Karpaty – Dynamo: 0:2

Heute fand das lang erwartete erste Saisonspiel statt, ein Heimspiel gegen Dynamo. Die Losfee hat es ja dieses Jahr nicht gut gemeint mit den Grünweißen, geht es doch in den ersten beiden Saisonspielen nacheinander gegen den Zweiten der Vorsaison und dann gegen Meister Shakhtar. Realistisch war bei diesem Programm mit Null Punkten aus zwei Spielen und somit wohl anschließend dem letzten Tabellenplatz zu rechnen. Alles andere wäre als Erfolg zu werten.

System und Aufstellung entsprachen etwa dem, was nach den Sparring-Spielen zu erwarten gewesen war – ein 4:3:3 mit Pidkivka im Tor (Kudryk hatte gestern für die U21 im Tor gestanden), davor Martins, Kovtun, Vakulenko und als kleine Überraschung Yakimets als Linksverteidiger – der Mann galt ja vor seiner Verpflichtung eigentlich als zentraler Mittelfeldspieler. Das Mittelfeld bestand aus Klyots, Verbnyj und Neuzugang Vojkovic, der es also quasi aus dem Stand in die Startformation geschafft hatte. Davor spielten Hutsulyak, Karpenko und Di Franco.

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Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Auf der Bank saßen Torwart Kudryk, Verteidiger Prce und Kharzhevskyj, Mittelfeldspieler Kosak und Tolochko sowie für die Offensive Remenyuk und Layous. Es fiel auf, dass Dynamo-Leihgabe Dubinchak nicht im Kader stand – der durfte aufgrund seines Leihvertrags nicht gegen seinen Stammclub spielen.

Das Spiel begann ansehnlich. Karpaty übernahmen die Initiative und spielten nach vorn, ohne jedoch hinten die Deckung zu entblößen. Die Devise war ganz offensichtlich, möglichst den Gegner zu beschäftigen und dabei kontrolliert zu spielen. Dynamo hingegen versuchte das Spiel langsam zu machen und bei eigenem Ballbesitz die größere individuelle Klasse einzubringen.

Das war auch stets gefährlich, und nach 10 Minuten durfte Pidkivka durch einen großartigen Reflex unter Beweis stellen, dass er zu Recht zurückgeholt worden war und den Vorzug vor Kudryk erhalten hatte. Karpaty hatten in dieser Zeit einige kleinere Chancen, wovon die beste etwas später ein direkter Freistoß aus etwa 20 Metern war, den Klyots aber in die Mauer schlug.

Zehn Minuten nach seiner Großtat durfte Pidkivka aber auch gleich zeigen, warum er noch nicht bei einem Club aus den ersten 4 spielt – beim Versuch, eine Flanke zu klären, segelte er unter dem Ball hindurch, der dann auf einen Dynamo-Spieler fiel, und es war einer Heldentat eines Innenverteidigers zu verdanken, dass der Kopfball nicht ins leere Tor flog. So blieb es vorerst beim 0:0.

Nach 28 Minuten forderten die Karpaty-Spieler vehement einen Handelfmeter – der Ball flog einem Dynamo-Abwehrspieler an den rechten Oberarm, der zwar einigermaßen angelegt war, aber doch den Ball so ablenkte, dass keine Gefahr mehr bestand. Den Elfmeter hätte es in der Bundesliga vermutlich durchaus gegeben. Hier wurde aber nicht gepfiffen, und es ging torlos weiter.

Nach 42 Minuten stand es dann, angesichts des bisherigen Spielverlaufs eher überraschend, 1:0 für Dynamo – bezeichnenderweise durch ein Eigentor von Kovtun. Dynamo hatte bis zu dem Zeitpunkt so ziemlich alles versemmelt, was es an Schussgelegenheiten auf das Tor von Pidkivka gab, so musste dann eben ein Eigentor her. Das machte natürlich das taktische Konzept von Trainer Chyzhevskyj zunichte, denn in der zweiten Halbzeit würde man gezwungenermaßen irgendwann aufmachen müssen. Um es noch schlimmer zu machen, gab es dann in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auch noch Elfmeter für Dynamo. Hutsulyak ging überstürzt in einen Luftkampf und stieß dabei eher durch die Wucht seines Körpers als absichtlich seinen Gegenspieler aus der Flugbahn. Besedin lief an, traf, und es wurde zur Halbzeit gepfiffen.

Der Spielstand war angesichts des bisherigen Spielverlaufs ein Witz. Aber man muss eben auch akzeptieren, dass man gegen eine Mannschaft wie Dynamo ganz einfach keine Fehler machen darf – die sind aber bei so jungen Spielern wie bei Karpaty fast unvermeidlich. Nun ging es in die zweite Hälfte, und ein Punkt war im Grunde schon unerreichbar – sollte also angegriffen oder versucht werden, ein Torfestival zu verhindern?

Die zweite Hälfte begann mit einem Wechsel – Layous kam für Karpenko, also ein eher filigraner Dribbler für einen physisch stärkeren, klassischen Mittelstürmer. Ganz offensichtlich war das Thema Offensive aber für die zweite Hälfte noch nicht abgehakt.

Die erste Chance hatte aber Karavayev für Dynamo, der von der Strafraumgrenze einen unhaltbaren Schuss knapp neben das Tor setzte. Man merkete, dass die Mannschaft angeschlagen war. Es fehlte der Schwung der ersten Halbzeit, und Dynamo kam viel häufiger als in der ersten Hälfte gefährlich vor das Tor. Dabei war Dynamo wirklich nicht stark und schenkte dem Gegner sogar Kontergelegenheiten, die dann aber oft kläglich vergeben wurden.

Das Spiel flachte mit Beginn der letzten halben Stunde dann auch etwas ab. Dynamo musste nichts mehr tun, und Karpaty fanden nicht mehr so recht ins Spiel. Nach 71 Minuten gab es dann den nächsten Wechsel – für Vojkovic kam Kosak.

Für die letzten paar Minuten durfte dann auch noch einmal Remenyuk heran – er kam für Di Franco. Das änderte aber alles nichts mehr am Ausgang. Karpaty waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, Angriffe systematisch bis zum gegnerischen Strafraum auszuspielen, und es gab damit auch keine Möglichkeit für die drei Stürmer, sich noch irgendwie zu zeigen.

Das Spiel endete mit der erwarteten Niederlage. Es war mit den zwei Toren direkt vor dem Halbzeitpfiff entschieden, auch wenn die Hausherren das Spiel für 40 Minuten offen gehalten hatten bzw. sogar das stärkere Team gewesen waren. Dynamo reicht eine für seine Verhältnisse unterdurchschnittliche Leistung für einen am Ende ungefährdeten Sieg.

Somit ist bestätigt, was wir schon vorher alle wussten: es wird in dieser Saison darum gehen, den Abstieg zu vermeiden. Die Mannschaft ist noch sehr jung, erfahrene und hochklassige Zugänge hat es nicht gegeben, also muss mit dem, was da ist, gearbeitet – und gelernt – werden in der Hoffnung, dass es am Ende reicht.

Taktik und Leistung waren schon einmal ein Fortschritt gegenüber letzter Saison, wo die Mannschaft viel konteranfälliger gewesen war und wo oft die Ordnung gefehlt hatte. Die Viererkette ist ein Erfolg. Torwart Pidkivka war an beiden Treffern absolut schuldlos, hielt mehrere Male bravourös und griff einmal ins Leere – zum Glück ohne zählbare Folgen.

Über die Leistung der Sturmreihe kann man nicht viel sagen. In der ersten Halbzeit sah das alles ganz gut aus, aber in der zweiten Hälfte war sie komplett abgemeldet. Es fehlte hier auch ein wenig eine ordnende und kreative Kraft im Mittelfeld. Verbnyj und Klyots waren beide sehr fleißig, setzten aber keine Impulse, und von Vojkovic war zu wenig zu sehen, um hier zu einem Urteil zu kommen.

Am Sonntag geht es dann also auswärts gegen Shakhtar. Hier wird es erneut darum gehen, eine Packung zu vermeiden, um noch mit einigermaßen erhobenem Kopf dann in die Spiele zu gehen, wo ein Punktgewinn tatsächlich realistisch it. Es wird nicht leicht sein, die Mannschaft so einzustellen, dass sie nicht schon zu Beginn der Saison den Mut verliert.