[2025/2026] Schakhtar – Karpaty: 3:0

Heute endete für Karpaty die Winterpause, und gleich in diesem ersten Spiel ging es gegen den wohl stärksten Gegner – Schakhtar. Die Vorbereitung in der Winterpause war für außenstehende Beobachter alles andere als überzeugend gewesen, weswegen manch einer heute beim Einstand des neuen Trainers Fran Fernández mit dem schlimmsten rechnete. Gespielt wurde übrigens in der Arena Lviv.

Abwehrschlacht bis an die Grenze der Belastbarkeit

Die langfristig verletzten Tymur Stets’kovAndrij Bulesa und Volodymyr Adamyuk fehlten weiter. Ansonsten gab es keine Ausfälle bedingt durch Verletzung oder Sperre. Auffällig war, dass Miroschnitschenko nur auf der Bank begann. Ob die Gründe dafür in Leistung, Fitness oder Politik lagen, ist unbekannt. Rückkehrer Bruninho war nach Aussage des Trainers noch nicht bereit für 90 Minuten und begann daher ebenfalls auf der Bank.

Die Formation heute sah aus wie ein 4:3:2:1 mit Edson allein auf der „6“ sowie Tschatschua und Fedor im zentralen Mittelfeld, davor die Flügelspieler und Faal als Spitze:

Auf der Bank saßen:

Im weiteren Verlauf kamen noch Bruninho (Oleh Fedor), Xeber Alkain (Stênio), Paulo Vitor (Yan Kostenko), Marko Sapuha (Edson), Artur Schakh (Ambrosij Tschatschua) zum Einsatz.

Schakhtar dominierte das Spiel von Beginn an und hatte viel Ballbesitz. Karpaty bildeten eine Devensive aus mehreren Schichten: Mittelfeld und Flügelspieler bildeten eine erste Abwehrreihe aus 5 Spielern, die in der Mitte der eigenen Hälfte mit aggressivem Pressing störten, davor Faal, der immer wieder den jeweils ballführenden attackierte, und dahinter stand dann die Viererkette. Das funktionierte in den ersten Minuten beeindruckend gut – Schakhtar kam trotz aller Dominanz kaum in den gegnerischen Strafraum, und Domtschak hatte so gut wie nichts zu tun. Nach vorn setzten Karpaty komplett auf Konter, und es dauerte 18 Minuten, bis sie überhaupt zum ersten Mal im gegnerischen Strafraum auftauchten.

Nach 22 Minuten wurde es zum ersten Mal richtig gefährlich für die Grünweißen, als es ihnen nicht gelang, den Gegner vom eigenen Strafraum fernzuhalten und die technisch starken Brasilianer bei Schakhtar die Karpaty-Defensive ziemlich schwindelig spielten, die sich ihrerseits in alle Schüsse warfen und schließlich irgendwie den Ball aus der Gefahrenzone herausbekamen.

Bei der andauernden Abwehrschlacht ging es im großen und ganzen fair zu, es gab kaum Freistöße, aber es war dennoch ausgesprochen physisch. Kurz vor Ende der ersten Hälfte stießen bei einem Eckball gleich mehrere Karpaty-Abwehrspieler mit den Köpfen zusammen, und Babohlo musste fortan wegen einer Platzwunde an der Stirn mit einem Verband um den Kopf spielen. Die erste Halbzeit endete nach starkem Kampf aber auch disziplinierter taktischer Leistung der Grünweißen torlos.

Das Team ging ohne personelle Veränderungen in die zweite Hälfte. Gleich zu Beginn kam Stênio zu einem der wenigen Schüsse der Grünweißen auf das gegnerische Tor, konnte aber aus spitzem Winkel Dmytro Risnyk nicht in Verlegenheit bringen. Schakhtar konnte nicht nahtlos an den großen Druck der ersten 45 Minuten anknüpfen, wodurch das Spiel offener wurde und Karpaty sich unerwartet häufig in der Offensive fanden.

Nach 59 Minuten hatte Kostenko sogar die Chance, seine Mannschaft in Führung zu bringen. Nach einem weiten Einwurf kam er im Strafraum an den Ball und schloss direkt flach rechts ab, verfehlte aber das Tor um einige Zentimeter. Hier wäre Risnyk machtlos gewesen. Gleich danach kam der erste Wechsel bei Karpaty – für Fedor kam Bruninho.

Und als man eigentlich glaubte, dass Spiel irgendwie im Griff zu haben, stand es dann plötzlich doch 0:1. Es waren 66 Minuten gespielt, Alisson flankte von rechts und fand genau den Kopf von Lassina Traoré. Das war natürlich ein Schlag tief in die Magengrube, und das bis dahin so schön umgesetzte taktische Konzept war in diesem Moment obsolet. Es kam noch schlimmer. Nur 5 Minuten später war die Karpaty-Deckung aufgerückt, Alisson erkämpfte sich den Ball, schickte Lassina Traoré steil, der dann nach einer Körpertäuschung frei zum Abschluss kam – 0:2.

Nach 76 Minuten kam dann ein dreifacher Wechsel – Paulo Vitor, Alkain und Sapuha kamen für Stênio, Kostenko und Edson. Karpaty hatten ihre dichte Deckung längst aufgegeben, und sie verloren wohl auch ein wenig die Konzentration. Es waren 81 Minuten gespielt, die Viererkette versuchte, das Spiel von hinten aufzubauen, dabei verlor Sytsch den Ball, dann ein Querpass auf den allein vor dem Tor stehenden Lassina Traoré, der mit einem lupenreinen Hattrick das 0:3 erzielte. Danach passierte nicht mehr viel, und es ging mit einer schallenden Ohrfeige nach hause.

Fazit

Gegen einen Gegner, der auf fas jeder Position individuell stärker aufgestellt ist, gilt das Motto: lass sie nicht in den Strafraum, sonst geht irgendwann doch einer durch, oder Du kriegst einen Elfmeter. Offenbar war es genau das, was die Mannschaft als taktisches Konzept mit auf den Weg bekommen hatte, und sie setzte das konzentriert und diszipliniert um.

Nur nützt das nichts, wenn man weiterhin – wie schon in der letzten und der Hinrunde dieser Saison immer wieder durch „Basics“ Tore kassiert – Angriff über die Außenposition, Flanke hoch oder flach, und in der Innenverteidigung werden sich Lücken für einen Stürmer finden. Diese Defensivschwäche muss für das Trainerteam Priorität haben.

Wer so auf die Defensive setzt und weitgehend auf eigene Angriffe verzichtet, muss dann auch über 90 Minuten die Konzentration halten. Gelingt das nicht, steht die Mannschaft am Ende blamiert da. Das war heute der Fall. Nachdem man den Gegner eine Stunde lang regelrecht zur Verzweiflung gebracht hatte, bekam man am Ende doch 3 Gegentore, und natürlich wird dann die Frage laut, warum man sich selber so gut wie keine Chancen erarbeitet hat? Unter Vladyslav Lupaschko waren solche Spiele wilde Schlagabtausche mit vielen Toren auf beiden Seiten gewesen. Das hier heute war taktisch viel disziplinierter, am Ende aber weniger erfolgreich.

Natürlich gab es aber auch einige andere Fragen, auf die wir von diesem Spiel erste Antworten erhofften. Etwa: kann Edson Pablo Alvárez auf der „6“ ersetzen? Die Antwort muss wohl lauten: ja und nein. Defensiv, als „Zerstörer“, ist Edson deutlich stärker. Gleichzeitig war Alvárez stärker am Spielaufbau beteiligt – wobei natürlich offen ist, ob bei einem weniger starken Gegner als heute auch von Edson noch mehr sehen werden.

Dann: kann Oleh Fedor sich das zentrale Mittelfeld mit einem anderen Spieler (hier: Ambrosij Tschatschua) teilen? Die Frage kann man aktuell noch nicht abschließend beantworten. Er hatte heute wenig Möglichkeiten, das Spiel zu steuern, da seine Mannschaft fast ausschließlich mit Verteidigen beschäftigt war, aber er brachte sich aktiv ins Spiel ein, und seine Aktionen bei Ballbesitz machten einen guten Eindruck. Es war heute durchgesickert, dass er selbe einen Wechsel zu Polissya anstrebt, da er seine Chancen auf Spielzeit nach der Rückkehr von Bruninho als nicht sehr hoch einschätzt. Es bleibt zu hoffen, dass der Trainer ihn zum Bleiben überreden kann.

Es ist sicher zu früh, nach dem heutigen Spiel bereits ein Urteil über das „neue“ Konzept zu fällen. Die Leistung der Mannschaft war viel besser als in den Sparrings, alles wirkte strukturierter und eingespielter, aber am Ende bleibt doch eine gewaltige Enttäuschung und eine hohe Niederlage.