Heute spielten Karpaty zu hause gegen den Tabellenzweiten LNS. Die Gäste haben unter dem früheren Rukh-Trainer Vitalij Ponomaryov, den viele als zukünftigen Karpaty-Trainer gesehen haben, eine starke Saison gespielt und lange an der Tabellenspitze gestanden. Karpaty blickten auf eine Serie von 7 Spielen ohne Niederlage zurück und wollten diese natürlich fortsetzen.

Bei Karpaty hatten die verletzten Edson, Oleksij Sytsch und Kapitän Vladyslav Babohlo letzte Woche wieder mit der Mannschaft trainiert, und es gab keine Gelbsperren. Gespielt wurde wieder mit einem 4:1:4:1 Schema:
- Nasar Domtschak (TW)
- Oleksij Sytsch (RV)
- Vladyslav Babohlo (IV)
- Vitalij Kholod (IV)
- Rostyslav Lyakh (LB)
- Marko Sapuha (ZDM)
- Xeber Alkain (RW)
- Ambrosij Tschatschua (RZM)
- Bruninho (LZM)
- Yan Kostenko (LW)
- Baboucarr Faal (MS)
Auf der Bank saßen:
- Roman Mysak (TW)
- Volodymyr Adamyuk (ZV)
- Tymur Stets’kov (IV)
- Denys Miroschnitschenko (RV)
- Jean Pedroso (IV)
- Eriki (ZDM)
- Ilya Kvasnytsya (RW)
- Edson (ZM)
- Artur Schakh (ZAM)
- Paulo Vitor (LW)
- Valentyn Rubtschynskyj (ZM)
- Yaroslav Karabin (RW)
Im weiteren Verlauf kamen noch Jean Pedroso (Marko Sapuha), Yaroslav Karabin (Baboucarr Faal), Denys Miroschnitschenko (Oleksij Sytsch), Paulo Vitor (Yan Kostenko), Valentyn Rubtschynskyj (Bruninho) zum Einsatz.

Das Spiel war in der ersten Hälfte stark von Taktik geprägt. LNS überließ den Grünweißen ein leichtes Übergewicht im Ballbesitz und stand in der eigenen Hälfte dicht gestaffelt. Karpaty suchten die Offensive, aber nicht um jeden Preis. Die Mannschaft agierte dabei durchaus kontrolliert und ohne große Fehler, ohne aber die Deckung der Gäste überwinden zu können.
Das führte letztlich zu einem Spiel ohne große Höhepunkte. Die erste größere Chance hatte LNS nach 20 Minuten, als Artur Mykytyschyn auf der rechten Angriffsseite einen Weitschuss riskierte, der Domtschak zu einer sehenswerten Parade zwang. Nach 47 Minuten endete eine durchaus nicht schwache, aber dennoch nicht besonders attraktive erste Hälfte torlos.
Nach Wiederanpfiff ging es zunächst ohne personelle Änderungen bei den Grünweißen weiter. Tatsächlich kamen sie etwas besser voran und kamen auch zu einigen Chancen, aber dann, in der 59. Minute ging nach einer Szene im Karpaty-Strafraum der Schiedsrichter zum Bildschirm. Babohlo war der Ball aus kurzer Distanz an den Arm gesprungen. Er hatte nun wirklich keine Möglichkeit auszuweichen, aber die Regeln sind nun einmal so – es gab Elfmeter. Mykytyschyn trat an, und Domtschak hielt. Wann hat eigentlich zum letzten Mal jemand in der Liga einen Elfmeter gegen Domtschak verwandelt?
Direkt vor dem Strafstoß hatte es den ersten Wechsel gegeben – für Sapuha kam Jean Pedroso, der dann die für ihn eigentlich ungewohnte Rolle der „6“ übernahm. Das hat durchaus eine gewisse Logik, da Pedroso ja seine besondere Stärke im Aufbauspiel hat. Eine zweite Wechselrunde folgte nach 72 Minuten mit Miroschnitschenko für Sytsch und Karabin für Faal, der sich eine leichte Verletzung zugezogen hatte.
Das Spiel war jetzt offener als in der ersten Hälfte, und das war für den neutralen Zuschauer natürlich ein Gewinn. LNS spielte jetzt aktiver und kam dadurch zu mehr Torchancen, gleichzeitig waren Karpaty in ihrem Spielaufbau nicht mehr so blockiert.
Kurz vor Schluss, nach 81 Minuten, kamen dann die letzten Wechsel – Paulo Vitor für Kostenko und Rubtschynskyj für Bruninho. Das Spiel wurde zum Schluss noch etwas hektisch. Bei LNS hatte man das Gefühl, dass sich da ein wenig Frust entwickelt hatte, nicht zuletzt aufgrund des vergebenen Elfmeters. Das führte zu einigen hitzigen Zweikämpfen. Karpaty waren vor allem mit Verteidigen beschäftigt und mussten für eigene Offensivaktionen auf Konter setzen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit musste Domtschak noch einmal mit einer akrobatischen Aktion vor einem Rückstand retten. Es blieb am Ende bei der wohl insgesamt leistungsgerechten Punkteteilung.
Fazit
Dieses Spiel war weniger durch das Spiel der Grünweißen als vielmehr des Gegners geprägt. LNS war mit einem klaren Konzept hereingegangen, und Karpaty waren nicht in der Lage, dem Gegner ihre eigene Spielidee aufzuzwängen. Entsprechend war die Partie über weite Strecken durch zwei um Spielkontrolle ringende Teams geprägt.
Eigentlich brauchten die Gäste mehr einen Sieg, um Platz 2 in der Tabelle zu verteidigen und ihre Chance auf Europa-League Fußball zu wahren. Dafür taten sie in der ersten Hälfte vielleicht etwas zu wenig. Nach Wiederanpfiff mussten sie deshalb ein wenig öffnen, was dem Spiel gut tat. Karpaty spielten konzentriert, aber ohne kreative Geistesblitze. Sie konnten zwar den Gegner nicht dominieren, ließen sich aber auch nicht zu Fehlern zwingen.
Ein Höhepunkt war natürlich der von Domtschak gehaltene Elfmeter. Mit jeder solchen Aktion steigt sein Marktwert, wobei man doch geneigt ist zu hoffen, dass er auch in der nächsten Saison seiner Mannschaft weiter hilft, endlich dem Ziel des internationalen Wettbewerbs näher zu kommen. Karpaty sollten in dieser Phase nicht zu sehr daran denken, Spieler zu verkaufen, sondern vielmehr daran, eine Topmannschaft aufzubauen – je erfolgreicher man in der UPL ist, desto höher werden dann auch etwaige Ablösesummen sein, die man erzielen kann.
Nächste Woche wartet ein hartes Auswärtsspiel bei Tabellennachbarn Kryvbas, wobei ernsthaft betrachtet es für beide Teams in der Liga eigentlich nur noch um die Ehre gehen wird – weder nach oben noch nach unten ist zu diesem Zeitpunkt noch etwas möglich.
