Heute spielten Karpaty zu hause gegen den vor dem Spiel punktgleichen Aufsteiger FK Kudrivka. Unter dem neuen Trainer Fran Fernández wartet das Team auf seinen ersten Punkt und auch sein erstes Tor, somit war die Ausrichtung klar: es geht gegen den Sturz in die Abstiegszone.

Nach langer Pause war Volodymyr Adamyuk zurück im Mannschaftstraining, während mit einer Rückkehr von Tymur Stets’kov und Andrij Bulesa frühestens im April gerechnet wird.
Die Formation war heute neu: es gab ein 4:2:3:1 mit Edson und Sapuha als Doppel-„6“, Bruninho als Spielmacher und Fernández‘ Lieblingsspieler Alkain mit seinem Startformationsdebut:
- Nasar Domtschak (TW)
- Oleksij Sytsch (RV)
- Vladyslav Babohlo (IV)
- Jean Pedroso (IV)
- Rostyslav Lyakh (LB)
- Marko Sapuha (ZDM)
- Edson (ZDM)
- Xeber Alkain (RW)
- Bruninho (ZAM)
- Yan Kostenko (LW)
- Baboucarr Faal (MS)
Auf der Bank saßen:
- Andrij Klishchuk (TW)
- Roman Mysak (TW)
- Denys Miroschnitschenko (RV)
- Vitalij Kholod (IV)
- Volodymyr Adamyuk (IV)
- Ambrosij Tschatschua (ZM)
- Eriki (ZDM)
- Artur Schakh (ZM)
- Stênio (RW)
- Paulo Vitor (LW)
- Yaroslav Karabin (MS)
- Ilya Kvasnytsya (RW)
Im weiteren Verlauf kamen noch Stênio (Xeber Alkain), Artur Schakh (Bruninho), Ambrosij Tschatschua (Edson), Paulo Vitor (Yan Kostenko), Yaroslav Karabin (Baboucarr Faal) zum Einsatz.

Karpaty begannen mit viel offensivem Schwung. Dabei klappte nicht immer alles, wenn bei jeder Gelegenheit der vertikale Pass gesucht wurde, aber es war zu merken, dass hier nach den Enttäuschungen der letzten zwei Wochen einiges gutzumachen war. Nach 5 Minuten stand es dann auch 1:0, wenn auch etwas überraschenderweise aus einer Kontersituation. Edson hatte in der eigenen Hälfte den Ball erkämpft, sah Kostenko in den Startlöchern und schickte ihn mit einem hohen und weiten Pass steil. Kostenko, der sein Tempo hier ausspielen konnte, machte vor Torwart llya Karavashchenko keinen Fehler und traf. Einen Moment herrschte noch etwas Unsicherheit, ob eine Abseitsposition vorgelegen hatte – mit dem nackten Auge war das nicht zu beurteilen, weil es doch unerhört knapp war – aber am Ende wurde der Treffer gegeben, und Karpaty führten.
Im Laufe der ersten Halbzeit ließen Karpaty es etwas ruhiger angehen, was Kudrivka Raum für eigene Aktionen eröffnete. Diese Angriffe wirkten allerdings meist eher harmlos, und die besseren Chancen hatten weiter die Grünweißen – auch wenn das Spiel nun nicht mehr so schön anzusehen war. Kurz vor der Halbzeit hatte Baboucarr Faal gleich mehrmals die Möglichkeit, die Führung zu erhöhen, vergab aber alle davon. Die erste Hälfte endete mit einer hochverdienten 1:0 Führung.
Nach Wiederanpfiff ging es bei Karpaty ohne personelle Änderungen weiter. Die ersten Minuten gehörten Kudrivka, nicht zuletzt, weil die Grünweißen viel zu passiv begannen. Die Angriffe waren zwar immer noch ziemlich harmlos, aber die Einschläge kamen langsam näher. Nach 61 Minuten gab es dann den ersten Wechsel – Stênio kam für den bis dahin starken Alkain, der offenbar etwas erschöpft war.
Und dann stand es plötzlich doch 1:1. Oleksij Husyev kam mit viel Tempo an die rechte Strafraumseite, spielte den Ball in die Mitte, wo Oleksandr Kosak direkt abnahm. Es folgte ein weiterer Wechsel bei Karpaty: Schakh für Bruninho und Tschatschua für Edson, womit eine Systemumstellung auf 4:1:4:1 einher ging. Unmittelbar danach hatte Husyev die Möglichkeit, sogar die Führung für Kudrivka zu erzielen, aber gerade noch konnte sich Sytsch dazwischen werfen.
Das Karpaty-Spiel war nun völlig auseinandergefallen, und nur der schlechten Chancenverwertung des Gegners war zu verdanken, dass es weiter nur 1:1 stand. Auch in den folgenden Minuten hatten die Gäste die Chancen, während die Grünweißen meist schon im Spielaufbau den Ball verloren und dann immer wieder zurück eilen mussten. Das war ganz schrecklicher Fußball und kaum zu ertragen.
Für die letzten 5 Minuten plus Nachspielzeit kamen noch einmal Paulo Vitor für Sapuha und Karabin für Faal – Trainer Fernández setzte also ganz auf Offensive. Das änderte aber nichts am schlechten Spiel der Mannschaft, die bis zum Schluss einen Fehlpass nach dem anderen produzierte und keinen einzigen Torschuss zustande brachte. Es blieb beim 1:1, das – wenn man den gesamten Spielverlauf berücksichtigt – für die Grünweißen sogar noch schmeichelhaft war. Ein ganz schlimmes Spiel.
Fazit
Das heutige Spiel wurde von vielen auch als das erste von drei Endspielen für den Trainer gesehen: Kudrivka, Poltava, Obolon‘ – alles Teams der unteren Tabellenhälfte, die zwingend geschlagen werden müssen, um mit dem Abstiegs nichts zu tun zu haben, aber auch, um zu zeigen, dass die Mannschaft unter Fran Fernández Spiele gewinnen kann. Nach dem heutigen Spiel kann man natürlich fragen: war es das schon?
Nur für die erste halbe Stunde hatte die Mannschaft ansprechenden Fußball gezeigt, dann immer mehr die Initiative den Gästen überlassen, und nach dem Ausgleich kam das Spiel der Grünweißen einem Offenbarungseid gleich – kein Pass kam mehr an, der Gegner hatte eine Chance nach der anderen. Kudrivka war ein absolut schlagbarer Gegner – technisch beschränkt, abschlussschwach. Mit Leistungen wie der heute ist Karpaty Lviv ein Abstiegskandidat.
Es gab nur wenige positive Erscheinungen, aber die sollen erwähnt sein. Xeber Alkain zeigte ein richtig starkes Spiel – kluge und dabei sehr präzise Pässe und Flanken, die von seinen Mitspielern leider nicht verwertet wurden. Edson war sowohl ein Zerstörer vor der Abwehrreihe als auch ein Motor im zentralen Mittelfeld, eine echte Verstärkung für die Mannschaft. Kostenko hatte die Führung erzielt und auch sonst gut gespielt. Aber das allein reicht nun einmal nicht.
Nächste Woche geht es gegen Poltava, auch in Lviv (das Auswärtsspiel ist aufgrund der Attacken der Raschisten nach Lviv verlegt worden). Es ist schwer zu sagen, welches Wunder geschehen soll, dass wir nicht wieder so ein Elend zu sehen bekommen.
