch Volodymyr Adamyuk bleibt. Auf den Außenpositionen gibt es ebenfalls nach wie vor Verletzungssorgen: Oleksij Sytsch ist nach seiner bei der Nationalmannschaft erlittenen Verletzung immer noch nicht wieder einsatzbereit, Andrij Bulesa ist kürzlich operiert worden und wird Monate für die Rehabilitation brauchen, wodurch für die rechte Seite eigentlich nur Veteran Pavlo Polehenko bleibt und Kapitän Denys Miroschnitschenko auf links ausweichen muss. Sollte Sánchez verpflichtet werden, wird das den Schmerz ein wenig lindern, aber im Grunde wird hier noch weitere Verstärkung benötigt.

Vor uns liegt noch ein Monat, in dem weitere Spieler verpflichtet werden können. Während dieser Zeit wird sich das Trainerteam auch einen Eindruck verschaffen können, ob die Mannschaft so, wie sie jetzt ist, stark genug ist bzw. wo noch personelle Änderungen gebraucht werden.

Generell gibt es aber keinen Grund für Pessimismus. Vladyslav Lupaschko hat in der letzten Saison eine Mannschaft geformt, die besser als die Summe ihrer Individuen ist. Die Spieler sind eingespielt und haben das Spielsystem weiter verinnerlicht. Nicht zuletzt sind auch die Ligakonkurrenten den selben Einschränkungen unterworfen: Legionäre zögern, in einem Land zu unterschreiben, in dem Krieg herrscht, und ukrainische Spieler von Qualität sind nur für sehr viel Geld oder u.U. überhaupt nicht zu bekommen.