[2025/2026] Rukh – Karpaty: 0:3

Heute spielten Karpaty im Derby bei Rukh. Auch wenn beide Clubs nun eine Zusammenarbeit verbindet, durch die die Grünweißen einige Leistungsträger verpflichten konnten, ist dies dennoch ein emotionales Spiel, bei dem beide Seiten Punkte holen und Gesicht wahren wollen.

Wird Yan Kostenko dieses Wappen auch in der nächsten Saison noch lieben?

Bei Karpaty kehrten die zuvor gelbgesperrten Denys Miroschnitschenko und Bruninho zurück. Edson hatte die letzten Spiele durch Verletzung verpasst. Oleksij Sytsch war nach seiner Verletzung im Spiel gegen Epicenter noch angeschlagen, außerdem fehlte Vladyslav Babohlo mit einer Muskelprellung. Gespielt wurde wieder mit einem 4:1:4:1 Schema:

Auf der Bank saßen:

Im weiteren Verlauf kamen noch Valentyn Rubtschynskyj (Marko Sapuha), Paulo Vitor (Xeber Alkain), Volodymyr Adamyuk (Rostyslav Lyakh), Tymur Stets’kov (Vitalij Kholod) zum Einsatz.

Rukh hatte am vergangenen Wochenende beim Spiel der Grünweißen gegen Epicenter genau hingeguckt und war taktisch entsprechend eingestellt: hohes Pressing, physisch robust bis hin zu aggressiv. Es gab schon nach 2 Minuten die erste gelbe Karte für Vitalij Roman (der übrigens immer mal wieder mit einem Wechsel zu Karpaty in Verbindung gebracht wird) für einen Check gegen Bruninho, und wenig später musste auch Kostenko seine blutende Nase behandeln lassen. Das sollte aber nicht den Eindruck erwecken, dass es brutal zur Sache ging, das war nicht der Fall.

Karpaty taten sich ungeheuer schwer. Rukh hatte mehr Momente vor dem gegnerischen Tor und störte den Spielaufbau des Gegners wirkungsvoll. Derweil war die Stimmung gut. Auch wenn das Spiel „auswärts“ stattfand (Rukh trägt seine Heimspiele in der EM-Arena Lviv aus), fühlte es sich wie ein Karpaty-Heimspiel an – die grüne Wand stand.

Nach 25 Minuten sah Lyakh nach einem Tackling gegen Roman gelb, wobei bei näherem Hinsehen eigentlich kein Kontakt zu erkennen gewesen war. Nachdem Rukh für den Großteil der ersten halben Stunde für mehr Gefahr gesorgt hatten, stand es dennoch bei Minute 31 etwas unerwartet 0:1. Miroschnitschenko hatte von seiner rechten Seite geflankt, Bruninhos Kopfball konnte noch von Hereta abgewehrt werden, und den Abpraller schoss dann Yan Kostenko ein.

Das Tor war genau vor der Gäste-Fankurve gefallen, und Kostenko lief sofort an die Bande und zeigte energisch auf das Logo links an seiner Brust. War das ein Zeichen, dass er vielleicht doch bald seinen Vertrag bei den Grünweißen verlängern würde, oder wird er nächste Saison das selbe mit dem Metalist 1925 Logo tun? In jedem Fall machte sich hier die individuelle Klasse der Grünweißen bemerkbar, die trothz bis dahin eher durchwachsenem Spiel aus wenig Chancen ein Tor gemacht hatten, während Rukh aus seinen Chancen nichts Zählbares blieb.

Kurz vor dem Halbzeitpfiff stand es dann sogar 0:2. Xeber Alkain hatte eine seiner präzisen Flanken ins Zentrum gespielt, wo Faal den Ball leider etwas weniger genau nach hinten ablgegte. Es folgten einige Schussversuche, die jeweils von Rukh-Verteidigern abgewehrt werden konnte, bis dann Tschatschua einen solchen Abpraller aus ca. 11 Metern verwandelte. Mit diesem Stand ging es in die Pause.

Nach der Pause ging es wie üblich zunächst ohne personelle Änderungen weiter. Nach 56 Minuten stand es dann sogar 0:3. Miroschnitschenko hatte von der Mittellinie einen Freistoß weit in den Strafraum hinein geschlagen, und es war wieder ein Abpraller, den in diesem Fall Jean Pedroso aufnahm, um das tritte Tor für seine Mannschaft zu erzielen.

Nun war natürlich der Widerstand der Gastgeber gebrochen, und Karpaty konnten in Ruhe kombinieren. Es gab einige schön anzusehende „brasilianische“ Momente, die aber nichts zählbares hinterließen. Fran Fernández konnte nun in Ruhe durchwechseln. Für Sapuha kam nach 65 Minuten Rubtschynskyj, und für Alkain kam Paulo Vitor. 10 Minuten später kam dann auch Illya Kvasnytsya zu einem seltenen Einsatz, er ersetze Kostenko, und für den bereits verwarnten Lyakh kam Adamyuk, der mit Miroschnitschenko die Seite tauschte, so dass fortan mit invertierten Außenverteidigern gespielt wurde.

Für Kvasnytsya, der ja sonst kaum zum Einsatz kommt, war dies eine gute Möglichkeit, seine Technik zu zeigen, da Rukh hinten viel freien Raum bot, und er konnte sich auch einige Male eín Szene setzen. Für die letzten 5 Minuten kam dann Stets’kov zu seinem ersten Einsatz nach langer Verletzungspause. Für ihn verließ Kholod den Platz, der wie immer hinten nichts zugelassen hatte. Etwa zum selben Zeitpunkt wurde übrigens auf der Gegenseite Igor Neves ausgewechselt, der bei Karpaty aussortiert und an Rukh verliehen worden war. Bei den Fans war er aber immer populär gewesen, und bei seiner Auswechselung gab es dann „Igor-Neves“ Sprechchöre – sehr schön.

Fazit

Es dauerte rund eine halbe Stunde, bis Karpaty eher über ihre individuelle Klasse als Spielkontrolle in Führung gingen. Nachdem dann kurz danach das zweite Tor gefallen war, übernahmen sie auch immer mehr die Kontrolle. Rukh war nun gezwungen, statt wie vorher durch schnelles Umschaltspiel offener anzugreifen, was wiederum Platz für Konter schaffte.

Karpaty tun sich nach wie vor schwer mit Gegnern, die früh und aggressiv stören, und wie man im Spiel gegen Epicenter letzte Woche sah, nützt dann individuelle Klasse mitunter auch nichts. Heute war der Unterschied zwischen beiden Mannschaften etwas größer, und es gelang rechtzeitig, die Führung zu erzielen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Spiel gegen solche Mannschaften deutlich Verbesserungsbedarf gibt. Alles in allem war dies am Ende ein ungefährdeter und auch eher leichter Sieg, auch wenn es am Anfang ganz anders ausgesehen hatte.

Eine Frage, die sich viele Karpaty-Fans seit langem stellen ist: was ist mit Kvasnytsya? In der Presse hatte es bereits Stimmen gegeben, nach denen er den Konkurrenzkampf gegen die anderen Flügelspieler im Team längst aufgegeben habe. Heute hatte er es natürlich mit wenig Widerstand zu tun, wirkte aber agil und konzentriert. Es bleibt zu hoffen, dass bei ihm am Ende doch endlich der Knoten platzt, denn er ist ganz offenbar ein Spieler mit viel Potential, das nun endlich einmal entfesselt werden muss.

Nächste Woche spielen Karpaty zu hause gegen den Tabellenzweiten LNS – das wird ein ganz anderes Spiel, und hier wird sich zeigen, wie viel Substanz sich wirklich hinter der ungeschlagenen Serie von mittlerweile 7 Spielen – die meisten dabvon aber gegen schwächere Gegner – steckt.