Sportliche Nachfolge: in Lausanne ist ein Urteil gefallen

Die Saga um den Untergang des alten Clubs, PFC Karpaty, dessen Schulden und die Frage, ob der neue Club dafür aufkommen müsse, erhält mit einer heute bekannt gewordenen Entscheidung des internationalen Sportgerichthofs in Lausanne ein weiteres Kapitel, das wohl weitreichende Konsequenzen für den Club haben wird.

Photo: © Pressezentrum PFK «Karpaty Lviv» (alt)

Wie wir wissen, ist der Fußballclub Karpaty Lviv, der ab kommender Saison in der UPL antritt, eine Neugründung und hat (zivil-) juristisch keine Verbindung zu dem alten Club, PFC Karpaty, der zunächst Petro Dyminskyj und dann Oleh Smalijtschuk gehört und bei seinem Untergang einige Millionen Euro Schulden hinterlassen hatte.

Damit in vergleichbaren Fällen Gläubiger nicht auf ihren Forderungen gegenüber bankrotten Clubs sitzen bleiben, gibt es im internationalen Profifußball den Begriff der „sportlichen Nachfolge“. Geht ein Club unter, meist aufgrund finanzieller Probleme, kann ein neu gegründeter Club, selbst wenn Besitzer und Betreiber völlig andere Personen sind als die des alten, von der UEFA als dessen Nachfolger eingestuft werden, wenn einige Kriterien erfüllt sind, etwa Name, Farben, Wappen, Stadion usw.

Wird ein neuer Club als „sportlicher Nachfolger“ eines alten Clubs eingestuft, dann „erbt“ er nicht nur Farben und Wappen, sondern auch die Schulden des alten Clubs. Auf die sportjuristischen Hintergründe zu dem Thema sind wir im Januar 2022 in unserer großen Analyse eingegangen: UEFA und Karpaty: kann der neue Club belangt werden?

Um diese Frage ging es bei der Klage des ehemaligen Karpaty-Spielers Cristóbal Márquez Crespo, der 2012 gegen seinen früheren Club wegen ausgebliebener Gehaltszahlungen geklagt und 600.000 Euro zugesprochen bekommen hatte. Der Entscheidung folgte ein längerer Rechtsstreit, der dazu führte, dass der Spieler die ihm zugesprochene Summe vom (alten) Club nicht mehr erhalten konnte, bevor jener unterging und von der Bildfläche verschwand. Der Spieler wandte sich mit seiner Fordernung nun an den neuen Club, argumentierend, dass er der sportliche Nachfolger des alten sei und damit auch für dessen Schulden aufkommen müsse.

Wie heute Karpaty Lviv auf ihrer Webseite mitgeteilt haben, hat es zu dieser Frage nun eine Entscheidung des Sportgerichtshofs in Lausanne gegeben:

Der Fußballverein „Karpaty“ teilt mit, dass das Sportschiedsgericht in Lausanne heute, am 18. Juli 2024, seine Entscheidung im Fall CAS 2023/A/9809 übermittelt hat, die die frühere Entscheidung der FIFA über die Klage eines ehemaligen Spielers Cristobal Marquez Crespo gegen den PFC „Karpaty“ LLC bestätigte:

  • Der FC „Karpaty“ ist der sportliche Rechtsnachfolger der „PFC Karpaty“ LLC“;
  • Der FC Karpaty ist für die finanziellen Verpflichtungen der PFC Karpaty LLC gegenüber Cristobal Marques Crespo verantwortlich.

Unser Verein hat die möglichen Ergebnisse und Konsequenzen dieses Falles vorhergesehen und ist bereit, den Entscheidungen des Schiedsgerichts für Sport Folge zu leisten.

Bei der Summe von rund 600.000 Euro handelt es sich allerdings nur um einen kleinen Teil der Schulden des alten Clubs, weshalb dieses Urteil weitreichende Konsequenzen für ihn haben dürfte. Wie wir im November 2023 analysierten, sind derzeit Altschulden von rund 8 Mio Euro bekannt, der größere Teil davon gegenüber dem FC Sevilla für den Transfer des Spielers Jorge Carrascal aus dem Jahr 2019. Es ist damit zu rechnen, wo nun von höchster Stelle bestätigt ist, dass der Club als sportlicher Nachfolger des untergegangenen PFC Karpaty für dessen Schulden aufkommen muss, dass alte Gläubiger sich jetzt melden und Forderungen stellen werden.

Die gute Nachricht ist, dass die Clubführung sich schon seit langer Zeit mit dieser Möglichkeit beschäftigt und offenbar vorgesorgt hat. Zudem ist das finanzielle Polster wohl aktuell auch groß genug, dass diese Situation den Club nicht vor existenzielle Probleme stellt. Dennoch muss hier erwähnt werden, dass wir aus unserer Perspektive keinen tiefen Einblick in die Details haben, weshalb Prognosen weiter mit Vorsicht zu genießen sind.