Schon in der Sommerpause war die Besetzung der Angriffsreihe ein Thema, das praktisch bis zum letzten Tag offen war. Und obwohl Igor Neves regelmäßig trifft, gibt es bereits Pläne, möglicherweise schon bald weitere Verstärkungen zu verpflichten. Aktuell werden drei Namen gehandelt, davon sind zwei alte Bekannte.

Die Hinrunde und erste Phase der Saison in der Perscha Liha (ukr. 2. Liga) geht ihrem Abschluss entgegen, und obwohl Karpaty mit bisher nur einer Niederlage souverän die Tabelle anführt, ist man sich dennoch bewusst, dass der angestrebte Aufstieg nach der Rückrunde alles andere als gesichert ist. Ab Februar warten noch einmal deutlich stärkere Gegner, und die bereits deutlich gewordenen Schwächen müssen dringend adressiert werden.
Eine der Dauerbaustellen ist der Angriff. Am Ende des Sommertransferfensters war mit Cristhyan ein weiterer Brasilianer verpflichtet worden, der auch gleich bei seinem ersten Einsatz einen sehenswerten Treffer erzielte, gleichwohl aber für den Rest der Hinrunde eher blass blieb, so dass praktisch die gesamte Last auf Igor Neves lag. Igor Neves dürfte auch weiter eine wichtige Rolle in der Mannschaft spielen, aber es ist klar, dass hier dringend mehr Tiefe im Kader benötigt wird und auch insgesamt die Mannschaft ihre Überlegenheit auf dem Feld bisher nicht ausreichend in Tore umsetzt. Es ist daher nachvollziehbar, dass Trainer Myron Markevytsch auch kürzlich wieder sprach, dass Verstärkungen nötig sind.
In der vergangenen Woche wurde es nun etwas konkreter. Im öffentlichen Fokus befinden sich drei Spieler, die uns alle nicht überraschen dürften, wobei wir ja auch schon in der Sommerpause erleben konnten, dass dann u.U. plötzlich ganz unbekannte Namen auftauchten.
Mariyan Shved ist ein Produkt der Karpaty-Akademie, erklärter Karpaty-Fan und dürfte daher ganz oben auf der Liste stehen. Nach seinem eher erfolglosen Wechsel zu Celtic im Jahr 2019 folgte eine Leihe nach Belgien beim KV Mechelen, wo Shved nach holprigem Start dann doch noch richtig Fahrt aufnahm. Nachdem sich unter einem neuen Trainer die Liebe etwas abgekühlt hatte, folgte er im Herbst 2022 seinem alten Mentor Igor Jovicevic zu Shakhtar Donetsk, wo er erstmals Champions League Luft atmen konnte. Der Start war erfolgreich, doch danach lief es dann nicht mehr so gut – Verletzungen und Trainerwechsel folgten, und aktuell ist Shved bei Shakhtar nur noch Ergänzungsspieler. In der vergangenen Woche beim überraschenden 1:0 Sieg gegen den FC Barcelona kam Shved zum ersten Mal in dieser Saison in der Champions League auf den Platz, allerdings in der 97. Minute, und ohne dass er den Ball einmal berührt hatte, war das Spiel schon zuende. Shved wird von Transfermarkt auf 1.2 Mio Euro geschätzt. Er ist ein dribbelstarker und schneller Linksfüßer, der meist als „invertierter“ Flügelspieler von der rechten Seite kommt.
Oleksij Hutsulyak ist ein weiteres Mitglied der „goldenen Generation“ junger Spieler aus der Karpaty-Akademie, der bis 2019 mit Shved ein geniales Duo bildete. Anders als Shved wechselte er nach dem Zusammenbruch des alten FK Karpaty nicht ins Ausland, sondern blieb in der UPL – zunächst Desna und nun Dnipro-1. Hustulyak galt immer ein wenig als „ewiges Talent“, hatte mit seinem Tempo und guter Technik alle Anlagen, ein ganz Großer zu werden, aber der Sprung auf die große Bühne ist ihm nie ganz gelungen. Während er bei Karpaty oft als Mittelstürmer gespielt hatte, ist er jetzt eher im offensiven Mittelfeld zu hause – bei seinem aktuellen Club meist links, somit als „klassischer“ Flügelspieler oder auf der „10“. Sein aktueller Wert beträgt laut Transfermarkt rund 1.8 Mio Euro.
Beide Spieler sind bei Karpaty-Fans bis heute ungeheuer populär und gelten so ein wenig als „verlorene Söhne“. Shved dürfte mit seiner Situation bei Shakhtar aktuell nicht glücklich sein, weswegen ein Wechsel für ihn vielleicht eine attraktive Option wäre. Inwieweit Hutsulyak derzeit interessiert wäre, die „größere“ Bühne zu verlassen, ist unbekannt. Beide allerdings sind derzeit nicht billig zu haben. Und bei beiden stellt sich die Frage, ob sie überhaupt Interesse hätten, in die Perscha Liha zu wechseln, oder ob diese Option überhaupt erst nach einem Aufstieg realistisch wäre. Gefragt nach diesen beiden Personalien erklärte Trainer Markevytsch:
Wir sind an vielen Spielern interessiert. Hutsulyak und Shved befinden sich in der Sphäre unseres Interesses, aber Konkretes kann ich dazu derzeit nicht sagen. Wir haben uns noch nicht entschieden, wen wir verpflichten werden.
Auf dem beliebten Youtube-Format TaToTake wurde darauf hingewiesen, dass Hutsulyak wohl kaum in die Perscha Liha wechseln würde, ein solcher Wechsel also wohl überhaupt erst ab nächster Saison denkbar sei, da es ihm bei seinem aktuellen Verein eigentlich auch recht gut gehe. Was Shved betrifft, berichtet der Telegram-Kanal Bij-Bizhy, dass Karpaty an einer Rückkehr arbeiteten und sowohl das kommende Winter- als auch das dann folgende Sommer-Transferfenster in Frage kämen. Dabei könnte der Spieler u.U. (zunächst?) auf Leihbasis verpflichtet werden.
Es dürfte hier schon deutlich sein, dass Shved und Hutsulyak für Karpaty geradezu ideale Spieler wären – mit 26 bzw. 25 Jahren sind beide gerade mal in der Mitte ihrer Fußballerkarrieren, verfügen aber gleichzeitig bereits über eine immense Erfahrung. Es bleibt abzuwarten, ob sie überzeugt werden können, von etablierten, auf der internationalen Bühne spielenden Clubs zurück in die Heimat zu wechseln, wo man aktuell noch zweitklassig ist und nach einem etwaigen Aufstieg sicher auch nicht gleich ganz oben mitspielen wird.
Schließlich kommen wir zur dritten Personalie: Andrij Khoma vom FK Prykarpattya sollte uns spätestens nach dem hart umkämpften 3:3 gegen seinen Club ein Begriff sein. Ein möglicher Transfer ist kürzlich durch einen Bericht auf SportUA kolportiert worden. Andrij ist 22 Jahre alt und ein Produkt des Prykarpattya-Jugendsystems. Seine Qualitäten hat er in der Perscha Liha bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, und er führt mit derzeit 11 Treffern die Torschützenliste der Liga an. Dass Khoma für die Perscha Liha eine echte Verstärkung wäre, scheint unter diesen Umständen mehr als plausibel. Gleichwohl wäre er für Karpaty wohl eher ein Perspektivspieler, der für „höhere Aufgaben“ aufgebaut werden müsste. Damit spräche einerseits eine Menge für einen Wechsel bereits in dieser Winterpause, wovon er als Spieler sicher profitieren könnte. Gleichwohl wäre aber das Problem der mangelnden Durchschlagskraft der Grünweißen durch ihn allein nicht gelöst. Billig würde dieser Transfer allerdings auch nicht, da Khoma noch bis Juni 2026 bei seinem derzeitigen Club unter Vertrag steht.
Wenn wir also spekulieren dürfen, dann spräche aktuelle eine Menge dafür, Mariyan Shved bereits im Winter auf Leihbasis zu verpflichten. Möglicherweise, da beide nicht auf der selben Position zu hause sind, könnte zusätzlich Khoma kommen, sicher nicht nur, aber auch als Backup für Igor Neves. Ob Cristhyan beim Club bliebe, ist schwer zu sagen, dazu kann man zu wenig sehen, wie seine Leistungen im Training sind und ob die Hoffnung besteht, ihn doch noch auf das notwendige Niveau zu bringen, es könnte also durchaus sein, dass man sich von ihm bereits in der Winterpause trennen könnte.
