Heute spielten Karpaty ihr erstes Heimspiel der neuen Saison. Gegner war LNS, ein Team, das letzte Saison lange an der Tabellenspitze gestanden hatte und sich dam Ende immerhin für den internationalen Wettbewerb qualifizierte. Dieses Spiel war auch ein Wiedersehen mit Artur Ryabov, den man im Frühjahr letzten Jahres noch ablösefrei hatte ziehen lassen und der bei LNS nun ein absoluter Leistungsträger ist. Der grünweiße Umgang mit Talenten ist mitunter tragisch.

Bei Karpaty hatte Andrij Bulesa wieder am Training teilgenommen. Mit Iván Calero gab es im Team einen Debütanten, und interessant war auch die Positionierung von Nasaryj Rusyn im zentralen (offensiven) Mittelfeld, während auf dem linken Flügel Roman Vantukh antrat – das roch nach häufigen Positionswechsel auf den offensiven Positionen. Auf der Bank war zum ersten Mal Neuzugang Bruno Iglesias im Kader. Die Mannschaft spielte ansonsten im gewohnten 4:1:4:1 System mit dieser Startaufstellung:
- Denys Martschenko (TW)
- Iván Calero (RV)
- Vladyslav Babohlo (IV)
- Tymur Stets’kov (IV)
- Rostyslav Lyakh (LV)
- Marko Sapuha (ZDM)
- Xeber Alkain (RW)
- Ambrosij Tschatschua (RZM)
- Nasaryj Rusyn (LZM)
- Roman Vantukh (LW)
- Yan Kostenko (MS)
Auf der Ersatzbank saßen:
- Roman Mysak (TW)
- Anton Zhylkin (TW)
- Vitalij Kholod (IV)
- Jean Pedroso (IV)
- Denys Miroschnitschenko (RV)
- Moha Moukhliss (ZM)
- Bruno Iglesias (ZAM)
- Artur Schakh (ZAM)
- Yaroslav Karabin (RW)
- Fellipe Vieira (ZAM)
- Oleksandr Dyedov (MS)
Während des Spiels kamen noch Moha Moukhliss (Ambrosij Tschatschua), Fellipe Vieira (Xeber Alkain), Denys Miroschnitschenko (Roman Vantukh), Artur Schakh (Iván Calero), Jean Pedroso (Marko Sapuha) zum Einsatz.

Die Gäste hatten nach nur drei Minuten die erste große Chance, in Führung zu gehen, als nach einem Freistoß von links in der Mitte der Karpaty-Hälfte Adam Yakubu völlig unbedrängt im Strafraum zum Kopfball kam, der wohl für Martschenko unhaltbar gewesen wäre, wenn er nicht knapp das Tor verfehlt hätte. Das war ein deutlicher Warnschuss. Tonangebend war aber in dieser Anfangsphase klar LNS, und Karpaty hatten Mühe, ihren üblichen Ballbesitz-Fußball zu spielen.
Nach den ersten 20 Minuten wirkte das Spiel dann etwas ausbalancierter, da es den Gästen es nicht mehr gelang, diesen starken Druck auszuüben. Entsprechend kam nun auch Grünweiß zu seinen Chancen, die meist aus längeren Ballwechseln entstanden, während LNS meist direkter nach vorn spielte und dabei oft gefährlich wirkte.
Nach 28 Minuten spielte Sapuha einen Zauberpass mit dem Außenrist aus der Mitte des Feldes, den Kostenko links von der Grundlinie auf den Fuß bekam und flach vor das Tor spielte, wo aber Rusyn etwas zu spät kam, um daraus zu verwandeln. Fast im Gegenzug wäre LNS beinahe in Führung gegangen, als Hennadij Pasitsch per Kopf Martschenko zu einer akrobatischen Rettungstat zwang, nach der sich der Ball dann fast von oben herunterfallend ins Tor gedreht hätte, bevor Martschenko ihn gerade noch zu fassen bekam. Die Gäste reklamierten auf Tor, aber der Ball hatte nicht die Linie überschritten.
Das Spiel wurde nun immer interessanter. Eine Menge Gefahr ging von Rusyn aus, der mit Tempo und Ballsicherheit immer wieder Räume vor dem gegnerischen Tor aufriss. Ein Tor fiel aber bis zum Pausenpiff nicht, und es ging mit 0:0 in die Kabine.
Nach Wiederanpfiff ging es zunächst ohne personelle Veränderungen weiter. Das Spiel verlief auch weiter wie die erste Hälfte geändet hatte – hohes Tempo und Chancen auf beiden Seiten. Nach 63 Minuten kam dann Moha für Tschatschua und Vieira für Xeber. Und nur 3 Minuten später gab es dann Eckball für Karpaty, der von Vieira getreten wurde. Babohlo stand genau richtig und köpfte ein zum nicht unverdienten 1:0. Kurz danach kam der nächste Wechsel – für Vantukh kam Miroschnitschenko, der seine gewohnte Position in der rechten Verteidigung bezog, während Caléro für Vantukh den linken Flügel übernahm.
Und Caléro hinterließ dann auch gleich seine „Spuren“. Es waren 77 Minuten gespielt, und Kostenko hatte sich nach Einwurf von Lyakh von links sehenswert gegen seinen Gegenspieler durchgesetzt und flach vor das Tor geflankt. Die Flanke wehrte Torwart Oleksij Palamartschuk ab, und der Ball kam direkt dem heraneilenden Caléro auf den Fuß, der mühelos zum 2:0 verwandelte. Das war natürlich ein wenig glücklich, da die Flanke von Kostenko nicht sehr genau gewesen war, aber dafür war sein Dribbling davor umso sehenswerter.
Nach 81 Minuten kamen dann die letzten Wechsel. Für Caléro kam Schakh und für Sapuha Jean Pedroso. Und es bliebt turbulent. Vieira, der ja gerade erst eingewechselt worden war, zeigte seine Klasse, als er von links an der Strafraumgrenze entlang einen kleinen Aufallschritt machte und dann unhaltbar flach links zum 3:0 einschoss. Das war genau so gewollt gewesen und sah richtig gut aus.
Und auch das war noch nicht alles. Nach 87 Minuten zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt, aber auf der „falschen“ Seite. Auslöser war ein Ball, der im Stets’kov im Luftkampf an den Arm gesprungen war, naja. Torwart Martschenko ging kurz an Spielfeldrand für ein kurzes Gespräch mit seinem Torwarttrainer, Tedi Cara trat an und schoss hart in die Mitte. Martschenko, der nach rechts gesprungen war, erwischte den Ball noch irgendwie mit dem Fuß und rettete seine weiße Weste.
Es blieb beim überraschend klaren 3:0, das angesichts des Spielverlaufs viellleicht ein Tor zu hoch ausfiel.
Fazit
Das war ein hart erkämpfter und am Ende deutlicher Sieg, der das grünweiße Selbstvertrauen stärken dürfte. Interessant sind aber hier einige Wagnisse, die Trainer Fran Fernández eingegangen ist und die am Ende alle funktioniert haben. Vor dem Spiel dürfte sich mancher gefragt haben, warum die Aufstellung, die letzte Woche so gut funktioniert hatte, nun doch recht grundlegend verändert – Caléro statt des starken Miroschnitschenko, Vantukh statt Rusyn auf dem linken Flügel und Rusyn im zentralen Mittelfeld? Das wirkte ziemlich merkwürdig, aber es funktionierte. Rusyn spielte so eine Art „falsche 9“, während Kostenko oft auf die Außenpositionen auswich, und das war im Resultat richtig gefährlich.
Caléro, von dem ja bekannt gewesen war, dass er – wie ja auch Vantukh – statt in der Außenverteidigung vorn auf dem Flügel spielen kann, zeigte, dass er eine Verstärkung für die Mannschaft ist, und Vieira hat aus seiner ja eher kurzen Einsatzzeit das meiste gemacht und einen wunderschönen Treffer erzielt. Vermisst noch jemand Bruninho? Man wird sehen! Bisher sind nur 2 Spiele gespielt, und die Neuen werden beweisen müssen, dass sie eine ganze Saison lang stabil starke Leistungen zeigen können.
Was sich aber auch langsam abezeichnet, ist die Tiefe im Kader. Karpaty haben bei weitem nicht den stärksten Kader in der Saison – da können sie mit Teams wie Schakhtar, Dynamo oder Polissya nicht mithalten. Aber die letzten beiden Spiele haben deutlich gemacht, dass auf der Bank genug Qualität wartet, die bei Wechseln ohne Qualitätsverlust einsteigen kann. Das ist etwas, was über die lange Saison, die noch vor uns liegt, noch wichtig sein wird.
Ein wenig Sorgen macht allerdings nach wie vor die Defensive. Die Konkurrenz weiß längst, wie man sie zum wackeln bringt, und LNS hat in der ersten Hälfte einige Male genau die Art von Bällen gespielt, wo der Karpaty-Abwehr bekanntlich ein wenig die Schnelligkeit fehlt, etwa bei flachen Flanken in die Strafraummitte. Das Ganze stabilisierte sich ein wenig in Hälfte 2, wo die Organisation im eigenen Strafraum etwas besser wirkte und vielleicht auch LNS bei seinen Angriffen weniger häufig jene bekannten Schwächen auszunutzen versuchte. Ein stärkerer Gegner hätte hier in der ersten Hälfte durchaus 1 oder 2 Tore erzielen können.
Das nächste Spiel findet nächste Woche am Samstag statt, es geht in einem erneuten Heimspiel gegen Aufsteiger Bukovyna.
