Serhij Tyshchenko: Lupaschko ist für Karpaty eine sehr ambivalente Figur

Serhij Tyshchenko analysiert die Rolle, die Vladyslav Lupaschko für Karpaty gespielt hat und seine zukünftigen Perspektiven. Wir erinnern uns, dass der Club kürzlich seine Trennung vom Trainer bekanntgegeben hatte, die, wie sich später herausstellte, nicht „harmonisch“ war.

Serhij Tyshchenko, Photo: Youtube

In vielerlei Hinsicht wurde Vladyslav Lupaschko Opfer der erfolgreichen Saison nach dem Wiederaufstieg in die UPL. Karpaty verpassten am Ende wie durch ein Wunder die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb. Die nächste Saison sollte besser werden, die Erwartungen waren hoch – und damit auch der Erfolgsdruck.

Ich denke, Lupashkos größter strategischer Fehler war, dass er zu Saisonbeginn nicht selber zurücktrat. Er wusste, dass er die Kontrolle über die Mannschaft verloren hatte und seine Methoden nicht funktionierten, aber er ging nicht. Dadurch verlor er letztlich sehr an Ansehen.

Man muss Lupashko jedoch für die gute Arbeit in seiner ersten Saison Respekt zollen. Gerade nach dem Aufstieg in die Premier League ist es nötig, den Kader zu verändern. Die Aufstiegssaison verlief recht gut. Doch als es darauf ankam, Klasse und Konstanz zu zeigen, um um die vorderen Plätze zu kämpfen, brach alles zusammen.

Es ist ziemlich sicher, dass Lupashko für diese Aufgabe und die damit verbundenen Anforderungen nicht bereit war, da er davor nur ein Jahr bei Inhulets‘ in der Perscha Liha (ukr. 2. Liga) gearbeitet hatte. Einen Club auf dem Niveau von Karpaty erfolgreich zu trainieren, erfordert Vorbereitung und entsprechende Erfahrung.

Ein weiteres Problem neben den fehlenden Resultaten und der Qualität des Spiels der Mannschaft war die Entwcklung der Spieler. Positiv hervorzuheben ist hier lediglich Nasar Domtschak, der sich ohne Konkurrenz zur Nummer eins entwickelte – inwieweit dies eine bewusste Entscheidung war, weiß ich nicht. Ansonsten gab es keine Fortschritte, sondern eher Rückschritte: Jean Pedroso, Denys Miroschnitschenko, Ambrosij Tschatschua und Artur Shakh ließen nach. Es ist völlig unverständlich, warum man Oleksiy Sytsch, Oleg Fedo und Ilya Kvasnytsya von Rukh holte. Pastukh wollte man nicht, und Ihor Krasnopir gelang kein Durchbruch.

Bei so vielen Problemen gleichzeitig liegt die Entlassung des Trainers auf der Hand.

Nun zur Hauptfrage: Wie sieht die Zukunft von Lupashko aus? Es ist allgemein bekannt, dass Herr Avdysch der Berater des ehemaligen Karpaty-Trainers ist. Die Möglichkeiten und der Einfluss dieses Herrn im ukrainischen Fußball sind mittlerweile stark beschränkt. Selbst Jurij Vernydub, der im ukrainischen Fußball bereits einen Namen hatte, konnte [nach seinem Ausscheiden bei Kryvbas] keinen neuen Club finden.

Lupashko sprach viel über seine Philosophie, seinen Wunsch nach hochklassigem Fußball und die Qualität seiner Spieler. In vielerlei Hinsicht hat er sich damit selbst in eine Sackgasse manövriert, denn in der Ukraine kann nur Schachtar Donetsk solche Möglichkeiten bieten. Jeder weiß, dass eine Anstellung Lupashkos dort unrealistisch ist.

Daher gehe ich davon aus, dass Lupashko mindestens ein halbes Jahr arbeitslos sein wird. Danach wird vieles von seiner Lobby abhängen. Ich denke, er wird sich nach einem Verein im Ausland umsehen, was aber nicht weniger schwierig sein wird als in der Ukraine. Lupashkos Hintergrund ist nicht gerade beeindruckend – zu wenig, um das Interesse ausländischer Vereine zu wecken, etwa in der Slowakei, Ungarn, Bulgarien oder gar Polen. Vorstellbar wäre dann vielleicht etwas auf dem Niveau von Kasachstan oder Aserbaidschan.


Dieser Artikel ist ursprünglich auf Serhijs Telegram-Kanal erschienen.