[2025/2026] Dynamo – Karpaty: 0:1

Heute spielten Karpaty ihr erstes Ligaspiel nach der Länderspielpause. Die Pause war durchaus willkommen gewesen, um Verletzungen auszukurieren und die Fitness der Mannschaft zu verbessern. Nach den zwei überzeugenden Siegen in den letzten Spielen war die Stimmung etwas besser. Der heutige Gegner, Dynamo, konnte als Messlatte gesehen werden, um zu sehen, wo die Mannschaft wirklich steht. Auf dem Papier war die Ausgangslage klar – alles andere als ein Sieg der Kyiver wäre eine Überraschung. Gleichwohl hatte die Mannschaft unter dem letzten Trainer Vladyslav Lupaschko in der Hinrunde ein überraschendes 3:3 erreicht.

Das 0:1 durch Faal

Bei Karpaty standen nach Verletzung endlich Tymur Stets’kov und Marko Sapuha wieder zur Verfügung. Mit dem Langzeitverletzten Andrij Bulesa wird ab Ende April wieder gerechnet, Valentyn Rubtschynskyj darf gegen seinen Stammclub nicht eingesetzt werden und Edson hatte sich vor dem Spiel verletzt. Gespielt wurde wieder mit einem 4:1:4:1 Schema:

Auf der Bank saßen:

Im weiteren Verlauf kamen noch Paulo Vitor (Xeber Alkain), Eriki (Marko Sapuha), Oleksij Sytsch (Denys Miroschnitschenko), Stênio (Yan Kostenko), Artur Schakh (Bruninho) zum Einsatz.

Karpaty begannen das Spiel überraschenderweise dominant. Sie hielten den Ball in den eigenen Reihen, leisteten sich wenige Fehler und suchten die Offensive. Nach bereits 5 Minuten gingen sie sogar in Führung. Davor hatte es einen Eckball gegeben, der Ball war bereits außerhalb des Strafraums, wurde dann hoch rechts vor das Tor gespielt, wo Babohlo herankam und zurück an den Rand des Fünfmeterraums spielte. Dort stand Faal, wo ein Mittelstürmer nun einmal sehen sollte und zog aus der Drehung ab – 0:1. Das war unerwartet, aber ausgehend von der kurzen bisher gespielten Zeit durchaus verdient.

Es dauerte eine Weile, dass Dynamo ins Spiel fand, aber so ab Minute 15 nahm der Druck der Hausherren spürbar zu. Nach 20 Minuten bekam Denys Popov den Ball sehr schön von Andrij Yarmolenko auf den Kopf gelegt, und Domtschak rettete mit einem sensationellen Reflex aus kurzer Distanz. Karpaty spielten auch weiter nach vorn, wenn sie an den Ball kamen, aber der Spielfluss und Druck der ersten Minuten war das nicht mehr.

Zum Ende der ersten Hälfte war dies ein richtig gutes Fußballspiel, bei dem zwar Dynamo mehr vom Spiel hatte, aber Karpaty konzentriert dagegen hielten und sich ihrerseits auch Chancen erspielten. Es wurde noch einige Male durchaus dramatisch, und dann ging es mit 0:1 in die Kabine.

Die zweite Hälfte begann ohne personelle Änderungen bei den Grünweißen, die mit neuer Energie aus der Kabine kamen und gleich in die Offensive gingen. Nach 57 Minuten gab es den ersten Wechsel – Paulo Vitor kam für Alkain, möglicherweise um durch dessen Tempo im Konterspiel mehr Gefahr zu erzeugen.

Derweil nahm der Druck der Hausherren wieder zu. Nach 63 Minuten zeigte Domtschak wieder einen großartigen Reflex, als er einen Schuss von Bohdan Reduschko aus rund 9 Metern aus dem Eck fischte. Kurz später kamen dann noch Eriki für Sapuha und Sytsch für Miroschnitschenko.

Eine Viertelstunde vor Schluss kamen die letzten zwei Wechsel – Stênio für Kostenko und Schakh für Bruninho. Das Spiel verlief weiter unverändert. Danamo drängte auf den Ausgleich. Karpaty waren hochkonzentriert, spielten aus einer gut organisierten Deckung heraus und setzten durch Konter ihrerseits Akzente. Nach 79 Minuten war dann der Ball im Netz der Grünweißen. Domtschak konnte einen Schuss von Reduschko parieren, Mittelstürmer Matvij Ponomarenko erkämpfte sich den Abpraller und schoss ein. Dabei hatte er aber Domtschak am Rand des Fünfmeterraums behindert, weshalb nun erst einmal der VAR intervenierte. Der Schiedsrichter schaute sich die Szene noch einmal genau an und gab den Treffer schließlich nicht.

Es gab 7 Minuten Nachspielzeit, was aufgrund der langen Pause nach dem am Ende nicht gegebenen Tor von Dynamo nachvollziehbar war. Die Emotionen waren auf beiden Seiten hoch, und nach 91 Minuten gab es nach einer möglichen Tätlichkeit an Babohlo große Aufregung und einen Menschenauflauf und wildes Geschubse. Im Anschluss gab es gelb für Kholod und Ponomarenko, der vorher bereits verwarnt worden war und den Platz verlassen musste.

Es blieb rasant und spannend. Dynamo rannte mit aller Macht an, und Karpaty verteidigten mit Leidenschaft, etwas Glück, aber auch Können. Die Nachspielzeit war schon abgelaufen, und immer noch ging es hin und her. Plötzlich tauchte Faal allein mit dem Ball vor Torwart Ruslan Neshcheret auf, hatte aber im Abseits gestanden. Und dann kam der Schlusspfiff. Karpaty hatten gewonnen.

Fazit

Dies war ein richtig aufregendes und hochklassiges Fußballspiel zweier Mannschaften, die sich auf Augenhöhe zeigten und bis zum Abpfiff kämpften. Und natürlich kam dieses Resultat einer kleinen Sensation gleich. Karpaty hatten über das ganze Spiel eine sehr starke und konzentrierte Leistung gezeigt, so dass die knappe Führung in der ersten Hälfte durchaus verdient war. Es fiel auf, dass die Defensive gut abgestimmt war und wenig zuließ. Wenn dann mal etwas durchkam, dann zeigte sich Domtschak von seiner stärksten Seite. Es ist schwer nachzuvollziehen, wie das die selbe Mannschaft gewesen sein soll, die noch drei Spieltage vorher zu hause gegen Aufsteiger Kudrivka geradezu einen Katastrophenfußball gespielt und beinahe verloren hätte. Man kann nicht umhin, Trainer Fran Fernández, den man vor zwei Wochen fast schon entlassen hatte, für die taktische Einstellung der Mannschaft ein Kompliment auszusprechen.

Interessant ist auch, dass bei Karpaty auf einmal Mittelstürmer Tore schießen. Unter Lupaschko war das nur in Ausnahmefällen der Fall gewesen. Baboucarr Faal erweist sich dabei immer mehr als Glücksgriff, auch wenn viele immer noch meinen, man hätte Ihor Krasnopir nie gehen lassen sollen. Tatsächlich sind talentierte Spieler mit ukrainischem Pass derzeit kaum zu bekommen, weshalb man die, die man unter Vertrag hat, nicht gehen lassen sollte. Dennoch kann man sich durchaus an Spielern wie Faal, aber auch Xeber Alkain oder Edson freuen – und auch daran, dass frühere Karpaty-Jugendspieler wie Rostyslav Lyakh, Vitalij Kholod und Oleksij Sytsch endlich wieder das „richtige“ Trikot tragen.

Karpaty gehen nun mit hocherhobenen Köpfen in die nächste Runde, wo es gegen den Tabellenvorletzten Oleksandriya geht.