Karpaty – Olimpik: 3:3

Heute spielten Karpaty zu hause ihr vorentscheidendes Spiel gegen Tabellennachbarn Olimpik Donetsk. Karpaty mussten nach ihrer Niederlage bei Chornomorets‘ letzte Woche gewinnen, um eine Chance zu haben, der Relegation zu entgehen, und das Torverhältnis würde hier eine Rolle spielen.

Die Aufstellung war in etwa die erwartete. Gespielt wurde 4:3:3 mit Kuchynskyj im Tor, davor der Viererkette mit Miroshnichenko, Nesterov, Kovtun und Mehremic, im Mittelfeld Klyots, Hongla und Di Franco, davor Hutsulyak, Ponde und Myakushko.

Auf der Bank saßen Torwart Penkov, Abwehrspieler Fedetskyj und Kharzhevskyj, Wingback Busko, Mittelfeldspieler Tolochko und für die Offensive Mendez und Debelko.

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Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Das Spiel begann mit einem Albtraum, quasi ein Deja Vu von letzter Woche. Es waren keine drei Minuten gespielt, da zog Dieye aus eigentlich eher ungefährlicher Position rechts im Strafraum einfach mal ab und setzte einen traumhaften Ball über Kuchynskyj hinweg links ins Dreieck. Ein wunderschönes Tor, für das man jetzt nicht direkt jemandem die Schuld geben muss.

So lief die Mannschaft gleich von Anfang an schon wieder einem Rückstand hinterher. Ein hoher Sieg, wie er durch die völlig überflüssige Niederlage bei Chornomorets‘ letzte Woche ja nun nötig geworden war, um an Olimpik doch noch vorbeiziehen zu können, war so natürlich in weite Ferne gerückt.

Olimpik blieb auch fortan das gefährlichere Team. Karpaty versuchten zwar, die Initiative zu übernehmen, wirkten aber durch diesen Schock reichlich angeschlagen, und Olimpik nutzte immer mal wieder eine Konterchance, um gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen.

Es dauerte bis zur 12. Minute, bis Karpaty überhaupt einen Ball auf das Tor brachten, Hutsulyak hatte sich in den Strafraum hineingespielt und dann aus etwa 11 Metern flach geschossen, aber zu wenig platziert, um Torwart Krynskyj in Bedrängnis zu bringen. Zwei Minuten später wäre beinahe das 0:2 gefallen, als nach einem Freistoß Kuchynskyj etwas planlos durch den Strafraum segelte – Strafraumbeherrschung ist leider nicht seine Stärke, auch wenn er auf der Linie ein starker Rückhalt ist.

Nun begann das Spiel aber etwas Fahrt aufzunehmen. Myakushko lief auf der linken Seite bis zur Grundlinie durch, seine Flanke war aber unplatziert und landete bei einem gegnerischen Verteidiger, der den Ball aber nur Hongla vor die Füße prallen ließ. Der gönnte sich einfach mal einen, und der Ball ging flach ins rechte Eck – 1:1. Das tat dem Spiel gut, denn auch Olimpik musste jetzt wieder aktiver werden, und so ging es fortan munter hin und her.

Nach 20 Minuten verletzte sich Olexij Kovtun bei einem Luftduell nach eigener Ecke – er prallte mit seinem Kopf gegen den Hinterkopf eines Gegenspielers und blieb blutend und benommen liegen. Das sah alles gar nicht gut aus, aber er kam nach einiger Behandlungszeit doch wieder auf den Platz. Etwas später hatten Karpaty eine gute Möglichkeit in Führung zu gehen, als Hutsulyak von Ponde schön angespielt in den Strafraum lief, aber wieder nicht platziert genug abschloss.

Nachdem in den folgenden Minuten Olimpik wieder etwas stärker gewesen war, hatte wiederum Hutsulyak nach 37 Minuten die Führung auf dem Kopf er köpfte nach Flanke von Myakushko einigermaßen frei am Tor vorbei. Es ging mit einem immer noch nett anzusehenden Spiel weiter, ohne dass sich zur Pause noch etwas am Spielstand änderte.

Die zweite Hälfte begann ohne personelle Änderungen. Karpaty begannen offensiv und hatten auch gleich einen Torschuss durch Hutsulyak, der – wie leider schon einige Male vorher – wieder einmal nicht präzis und hart genug war, um für wirkliche Gefahr zu sorgen. Nach 50 Minuten hätte Hongla die Führung erzielen müssen: Nach Flanke von Hutsulyak war Pondes Schuss an den Pfosten gegangen, fiel Hongla auf den Fuß, womit der so gar nicht rechnete, und der Ball flog in hohem Bogen über das Tor. Viele solche Chancen bekommt man nicht.

 

Dennoch wirkten Karpaty jetzt entschlossener und setzten sich in der gegnerischen Hälfte fest, nur musste irgendwann auch endlich etwas zählbares herauskommen. Es fiel dabei auf, dass ähnlich wie letzte Woche bei Chornomorets‘ oft recht riskant gespielt wurde, wobei das heute etwas besser funktionierte und nicht ganz so oft schief lief.

Es ging weiter mit Chancen vor allem für Karpaty, doch es fehlte vor dem Tor immer so ein wenig der Killerinstinkt, und so blieben die Abschlüsse doch meist eher harmlos. Aber wo man gerade anfangen wollte, sich über die mangelnde Chancenauswertung zu ärgern, klingelte es dann nach 74 Minute doch noch. Nach Pass von Mehremic lief Myakushko einige Meter auf den gegnerischen Strafraum zu, überlegte offenbar noch, ob er vorn rechts Hutsulyak anspielen sollte, nahm sich dann aber zum Glück einfach ein Herz und schoss aus 18 Metern flach links ein. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt überfällig.

Es ging turbulent weiter. Karpaty waren nach dem Wiederanpfiff gleich wieder im Angriff, und Ponde spielte Hongla im Strafraum an, wobei einem Gegenspieler im Zweikampf der Ball an die Hand sprang. Es gab Elfmeter, und Myakushko verwandelte sicher – 3:1. So sah das schon etwas besser aus – jetzt hieß es konzentriert bleiben und etwas für das Torverhältnis tun.

Nach 82 Minuten wurde es dann aber doch wieder spannend. Olimpik bekam einen direkten Freistoß an der Strafraumgrenze, und Haj trat an. Der Ball ging flach getreten unter der Mauer hindurch und landete unhaltbar unten rechts im Tor Kuchanyksyjs. Es war nun ein richtig dramatisches Spiel. Nach 85 Minuten hatte Ponde bei einem Konter nach schönem Anspiel durch Myakushko den Treffer zur erneuten Zweitoreführung auf dem Fuß, rutschte aber allein vor dem gegnerischen Tor aus.

Zwei Minuten später gab es den ersten Wechsel bei Karpaty: für den entkräfteten Di Franco kam Tolochko. Gleich anschließend klingelte es wieder: die Karpaty-Abwehr war unaufmerksam, und Dieye traf mit einem flachen Diagnoalschuss von links aus etwa 11 Metern, wobei Kuchynskyj nicht besonders gut aussah. So hatten sie wieder einmal alles verspielt, und bei diesem Stand wäre die einzige Rettung eine Niederlage Olimpiks bei Vorskla bei gleichzeitigem Sieg von Karpaty bei Arsenal Kyiv.

Um das ganze noch schlimmer zu machen, verletzte sich Hutsulyak nach 91 Minuten und musste den Platz verlassen, für ihn kam Debelko. Es blieb beim 3:3, das für Olimpik höchst schmeichelhaft ist, aber das Karpaty sich durch ihre Unkonzentriertheit absolut selber zuzuschreiben haben.

Was zu Beginn der Saison niemand für möglich gehalten hätte, wird nun langsam Realität: Karpaty werden aller Voraussicht nach in die Relegation müssen, und es droht der Abstieg. Die Mannschaft ist zu ungefährlich vor dem Tor und hinten oft zu unkonzentriert. Immer wieder sind völlig unnötig gegen schwächere Gegner Punkte liegen gelassen worden.

Kuchynskyj hatte heute nicht seinen besten Tag. Das dritte Tor ging wohl auf seine Kappe, und er wirkte auch so nicht besonders sicher. In der Defensive empfahl sich Kovtun, der kämpfte und sich auch in die Offensive einbrachte. Im Mittelfeld fiel Hongla auf, während Di Franco nicht so stark wie sonst war. Hutsulyak hätte allein das Spiel entscheiden können, nur leider ist er einfach kein Vollstrecker, was wir ja aber auch nicht erst seit gestern wissen. Mann des Tages war klar Myakushko, der durch seine Flankenläufe für Gefahr sorgte und auch im Abschluss den Killerinstinkt zeigte, den seine Mitspieler vermissen ließen.

Eine frustrierende Saison neigt sich dem Ende entgegen, und der Absturz in die Zweitklassigkeit ist absolut im Bereich des Möglichen.

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