Vorskla – Karpaty: 1:1

Heute spielten Karpaty im strömenden Regen ihr Rückspiel in der Abstiegsrunde bei Vorskla. Nachdem bereits Arsenal unentschieden gespielt und Olimpik verloren hatte, bestand vor dem Spiel die Möglichkeit, durch einen Sieg aus der Relegationszone herauszukommen, aber wer mochte nach den Leistungen der letzten Wochen noch daran glauben?

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Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Offenbar hatte Trainer Fabri das Gefühl, etwas ändern zu müssen, denn bei der Aufstellung war wenig wie gewohnt: dem 3:4:3 war ein 4:1:4:1 gewichen mit Kuchynskyj im Tor, davor einer Viererkette aus Busko, Papa, Mehremic und Miroshnichenko, auf der 6 Sandokhadze, davor dann Yoda, Klyots, Hongla und Di Franco und als einsame Spitze Ponde.

Auf der Bank saßen Torwart Penkov, der zurückgekehrte Fedetskyj, seine Mitverteidiger Slyva und Kovtun, Mittelfeldspieler Tolochko und aus der Offensivabteilung Myakushko und Debelko. Ganz im Aufgebot fehlten Hutsulyak und Nesterov, ohne dass so richtig klar war weshalb; von Verletzungen war jedenfalls nichts bekannt.

War diese Aufstellung eine Panikreaktion, oder war sie eine konsequente Reaktion auf die Personallage? Vielleicht ein wenig von beidem, denn in der Offensive gibt es kaum noch Optionen, nachdem der heute ohnehin gesperrte Marian Shved nunmehr nach Glasgow umgezogen ist, und mit zwei so offensivstarken Außenverteidigern wie Busko und Miroshnichenko bietet sich eine Viererkette natürlich an. Nur was Sandokhadze auf der 6 sollte, der gerade beim Verteilen von Bällen deutliche Schwächen hat, fragte sich wohl mancher und auch, warum der chronisch abschlussschwache Yoda den Vorzug gegenüber dem aktuell formstarken Myakushko erhielt. Aber sei’s drum, das Fußballspiel begann um 19:30 (Kyiver Zeit), und zwei Halbzeiten später würde man schlauer sein.

Die Partie wirkte am Anfang auf beiden Seiten zerfahren. Der weiche Boden machte einen technischen Fußball schwer. Vorskla ging schon nach 15 Minuten in Führung – ein völlig unnötiger Freistoß links neben dem Strafraum, der eigentlich gar nicht als Direktschuss gemeint war, kullerte an Freund und Feind vorbei, die alle im Strafraum versammelt standen und Kuchynskyj dabei dann auch schön die Sicht versperrten. So ein Slapstick-Tor passte natürlich perfekt in die aktuelle Phase bei Karpaty, und was sich Trainer und Mannschaft vor dem Spiel ausgedacht hatten, konnte man auch gleich mal schön wieder vergessen.

Was danach kam, machte auch nicht gerade Mut. Di Franco war stinksauer und stand die ganze Zeit an der Schwelle zu einer Verwarnung wegen Meckerns, Karpaty versuchten anzugreifen, kriegten aber wenig konstruktives hin, und Vorskla konnte gemütlich auf Kontergelegenheiten warten. So stabilisierte sich langsam das Bild: Karpaty kämpften sich in die gegnerische Hälfte, kamen aber im Grunde kaum zu aussichtsreichen Gelegenheiten, Vorskla wirkte reifer und im Angriff gefährlicher, leistete sich aber auch eine ziemlich große Anzahl Fouls im Mittelfeld, die ohne Verwarnungen blieben und die Gäste sichtlich nervten. So ging es mit einem völlig unnötigen 1:0 in die Pause.

Die zweite Hälfte begann ohne personelle Änderungen bei Karpaty und mit zunehend intensiver Offensive. Das sah zunächst einmal zumindest etwas besser aus als noch vor dem Pausenpfiff. Vor allem Di Franco war sehr aktiv und konnte aufgrund seiner guten Technik und Beweglichkeit auf dem schwierigen Boden oft nur mit Fouls gebremst werden. Er bekam dann selber nach einem Foul in der 55. Minute gelb und konnte es nicht fassen.

Di Franco war es auch, der nach 65 Minuten die größte Chance für seine Mannschaft hatte, als er technisch sehr schön sich den Ball mit dem Fuß und dann der Brust selber vorlegte und dann volley abschloss, der Torwarte konnte den Schuss aber gerade noch abwehren. Zwei Minuten später hatte es Ponde nach schönem Haken im Strafraum auf dem Fuß, aber auch hier war der Torwart dran.

Nach 69 Minuten kam dann Myakushko für Busko, für den Sandokhadze in die Viererkette rückte. Der Druck der Gäste war mittlerweile erheblich, und ein Ausgleich wäre zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient gewesen. Zehn Minuten später humpelte Sandokhadze verletzt vom Platz, und für ihn kam Debelko – es ging jetzt also mit drei Verteidigern und dafür zwei Stürmern weiter. Vorskla hatte sich in der Zwischenzeit etwas befreien können, aber dennoch wäre das 1:0 als Resultat ganz einfach nicht verdient gewesen.

Nach 87 Minuten geschah ein Wunder. Hongla hatte schön auf Pondes Kopf geflankt, den Ball konnte der Torwart nur abklatschen, und – man glaubt es kaum – ausgerechnet Debelko grätschte das Ding aus spitzem Winkel ins Tor. Der Ausgleich war überfällig gewesen. Gleich eine Minute später hätte er zur Legende werden können, als er bei einem Konter den Ball flach an den Fünfmeterraum geflankt bekam, ihn aber dann nicht mehr erwischte.

Es blieb beim 1:1 Unentschieden. Für einen Sprung aus der Relegationszone hat es so natürlich nicht gereicht. Angesichts des frühen Rückstands muss man dieses Resultat wohl aber dennoch als Punktgewinn werten, obwohl am Ende im Grunde auch ein Dreier nicht unverdient gewesen wäre. Immerhin kann sich die Mannschaft mit dieser erfolgreichen Aufholjagd endlich wieder über etwas zählbares freuen, was ihr hoffentlich Auftrieb gibt.

Die Maßnahmen des Trainers haben teilweise gegriffen. Die Viererkette ist nicht so konteranfällig wie die sonst gespielte Dreierkette. Sandokhadze hat zwar nicht viel für den Spielaufbau getan, war aber als Zerstörer vor der Abwehr nicht schlecht. Durchschlagskraft vorn fehlt nach wie vor, aber das ist keine Überraschung, die Probleme im Kader waren ja bekannt.

Mann des Tages war heute klar Di Franco. Er war mit seinem Einsatz und unbedingten Willen ein Vorbild für die ganze Mannschaft und ein echter Kapitän. Debelko hatte Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Sonst braucht er mehr Chancen, zum Glück hat es dieses Mal gepasst. Was mit Hutsulyak und Nesterov ist, werden wir vielleicht in der Woche noch erfahren, beide sind wichtig für die Mannschaft.

Nächste Woche Samstag geht es zu hause gegen Desna, wo man im Hinspiel sehr unglücklich verloren hatte. Es bleibt zu hoffen, dass es dann einmal ein Spiel ohne Pannen-Tore und mit besserem Ausgang gibt.