FK Lviv – Karpaty: 1:1

Heute kam es mit dem Beginn der Abstiegsrunde gleich zum zweiten Derby innerhalb von 8 Tagen. Der Abstand auf den rettenden 11. Platz betrug vor dem Spiel 5 Punkte, es war also unmöglich, heute den letzten Platz zu verlassen. Das Spiel war ein „Geisterspiel“, wegen der Infektionsgefahr mussten alle UPL-Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden, was sicher für Karpaty ein größerer Nachteil war als für den Gegner.

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Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Bei der Aufstellung gab es gegenüber letzter Woche einige Änderungen: Matar fehlte gelbgesperrt, Dubinchak fiel im letzten Moment aus unbekanntem Grund aus. In der üblichen 4:2:3:1 Formation standen dann Kudryk im Tor, davor die Viererkette aus Martins, Giorgadze, Hall und Lyakh anstelle von Dubinchak, davor Nasaryna und Debütant Sytsch auf der Doppelsechs, der wiedergenesene Tanchyk, Kloyts und Pasich im offensiven Mittelfeld und Boiciuc als Sturmspitze.

Auf der Bank saßen Torwart Kanibolotskyj, der ebenfalls wiedergenesene Veremiyenko, Kosak, Prytula, Layous und – überraschenderweise – Deda, der in der vergangenen Woche noch nicht mit der Mannschaft trainiert hatte. Etwas überraschend fehlte auch Pryjma, von dem ja berichtet worden war, dass er sich von seiner Verletzung erholt hatte.

Das Spiel begann mit einer frühen gelben Karte gegen Boiciuc und einem Schreckmoment für Karpaty, als kurz danach die grüßnweiße Abweher zusah, wie Renan im Strafraum an den Ball kam und frei zum Abschluss kam – zum Glück landete der Ball von außen statt innen im Netz. Lyakh, der ja kein gelernter Außenverteidiger ist, hatte da nicht aufgepasst.

Überhaupt unterschied sich der Beginn des Spiels von letzter Woche – die Mannschaft zeigte sich nicht so aggressiv und lauffreudig. Entsprechend hatte FK zunächst mehr Ballbesitz und war häufiger im gegnerischen Strafraum zu finden. Angesichts der Häufigkeit von Elfmeterpfiffen gegen Karpaty in der letzten Zeit war das ein ziemlich riskantes Spiel.

Karpaty kamen zu ihrer ersten richtigen Chance, als Boiciuc von der Strafraumgrenze recht überraschend einen platzierten Flachschuss absetzte, den Sarnavskyj im FK-Tor gerade noch an den Pfosten lenken konnte. Nach 26 Minuten gingen Karpaty dann aber doch in Führung. Nach einem abgeblockten Weitschuss bekam Tanchyk den Ball halbrechts außerhalb des Strafraums und schickte Martins, der es gerade noch schaffte, von der Grundlinie den Ball in den Fünfmeterraum zurückzuspielen, wo Boiciuc in Begleitung einiger FK-Verteidiger wartete. Der Ball prallte dann schließlich von Bratkov ins eigene Tor.

Obwohl letztlich ein Eigentor war dieser Treffer doch anständig herausgespielt, und man hätte es auch gut Boiciuc anrechnen können. Das änderte aber auch nichts dran, dass Karpaty nicht so früh auf den ballführenden ging wie sonst und den Gegner häufiger als es gesund war in die Nähe des eigenen Strafraums ließen. Aber es blieb vorerst bei der knappen Führung, mit der es dann auch in die Pause ging.

Es ging ohne personelle Änderungen in die zweite Hälfte, und nur wenige Minuten später fiel der Ausgleich für FK: Giorgadze hatte im Strafraum den Ball an Ronan verloren, der dann von links auf gut Glück hoch in die Strafraummitte flankte, wo Jascovelli aus spitzem Winkel eine Bogenlampe über Kudryk hinweg ins Tor köpfte. Anschließend holte er sich eine gelbe Karte für das Ausziehen seines Trikots, wodurch es nun 3:1 in gelben Karten für Karpaty stand – Hall hatte in der ersten Halbzeit eine gelbe für Meckern bekommen und Kloyts gleich nach Wiederanpfiff für einen Pressstoß, bei dem er eigentlich den Ball gespielt hatte.

Das Spiel war weiter ausgeglichen. FK attackierte mehr und gab dadurch dem Gegner ganz ungewohnte Chancen durch Konter. Eine solche hatte Pasich nach 63 Minuten, als er mit einem sehenswerten Schuss von der linken Strafraumgrenze das Tor nur knapp verfehlte. Nach 71 Minuten kam Deda für Sytsch, zwei Minuten später musste Martins verletzt vom Platz. Für ihn kam Prytula, der sich nach vorn orientierte, während die Position in der rechten Verteidigung von Pasich besetzt wurde.

Nach 83 Minuten sah dann auch noch Pasich gelb, was bei ihm wohl ziemlich dazu gehört und ihn wohl wieder in die Nähe einer baldigen erneuten Sperre brachte. Praktisch im Gegenzug wurde Boiciuc auf links geschickt, flanke flach in die Mitte auf Pryutla, der von den Beinen geholt wurde – Elfmeter. Nasaryna trat an, und Sarnavskyj hielt. Es folgte ein Eckstoß und ein Konter für FK, bei dem zwei Stürmer allein auf einen Verteidigier und Kudryk zuliefen. Der zurückgeeilte Pasich holte im Strafraum Sabino von den Beinen – Elfmeter auf der anderen Seite und gelbrote Karte für Pasich. Tatarkov trat an, und Kudryk hielt.

Es gab 4 Minuten Nachspielzeit. Karpaty in Unterzahl zeigten mehr Siegeswillen, aber sie kriegten vorn genau so wenig auf die Reihe wie der Gegner. Es blieb beim erneuten Unentschieden und einer Fortsetzung der Serie ohne Sieg für Karpaty.

Das heutige Spiel war ein weiterer starker Hinweis darauf, dass Karpaty in der nächsten Saison nicht mehr erstklassig sein werden, und ob sie als Club dann überhaupt noch existieren würden, steht auch in den Sternen. Der Lokalrivale FK Lviv zeigte sich auch nicht besser, nur haben die einfach weit mehr Abstand nach unten. Die direkte Konkurrenz, Olimpik und Vorskla, spielen morgen Abend gegeneinander. Sollte es Olimpik gelingen, da zu punkten, würde der Abstand noch größer.

Im nächsten Spiel, wann immer das auch sein wird (eine Unterbrechung des Spielbetriebs aufgrund des Coronavirus ist nicht auszuschließen), wird Pasich durch seine gelbrote Karte fehlen. Wie schlimm die Verletzung von Martins ist, ist aktuell nicht bekannt, sollte er länger ausfallen, wird es noch schwieriger.

Positiv aufgefallen sind heute Tanchyk, der auf seiner rechten Seite für einige Unruhe sorgte und so ziemlich als einziger verstand, dass man „Hightower“ Boiciuc in der Mitte auch ruhig mal in der Luft anspielen könnte. Sytsch zeigte auch einen engagierten Einsatz, ohne dass Nervosität spürbar war. Auch das unverhoffte Comeback Dedas war ein leichter Lichtblick. Aber bei alledem bleibt das große Problem der Mannschaft bestehen: sie schafft zu wenig wirkliche Gefahr im gegnerischen Strafraum. Der Spielfluss endet praktisch automatisch an der 16-Meter-Linie, und Torschüsse gibt es praktisch nur aus der Distanz. So wird das nichts.