Desna – Karpaty: 2:2

Heute spielten Karpaty zum ersten Mal in dieser Saison auswärts, der Gegner war Aufsteiger Desna Chernihiv. Außerdem war das heutige Spiel das erste unter dem neuen Trainer José Morais, der erst diese Woche als Nachfolger von Oleh Boychyshyn vorgestellt worden war. Die bisherige Saison hatte ja einiges zu wünschen übrig gelassen, und der Druck, der auf der Mannschaft lastete, war somit beachtlich, nicht zuletzt, nachdem Vizepräsident Smalijchuk in einem Interview diese Woche erklärte, er werde persönlich die Verantwortung übernehmen, sollte es der Mannschaft nicht gelingen, sich für den europäischen Wettbewerb zu qualifizieren.

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Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Trotz des neuen Trainers waren System und Startaufstellung der der letzten Spiele sehr ähnlich – ein 3:5:2 mit Kuchynskyj im Tor, Miroshnichenko, Fedetskyj und Mehremic als Dreierkette, davor Myakushko, Verbnyj, Erbes (der für Holodyuk in den Kader gekommen war), Di Franco und Lebedenko und dann die Doppelspitze aus Shved und Carrascal.

Auf der Bank saßen Torwart Penkov, Abwehrspieler Kovtun, Mittelfeldspieler Holodyuk, Klyots und Hutsulyak sowie die Angreifer Mendez und Vargas.

Den Anfang des Spieles dominierte Desna, die sich einige Mail bis zum Strafraum durchspielten, dabei aber eher ungefährlich blieben. Karpaty hatten zunächst etwas Mühe, Sicherheit und Ballbesitz zu gewinnen, der oft durch unnötige Fehlpässe verloren wurden. Nach der ersten Viertelstunde verschob sich das Spiel langsam mehr in die Hälfte der Gastgeber, und Karpaty kombinierten etwas sicherer. Das Niveau des Spiels blieb dennoch überschaubar.

Nach 24 Minuten stand es dann doch etwas überraschend 1:0 für Desna. Kuchynskyj konnte einen eigentlich nicht sehr gefährlichen Distanzschuss nur sehr unglücklich abwehren, so dass der Ball von seinen Armen im Fünfmeterraum hochsprang und Banassevytsch ihn dann einköpfen konnte. Nachdem Kuchynskyj letzte Woche noch nach einer Klasseleistung der Mann des Tages gewesen war, war das natürlich besonders ärgerlich. Gleich im Anschluss kam Desna erneut zu einer weiteren guten Chance, die aber nichts einbrachte, und dann im Gegenzug zeigte Carrascal endlich einmal seine Klasse, als er sich mit einem schönen Alleingang in Schussposition brachte, dann aber das Tor verfehlte. Die Führung für Desna war in diesem Moment sowohl von der Entstehung als auch dem Spielverlauf her ausgesprochen glücklich.

Carrascal sah man an, dass ihn dieser Rückstand so richtig ärgerte, und er wurde immer aktiver, dribbelte, kämpfte und erspielte seiner Mannschaft gleich mehrere aussichtsreiche Situationen vor dem gernerischen Tor. Trotzdem fiel das nächste Tor für Desna. Eine hoch in den Strafraum geschlagene Flanke konnte Kuchynskyj nicht erreichen, und Favorov nahm den an Freund und Feind vorbeisegelnden Ball dann volley ab. Dem Tor ging allerdings ein Regelverstoß voraus, Fedetskyj war im Fünfmeterraum von einem Stürmer im Kopfballduell heruntergedrückt worden, so dass er den Ball nicht herausköpfen konnte. Der Schiedsrichter hatte das aber nicht gesehen, und das Tor zählte.

Der Spielstand war zu diesem Zeitpunkt ein kompletter Witz. Karpaty waren die überlegene Mannschaft und lagen durch einen individuellen Fehler des Torwarts und ein irreguläres Tor mit zwei Toren zurück. So ging es mit richtig dickem Hals in die Pause.

Die zweite Hälfte begann ohne Wechsel, aber gleich mit einer Großchance für Desna, die aber nicht sauber zuende gespielt wurde. Carrascal versuchte, die Initiative an sich zu reißen und wurde gleich von einem Check mit Schultern in die Rippen niedergestreckt, was der Schiedsrichter aber nicht eingreifenswert fand. Merkwürdig. Gleich anschließend erwischte es Miroshnichenko, und erneut blieb der Pfiff aus. Immerhin verlagerte sich das Spiel nun wieder in die Hälfte von Desna, und das sah auch zunehmend gefährlich aus. Das führte aber natürlich umgekehrt zu den üblichen offenen Räumen auf den Außenverteidigerpositionen bei Karpaty, wenn Myakushko und Lebedenko vorn unterwegs waren.

Nach 55 Minuten kam Mendez für Verbnyj, und spielte nun zusammen mit Di Franco weiter aufgerückt, während Erbes die Sechserposition besetzte. Die nächste Chance hatte nun aber Desna mit einem Pfostenschuss, bei dem Kuchynskyj machtlos gewesen wäre, es blieb “zum Glück” beim 2:0. Das änderte sich aber schon im Gegenzug in der 58. Minute: Miroshnichenko erzielte nach einer wirklich schönen Kombination den Anschlusstreffer – Shved und Carrascal hatten das mit einer kleinen Stafette vorbereitet, an deren Ende Miroshnichenko aus ca. 14 Metern von halbrechts freie Schussbahn hatte. Nun waren nch 30 Minuten Zeit, um zumindest den Ausgleich zu erzielen.

Desna wurde nun etwas aktiver und griff seinerseits an. Carrascal holte sich nach 61 Minuten eine verdiente gelbe Karte, zeigte aber ein wenig wie in der letzten Saison diesen unbedingten Einsatz, durch den er seine Kritiker überzeugt hatte. Nach 64 Minuten kam Vargas für Shved, der ein starkes Spiel gemacht hatte, aber nach einem Pferdekuss etwas angeschlagen wirkte. Vargas hatte im Anschluss auch gleich den Ausgleich auf dem Fuß, als er von Carrascal mit einem wundervollen Pass durch die Abwehrreihe angespielt plötzlich freie Bahn vor dem Tor hatte, aber etwas hektisch vergab.

Langsam wurde die Zeit knapp. Karpaty spielten sich immer wieder in aussichtsreiche Positionen, kamen aber nicht zum Abschluss. In der 80. Minute kam dann endlich die Erlösung – ein von Kevin Mendez sehr platziert getretener Freistoß rechts vom Strafraum erreichte genau den Kopf von Mehremic, der souverän einköpfte. Das war eigentlich nicht die übliche Art, wie Karpaty derzeit ihre Tore erzielen, da außer Mehremic und Fedetskyj keine Spieler, die über eine Art Lufthoheit verfügen, auf dem Platz standen. Nun stand es 2:2, und es blieben noch 10 Minuten, um vielleicht noch das Siegtor zu erzielen (oder einen Gegentreffer natürlich). Hutsulyak kam für den starken, aber erschöpften Di Franco nach 83 Minuten.

Vargas hatte eine weitere Großchance, als er von Carrascal erneut sehr schön im Strafraum angespielt wurde, aber nicht platziert genug abschloss, so dass der Torwart letztlich keine Mühe hatte. Mit Hutsulyak war nun ein weiterer großgewachsener Spieler auf dem Platz, wodurch nun Eckbälle gleich etwas gefährlicher wurden. Ein solcher hätte in der 90. Minute beinahe noch den Siegtreffer gebracht, als Fedetskyj mit einem akrobatischen Fallrückzieher das Tor verfehlte.

Es blieb bei einem 2:2, mit dem beide Mannschaften nicht zufrieden sein konnten. Desna hatte eine 2:0 Führung hergeschenkt, und Karpaty mussten 45 Minuten lang einem durch einen Torwartfehler verusachten und einem irregulären Tor hinterherlaufen und fuhren von einem Spiel, das sie unbedingt hatten gewinnen müssen, um oben dabei zu bleiben, mit nur einem Punkt nach hause.

Es gibt aber auch positivies. Die Mannschaft hat sich in der zweiten Hälfte gut gesteigert und ist nicht, so wie in allen bisherigen Spielen dieser Saison zum Schluss hin eingebrochen. Sie hat Charakter gezeigt und ist nach einem Zweitore-Vorsprung zurückgekommen. Allerdings muss man auch sagen, dass der Gegner einer der schwächeren der Liga ist, so dass eine solche Leistung erst einmal gegen einen der Großen wiederholt werden will.

Spieler des Tages war heute Carrascal, der endlich wieder etwas von dem hat aufblitzen lassen, was ihn Ende letzter Saison zum begehrtesten Spieler der Liga gemacht hatte. Er war überall auf dem Platz zu sehen und war sowohl spielerisch als auch kämpferisch ein Vorbild für alle.

Ebenfalls richtig stark war Miroshnichenko, der ein riesiges Laufpensum absolvierte und seine gute Leistung völlig verdient mit einem Tor krönte. Weiter auffällig waren Di Franco, der unermüdlich wühlte und mit guten Dribblings Gegenspieler band und so Räume für seine Mitspieler schaffte, und Kevin Mendez, der nach seiner Einwechslung richtig stark wirkte.

Etwas enttäuschend war heute Lebedenko – er hatte zwar gewohnt starke Szenen, wenn er auf seiner linken Seite Gas gab, aber er war einige Male aussichtsreich vor dem gegnerischen Tor in Position und traute sich nicht, abzuschließen. Kuchynskyj wirkte nicht so souverän wie letzte Woche, und sein Fehler in der ersten Halbzeit dürfte seiner Mannschaft den Sieg gekostet haben. Ebenfalls einer der Verlierer des heutigen Tages war Rodrigo Vargas, der zwar schnell, beweglich und ausgesprochen fleißig war, aber gleich zweimal von Carrascal freigespielt allein vor dem Tor versagte.

Mit diesem Unentschieden haben Karpaty den Sprung in die erste Tabellenhälfte verpasst und werden bis zum nächsten Spiel im Mittelfeld der Tabelle bleiben. Nächste Woche geht es zu hause gegen Schlusslicht Arsenal zum nächsten Spiel, von dem unbedingt ein Dreier geholt werden muss.