Karpaty – Olimpik: 0:3

Heute spielten Karpaty in ihrer ersten Begegnung der Abstiegsrunde zu hause gegen Olimpik Donetsk. Nachdem in der vergangenen Woche eine Einigung mit ihrem ehemaligen Spieler Volodymyr Hudyma bekannt gegeben worden war, wird allgemein nicht mehr damit gerechnet, dass die insgesamt 9 Punkte Abzug, die deswegen verhängt worden waren, tatsächlich noch vollstreckt würden. Andererseits ist es unten in der Tabelle enger geworden, nachdem die Konkurrenz gepunktet hat.

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Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Im Kader bei Karpaty gab es einige Veränderungen. Das Spielsystem war eine Art 2:3:2:3 mit Debütant Oleksij Shevchenko im Tor, Fedetskyj und Sandokhadze als Innenverteidiger, davor eine Dreierreihe aus Miroshnichenko, Verbnyj und Hustulyak, die die Verteidigung ergänzten und gleichzeitig die Verbindung zur Offensivabteilung hielten, dann Carrascal und Chachua in der Kreativabteilung und schließlich Youngster Remenyuk, Shved und Akulinin im Sturm. Das war wie auch in den letzten Spielen eine ziemlich offensive Aufstellung, wobei vor allem Miroshnichenko und Hutsulyak die sehr laufintensive Aufgabe zukam, so eine Art Außenverteidiger vor der Abwehr zu spielen. Holodyuk fehlte immer noch verletzungsbedingt, und Di Franco stand wegen einer Gelbsperre nicht zur Verfügung. Der bisherige Stammtorhüter Roman Pidkiwka wurde gestern beim Spiel der zweiten Mannschaft in Mariupol eingesetzt und stand nicht im Kader. Ob das eine dauerhafte Änderung sein soll, ist unbekannt, aber es scheint dem Trainerstab wichtig zu sein, dass er Einsatzzeit hat, auch wenn in der ersten Mannschaft der erfahrenere Oleksij Shevchenko den Vorzug erhält.

Das Spiel begann gleich mit einer Chance für Karpaty, die aber kein zählbares Resultat hatte. Danach entwickelte ein munteres Spiel mit mehr Ballbesitz und Chancen bei den Hausherren und immer gefährlichen Kontern bei den Gästen. In gewisser Weise sehen wir genau diese Verteilung schon seit Wochen mit so ziemlich allen Gegnern außer den deutlich spieltärkeren Shakthar und Dynamo. Durch die offensive Spielweise und die nicht immer besonders eingespielt wirkende Abwehr bei Karpaty war durchaus immer mit einem Gegentor zu rechnen.

Nach ungefähr 30 Minuten sahe es dann aber zunehmend nach einem Tor für Karpaty aus. Es war nicht immer gerade zwingend, aber sie tauchten das eine um das andere Mal im gegnerischen Strafraum auf, und Olimpiks Abwher hatte ihre liebe Mühe. Leider ist nach wie vor der fehlende Killerinstinkt ein ungelöstes Problem, so dass es vorerst beim torlosen Unentschieden blieb.

Und als wir alle schon glaubten, dass es torlos in die Kabine ginge, pfiff da ein Männlein Elfmeter für Olimpik. Sandokhadze hatte einen Gegenspieler im Strafraum leicht berührt, der sich dann dankbar fallen ließ, und der Schiedsrichter kaufte die schauspielerische Einlage. Das 0:1 war, wenn man den Spielverlauf betrachtete, ein schlechter Witz, aber solche Witze ziehen sich ja wie ein roter Faden bereits durch die gesamte Saison.

Aus der Pause kehrten Karpaty mit einem Wechsel zurück: Klyots kam für Chachua also ein zentraler Mittelfeldspieler für einen anderen. Beide Spieler sind sonst eher im defensiven Mittelfeld zu hause, allerdings haben auch beide schon häufiger mal auf offensiveren Positionen gespielt. In der 53. Minute erzielten Karpaty den Ausgleich, nachdem Shved sehr schön steil geschickt worden war, was aber vom Schiedsrichter zu Unrecht als Abseits abgepfiffen wurde. Trotzdem wurde die Qualität des Spiels besser, und es kam in der Folge zu einigen vielversprechenden Szenen im Strafraum von Olimpik.

Nach 62 Minuten ging Fedetskyj für Myakushko vom Platz, es wurde also deutlich auf Offensive gesetzt. Das war aber schon eine Minute später Makulatur: Der bereits verwarnte Akulinin trat etwas ungeschickt seinem Gegenspieler auf den Fuß und musste mit gelb-rot vom Platz. Ob das jetzt gelbwürdig war, kann man diskutieren, allerdings muss man einfach besser aufpassen, wenn man bereits gelbbelastet ist.

Das Spiel wirkte nun zerfahren. Es gab viele Fouls und nun auch die ersten gelben Karten gegen Olimpik-Spieler, aber der Spielfluss war ziemlich dahin. Als Ersatz für Akulinin kam nun in der 71. Minute der Argentinier Catriel Sanches für Remenyuk zu seinem Debüt. Myakushko besetzte nun die Rechtsaußenposition. Das Tor erzielten dann aber die Gäste in der 84. Minute – ein Ball, der von der Grundlinie in den Fünfmeterraum gelangte, vorbei an mehreren in der Nähe stehenden Verteidigern. Das war trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit Anrennens zu billig. Aber es kam noch schlimmer. In der 92. Minute fiel sogar noch das 0:3.

Fazit: Dies war eine katastrophale Heimniederlage – sowohl von der Auswirkung her (nur noch ein Punkt Vorsprung vor dem letzten Platz) als auch der Art, wie sie zustande gekommen war. Die Mannschaft hat fast das ganze Spiel über dominiert und streckenweise schönen Fußball gespielt, kriegt es aber trotz einiger hochkarätiger Chancen nicht hin, gegen einen absolut schlagbaren Gegner das Tor zu treffen. Stattdessen kriegt man drei Gegentore, die angesichts des Spielverlaufs regelrecht ein Witz sind, hat seinen Mittelstürmer im nächsten Spiel durch Sperre nicht zur Verfügung und riskiert mit vier Gelben Karten noch weitere Sperren.

Der Schiedsrichter spielte heute sicher eine zumindest unglückliche Rolle, vor allem, wenn man an den Elfmeter in der ersten und das nicht gegebene Tor in der zweiten Halbzeit denkt, aber angesichts der gezeigten Leistungen hätte es auch so noch mindestens für einen Punkt reichen müssen.

So könnte es auch ohne Punktabzug durch den Verband noch gut zum Abstieg reichen.