[2026/2027] Karpaty – Epicenter: 2:2

Heute spielten Karpaty zu hause gegen Epicenter, ein Team aus dem Tabellenmittelfeld, gegen das die Grünweißen aber über die letzten Jahre gesehen eine negative Bilanz hatten. Nach der enttäuschenden (und sportlich unverdienten) Niederlage bei Dynamo am letzten Wochenende galt es heute, den Anschluss an die Top-4 nicht zu verlieren, wofür natürlich unbedingt ein „Dreier“ benötigt wurde.

Karpaty hatten größere Kaderprobleme: Vitalij Kholod, Joaquinete und Ivan Tschaban fehlten verletzt; Yan Kostenko und Nasaryj Rusyn waren gesperrt. Entsprechend saßen eine ganze Reihe Nachwuchsspieler auf der Bank und – zum ersten Mal seit einigen Wochen – auch Denys Martschenko. Gespielt wurde im üblichen 4:1:4:1- oder auch 4:3:3-System:

Auf der Ersatzbank saßen:

Während des Spiels kamen noch Bruno Iglesias (Rostyslav Lyakh), Denys Martschenko (Iván Calero), Eriki (Moha Moukhliss), Oleksandr Dyedov (Joseph Séry), Yaroslav Karabin (Fellipe Vieira) zum Einsatz.

Karpaty kombinierten sich von Anfang an, wie man es von ihnen kennt, aus dem Mittelfeld nach vorn, während Epicenter auf Chancen aus Fehlern der Gastgeber lauerten. Eine solche bot sich dann auch nach 14 Minuten. Mysak hatte auf Jean Pedroso gespielt, der seinen Landsmann Fellipe im Mittelfeld suchte, der aber den Ball nicht unter Kontrolle bringen konnte, so dass ein Epicenter-Mittelfeldspieler dazwischen gehen konnte. Die Karpaty-Abwehr war in diesem Moment bereits in der Vorwärtsbewegung, wodurch die Deckung offen war, als Ex-Karpate Artem Kosak vor dem Strafraum an den Ball kam und von dort direkt flach links zum 0:1 einschoss.

Das war natürlich ein unglücklicher Gegentreffer, den jetzt angesichts des bisherigen Spielverlaufs niemand erwartet hätte. Karpaty reagierten ohne Panik, es war ja noch genug Zeit, und spielten weiter kontrolliert nach vorn. Dabei gab es aber kaum richtige Torchancen, da Epicenter in der Deckung gut organisiert stand und durch sein Pressing den Spielaufbau immer wieder behinderte. Als dann nach 35 Minuten das 1:1 fiel, kam das eher überraschend: Vantukh hatte von seiner linken Seite flach vor das Tor auf Séry geflankt, der legte mit der Hacke direkt auf Lyakh ab, der inzwischen in den Strafraum gelaufen war und direkt abnahm.

Aber nur wenige Minuten später lagen Karpaty schon wieder zurück. Karpaty hatten in der gegnerischen Hälfte den Ball verloren, und Carlos Rojas sprintete mit dem Ball über den halben Platz, um dann aus gut 25 Metern abzuziehen – direkt rechts ins Dreieck. Der Schuss war ebenso überraschend wie präzis gesetzt und war vor allem dadurch möglich geworden, dass keiner so recht glauben mochte, dass er aus dieser Entfernung schießen würde.

Nach 44 Minuten war der Ball im Netz der Gäste, und der Jubel war groß, aber der Linienrichter winkte mit seiner Fahne und signalisierte Abseits. Fellipe war über die linke Flanke geschickt worden und probierte einen diagonalen Schuss links im Strafraum, den Babohlo zwischen den Beinen passieren ließ und der dann flach links im Tor landete. Es gab eine längere VAR-Überprüfung, da Fellipe in abseitsverdächtiger Position angespielt worden war und auch Babohlo, der den Ball passieren ließ, im Abseits gestanden hatte, wobei man das als passives Abseits deuten konnte. Der Schiedsrichter ging schließlich selber an den Bildschirm, da es hier wirklich um Zentimeter ging. Letztlich wurde der Treffer nicht gegeben, und es ging weiter in 2 Minuten Nachspielzeit, die aber keine Veränderung mehr brachte.

Bei Wiederanpfiff kam Iglesias für Lyakh, was dazu führte, dass Vantukh die Position in der linken Verteidigung übernahm. Interessanterweise wurde bei Epicenter Torwart Nikita Fedotov ausgewechselt, obwohl scheinbar keine Verletzung vorlag. Karpaty spielten nun etwas offener, da die Uhr nun spürbar tickte. Das eröffnete den Gästen natürlich Gelegenheiten zum Kontern, was diese dann auch einige Male sehr gefährlich taten.

Nach 58 Minuten erzielte Iglesias einen schönen Treffer durch einen Distanzschuss, der aber erneut wegen Abseits nicht gegeben wurde, da sich zuvor Xeber, von dem das Zuspiel gekommen war, im Abseits befunden hatte. Das hatte alles seine Richtigkeit, war aber natürlich frustrierend. Karpaty belagerten jetzt das gegnerische Tor wie ein einem Eishockey-Match, und Epicenter verteidigte mit dem gesamten Team.

Es folgte die nächste große Wechsel-Welle: Miroschnitschenko kam für Calero, Eriki für Moha und Dyedov für Séry. Der Druck auf das gegnerische Tor hielt an, aber man merkte der Mannschaft an, dass sie unruhig wurde – es fehlte immer mehr die letzte Präzision, so dass die Epicenter-Defensive dann meist eher problemlos klären konnte. Und jeder Konter führte sofort zu größter Gefahr vor dem Karpaty-Tor. Es war wirklich hochspannend.

Nach 77 Minuten folgte der letzte Wechsel – Karabin kam für Fellipe. Es kam im Strafraum zu Szenen, die schon fast an Slapstick erinnerten – der Ball wurde nicht richtig getroffen, Spieler standen einander im Weg, und irgendwie war immer wieder das Bein eines Epicenter-Verteidigers dazwischen. Die Emotionen gingen immer höher, und es gab nun auch immer wieder Unterbrechungen, die den Spielfluss unterbrachen und wertvolle Sekunden kosteten.

Es gab 4 Minuten Nachspielzeit, die angesichts der vielen Unterbrechungen sehr knapp ausfielen. Es ging im Grunde so weiter wie bisher, Fehler in der Offensive, und Epicenter konterte. Nach 92 Minuten war Torschütze Rojas allein auf dem Weg zum 1:3, ließ sich aber ein wenig nach rechts abdrängen, wodurch sein Schuss das Tor verfehlte. Mysak griff sich den Ball und schlug in nach vorn zu dem, was mit ziemlicher Sicherheit der letzte Angriff des Spiels sein würde. Die Epicenter-Abwehr war dabei für einen Moment nicht aufmerksam, und Xeber kam auf seiner rechten Seite an den Ball, zog in den Strafraum, spielte einen Innenverteidiger und den herauseilenden Oleh Bilyk aus und schoss ein zum umjubelten 2:2 Ausgleich. Direkt danach war dann auch das Spiel zuende.

Fazit

Epicenter ist seinem Ruf als eine Art Angstgegner der Grünweißen durchaus wieder gerecht geworden, und man muss sich fragen, warum diese Mannschaft diese Art von Leistung gegen die anderen Teams der UPL nicht durchgängig abrufen kann. Das heutige Spiel war jedenfalls wieder hochgradig unterhaltsam, voll von Dramatik und Kontroversen und dürfte den neutralen Zuschauer bestens unterhalten haben.

Dieses Spiel bedeutet aber für Karpaty vor allem Frust und weiter wachsenden Abstand von der Spitzengruppe. Letzte Woche bei Dynamo hatte man trotz richtig starker Leistung durch eine Einzelaktion und auch eifrige Mithilfe durch den Schiedsrichter verloren, und heute gelang es – freilich ohne mehrere Leistungsträger – einfach nicht, einen zwar konzentriert und effizient spielenden, aber eben doch auch schwächeren Gegner zu schlagen.

Sehr schmerzhaft war auf jeden Fall das Fehlen des heute gesperrten Nasaryj Rusyn, der durch sein Tempo und individuelle Klasse immer wieder in der Lage ist, dichte Deckungen aufzureißen. Gut gefielen nach ihren Einwechselungen Bruno Iglesias und auch der junge Mittelstürmer Oleksandr Dyedov, auch wenn beide keine Auswirkung auf das Resultat hatten. Der Held des Abends war natürlich Xeber, der mit seiner guten Technik und Konzentration in der letzten Sekunde noch den Ausgleich erzielt hatte.

Nächstes Wochenende geht es erneut am Sonntag zum Tabellenvorletzten Tschornomorets‘ – falls das Spiel wirklich in Odessa stattfinden sollte, wird man angesichts der aktuellen Terrorangriffe der Raschisten wohl mit einigen Unterbrechungen rechnen müssen.