Unruhe im Trainingslager: wie gestern bekannt wurde, ist Denys Miroschnitschenko nicht länger Kapitän der Mannschaft.
Wie Sportivka berichtet, wurde gestern durch die Vereinsführung kurzfristig beschlossen, Denis Miroschnitschenko das Kapitänsamt zu entziehen. Eine offizielle Verlautbarung seitens des Vereins gibt es nicht, aber verschiedenen Meldungen zufolge soll der Auslöser dieser Entscheidung die Tatsache gewesen sein, dass Miroschnitschenko vor dem gestrigen Trainingsspiel gegen GAIS zu seinen Mannschaftskameraden eine kleine Ansprache in russischer Sprache gehalten hatte. Das konnte man über den Livestream hören und hat zu zahlreichen negativen Reaktionen geführt. Die Mannschaft hat in der Zwischenzeit einen neuen Kapitän gewählt – Vladyslav Babohlo mit Ambrosij Tschatschua und Edson als Vertretern.
Wie ist diese Entscheidung zu bewerten? Natürlich stehen uns hier nicht ausreichend Informationen für eine umfassende Bewertung zur Verfügung. Ausgehend davon, dass die uns vorliegenden Informationen korrekt sind, seien hier zwei Seiten ohne weitere Interpretation gegenübergestellt:
- Russland führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der sich nicht nur auf Land und Geopolitik beschränkt, sondern zum Ziel hat, die ukrainische Identität an sich vollständig zu vernichten. Die Sprache ist dabei ein zentrales Element: der russischen Ideologie zufolge handelt es sich bei Ukrainisch um eine Art Dialekt, dem Russischen untergeordnet, und in den von Russland besetzten Gebieten sind konsequent alle Anzeichen ukrainischer Sprache (z.B. Namen, Bücher etc.) beseitigt und verboten worden. Deshalb ist die Benutzung der ukrainischen Sprache für alle Ukrainer gerade jetzt ganz besonders wichtig. Das gilt sogar noch stärker für die Westukraine und besonders Lviv, wo die ukrainische Sprache immer als Symbol für den Widerstand gegen die russische Herrschaft (etwa zu sowjetischen Zeiten) eine zentrale Bedeutung hatte.
- Denis Miroschnitschenko stammt aus Kryvyj Rih im südlichen Teil der Ukraine, wo Menschen seiner Generation mit Russisch als Hauptsprache aufgewachsen sind. Viele aus solchen historisch stark russifizierten Gebieten haben seit 2014 aus eigener Initiative zum Ukrainischen gewechselt. Anderen fällt das hingegen nicht so leicht. Wie sich das bei Denis verhält, wissen wir nicht; allerdings sei auch darauf hingewiesen, dass Sportler wie er das Fußball-Fachvokabular in Russisch gelernt haben dürften (wir erinnern an unser Interview mit dem damaligen Karpaty-Trainer Roman Sanzhar, das faktisch zweisprachig geführt wurde – Fragen in Ukrainisch, Antworten auf Russisch). Unabhängig davon ist auch festzuhalten, dass Denis Miroschnitschenko eine Legende des Vereins ist und einer, der sich auf dem Platz für die Mannschaft zerreißt.
Wir hoffen, dass sich aus der Sache kein tiefer Konflikt entwickelt.

