Ingulets – Karpaty: 6:5 n.E.

Heute spielten Karpaty auswärts gegen Ingulets im Viertelfinale des ukrainischen Pokals. Das Los hatte es bisher ja mit der Mannschaft gut gemeint – Dynamo muss heute noch gegen Shakhtar spielen, ansonsten sind noch FK Lviv und Zorya, Dnipro-1 und Vorskla im Rennen.

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Photo: © Informationszentrum «FC Karpaty»

Karpaty spielten in der besten verfügbaren Aufstellung, das aktuell typische 3:4:3 mit Kuchynskyj im Tor, der Dreierkette aus Kovtun, Papa Gueye und Mehremic, davor Myakushko, Di Franco, Hongla und Hutsulyak sowie Yoda, Ponde und Shved im Sturm.

Auf der Bank saßen Torwart Penkov, die Innenverteidiger Sandokhadze und Nesterov, Busko für das rechte, Tolochko das zentrale und Bedoya für das linke Mittelfeld und schließlich Vargas für die Offensive. Klyots ist immer noch verletzt und stand daher nicht zur Verfügung, Debelko war offenbar aus Leistungsgründen nicht berücksichtigt worden (was angesichts des Leistungsunterschieds zu Ponde letzte Woche gegen Vorskla nicht wirklich überraschend war).

Das Spiel begann auf beiden Seiten in behutsamen Tempo, beide Mannschaften waren offensichtlich bemüht, erst einmal in ihren Fluss zu kommen und einen frühen Rückstand zu vermeiden. Dem Spielstand nach funktionierte das auch die ersten 20 Minuten lang ganz ausgezeichnet. Besonders viel passierte nicht; Karpaty wirkten spielstärker, aber ein Klassenunterschied zwischen erster und zweiter Liga war nicht offensichtlich.

Ab Mitte der ersten Halbzeit verlagerte sich das Spiel zusehends in die Hälfte der Gastgeber, und die ersten nennenswerten Torchancen bekamen wir nach 20 bzw. 25 Minuten zu sehen, allerdings alles noch ohne zählbares Resultat. Ingulets fand hingegen auf der anderen Seite einige Räume vor, und in Minute 30 und 35 kamen sie durchaus gefährlich vor das Karpaty-Tor, aber auch hier ohne Erfolg. Immerhin sah das Ganze nun langsam nach Fußball aus.

Nach 40 Minuten gab es einen Freistoß aus einer guten Myakushko-Distanz. Davor hatte sich Yoda bis an die Strafraumgrenze gedribbelt, war da geblockt worden und danach war dann Shved gefoult worden. Den Freistoß trat dann aber Ponde, und der irrte sich bei der Höhe nur um ein paar Meter. Schade. Es ging nach einer zeitweise unterhaltsamen, aber insgesamt doch eher chancenarmen ersten Hälfte mit 0:0 in die Pause.

Die zweiten 45 Minuten begannen ohne personelle Änderungen. Den Anfang machten Karpaty mit einem Solo von Yoda, dessen Abschlussversuch aber geblockt wurde. Gleich im Gegenzug durfte Kuchynskyj zum ersten Mal beherzt zugreifen. Wirkliche Gefahr brachte aber auch dieser Schuss nicht, obwohl der Tempogegenstoß, der dazu geführt hatte, böses hatte ahnen lassen. Wer da schon Befürchtungen gehabt hatte, sollte damit recht behalten. 5 Minuten später stand es 1:0 – ein schön herausgespielter Treffer, bei dem die Dreierkette bei Karpaty geschlafen hatte. Nun waren noch knapp 40 Minuten Zeit, einem Rückstand hinterher zu laufen. Das gehört nicht gerade zu den Spezialitäten dieser Mannschaft, wir erinnern uns mit Gruseln an das 0:1 gegen FK Lviv vor ein paar Wochen.

Karpaty wirkten von diesem Rückstand deutlich angeschlagen. Es folgte eine Phase ziemlich konfusen Spiels mit vielen Fehlpässen, gleichzeitig halfen auch mehrere Behandlungspausen von Ingulets-Spielern nicht, wieder zu einem Spielfluss zurückzufinden. Während es auf dem Platz wenig Sehenswertes zu beobachten gab, feierten dafür die Fans beider Lager mit Gesängen, Trommeln und allem, was sonst noch Krach machte.

Ingulets wirkte nun klar wie die bessere Mannschaft, während Karpaty völlig neben sich standen. Nach 59 Minuten gab es dann den ersten Wechsel – Tolochko kam für Di Franco, der sich kurz zuvor in einem Zweikampf verletzt hatte und ohnehin gelbvorbelastet war. Noch 30 Minuten.

Die Uhr tickte weiter, und Karpaty schafften es einfach nicht, wieder eine Linie in ihr Spiel zu kriegen. Jeder Versuch, eine Offensivaktion einzuleiten endete in einem unnötigen Ballverlust durch Ungenauigkeit beim Abspiel, während Ingulets immer wieder gefährlich konterte. Es dauerte bis zur 70. Minute, bis überhaupt mal ein Ball in Richtung des gegnerischen Tors ging – Myakushkos Kopfball ging aber am Tor vorbei und hätte auch ansonsten wohl keine Gefahr bedeutet.

Nach 72 Minuten kam Vargas für Ponde und besetzte die linke Seite, während Shved die zentrale Position übernahm. Das Ganze wurde nicht besser. Es verstrich weiter Zeit, ohne dass es auch nur nach einem Ausgleichstreffer ausgesehen hätte. Nach 80 Minuten wurde zum letzten Mal gewechselt – für Kovtun kam Sandokhadze.

Nach 89 Minuten hätte es nach einem Konter eigentlich 2:0 stehen müssen, aber Kuchynskyj erwischte den eigentlich nicht schlecht platzierten Schuss noch irgendwie. Es folgten 8 Minuten Nachspielzeit. Es hätten auch 80 sein können, es sah nicht danach aus, als ob das noch irgendeinen Unterschied gemacht hätte. Klar, dass nun jede Verletzungspause ausgiebig ausgekostet wurde und Spieler extra-lange auf dem Rasen lagen, um sich in Schmerzen zu winden. Aber bei allem Ärger – das Problem hatte sich die Mannschaft selber zuzuschreiben.

Nach 6 Minuten Nachspielzeit geschah ein Wunder. Irgendwie hatten es die Karpaty-Spieler geschafft, nicht schon vor dem gegnerischen Strafraum den Ball zu verlieren, Shved bekam den Ball etwa 14 Meter vor dem gegnerischen Tor, tänzelte einen Gengner aus und schoss dann unhaltbar flach ins rechte Eck ein. Man muss ganz klar sagen, dass dieser Ausgleich hochgradig unverdient war. Karpaty hatten die zweite Hälfte über grottenschlecht gespielt. Eine Minute später hätte Yoda sogar die Führung erzielen können, als an der rechten Ecke des Fünfmeterraums zeigte, dass er keine große Distanz zum Tor für Slapstick-Einlagen braucht – der Ball ging direkt in die Wolken. Dafür war er immerhin hart geschossen. Yoda ist ein guter Spieler, um Räume aufzureißen und gegnerische Spieler zu binden, aber für den Abschluss sollte er wirklich anderen den Ball überlassen.

So ging es mit neu gemischten Karten in die Verlängerung. Karpaty wirkten nun wie ausgewechselt – was nicht heißt, dass sie plötzlich drückend überlegen waren, aber immerhin hatten sie ihre Sicherheit zurückgefunden und wirkten nicht so desolat wie noch zuvor. Es kam ihnen natürlich auch entgegen, dass sie nicht mehr ohne Rücksicht auf Verluste anrennen mussten.

Sie kamen nun einige Male ohne Zufallelement vor das gegnerische Tor, und nach 98 Minuten hätte eigentlich Vargas die Führung erzielen müssen, als er von Shved sehr schön völlig freistehend vor dem Tor engespielt wurde und ohne Not den Ball neben das Tor setzte. Wäre, wäre, Fahrradkette, würde Lothar Matthäus hier wohl sagen – Vargas ist leider auch alles andere als ein Vollstrecker.

Nach 101 Minuten wurde dann Roman Tolochko mit Ampelkarte vom Platz gestellt, nachdem er in der Nähe der linken Grundlinie einen Gegner von den Beinen geholt hatte. Das machte es nicht leichter. Aber immerhin konnte man ja nun erst einmal auf ein Elfmeterschießen hoffen.

Die zweite Hälfte der Verlängerung begann, es stand immer noch 1:1. Beide Mannschaften wirkten platt, und es gab auf beiden Seiten immer wieder Unterbrechungen aufgrund von Verletzungen. Wenig überraschend blieb es auch bis zum Ende der Verlängerung beim 1:1, und es folgte ein Elfmeterschießen.

Den ersten Elfmeter schoss Oleksij Hutsulyak, sicher, 1:2. Es folgte ein souveräner Ausgleich.
Der nächste Schütze war Myakushko, ebenso drin, 2:3. Auch dieses Mal folgte ein souveräner Ausgleich.
Schütze Nummer 3 war Martin Hongla, auch ohne Fehler, 3:4. Kuchynskyj hätte den nächsten fast gehabt, aber nur fast.
Nun war Yoda an der Reihe. Er blieb sich treu und setzte den Ball in die Wolken. Ingulets machte es besser, 5:4.
Vargas war der letzte und musste treffen, und das tat er auch. Aber auch der fünfte Elfmeter bei Ingulets saß, das war’s.

Was soll man sagen. Schlecht gespielt, verdient verloren. Völlig überflüssig das Ganze. Ich habe fertig.

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