Orest Lebedenko: José Morais hat mich am meisten geprägt

Der 22-jährige Orest Lebedenko ist eines der vielen Talente auf der linken Abwehrseite, das Karpaty Lviv produziert haben. Anfang 2019 trat er in die Fußspuren seines früheren Mannschaftskameraden Vasyl Kravets und wechselte in die starke zweite spanische Liga zum CE Lugo, wo er sich zunächst nicht durchsetzen konnte und daher ein Jahr später zurück in die UPL an Olimpik Donetsk verliehen wurde. In einem großen Interview mit unseren Freunden von Lugoslavia berichtet Orest von seinen Eindrücken und Plänen und geht auch kurz auf die Situation bei Karpaty Lviv ein.

Orest Lebedenko, Photo: © Informationszentrum «FK Karpaty»

Zuallererst, Orest Lebedenko, die Frage: Wie geht es Dir, und was haben diese eineinhalb Spielzeiten in der Ukraine bei Olimpik für Dich bedeutet?

Ich fühle mich mental gefestigt, zu allem bereit. Jetzt bin ich im Urlaub und halte mich fit, um mein körperliches Niveau zu halten und für die Saisonvorbereitung bereit zu sein. Die letzte Saison war sehr wichtig für mich. Ich hatte es geschafft, vom ersten Tag an in den Rhythmus der Mannschaft zu kommen und alle Spiele auf einem guten Niveau zu spielen. Das war eines der Hauptziele gewesen, die ich mir zu Beginn der Saison gesetzt hatte: ein nützlicher Spieler für die Mannschaft zu sein.

Nachdem Du zum besten Linksverteidiger des Turniers und zum besten Spieler von Olimpik Donetsk gewählt wurdest, bist Du jetzt bereit, zum Kader von CD Lugo oder einer anderen spanischen Mannschaft zu stoßen? Möchtest Du in Lugo Karriere machen? Glaubst Du, dass es bei [Trainer] Rubén Albés einen Platz für Dich gibt? Hast Du schon mit ihm sprechen können?

Für mich war es eine große Genugtuung, als ich erfuhr, dass ich zum besten Spieler des Teams gewählt worden war, das spiegelte die Arbeit wider, die ich täglich leiste.

Es ist die sportliche Leitung von CD Lugo zusammen mit dem Präsidenten, die jetzt die Entscheidungen treffen werden, und davon hängt es mehr ab als von mir. Natürlich möchte ich nach Spanien zurückkehren und eine weitere Gelegenheit bekommen, allen zu zeigen, dass ich auf einem hohen Niveau spielen und ein Schlüsselspieler für die Mannschaft sein kann.

Mit dem Trainer [Rubén Albés] habe ich noch nicht gesprochen, ich denke, wenn CD Lugo die Entscheidung trifft, werden wir in Ruhe sprechen können.

Wie kam es dazu, dass Du 2019 beim CD Lugo unterschrieben hast? Hast Du es zu irgendeinem Zeitpunkt bereut? Wie ist Dein Verhältnis zu [Präsident] Tino Saqués?

Soweit ich weiß, hatte mich CD Lugo sechs Monate lang beobachtet, bevor sie mich unter Vertrag nahmen, und in der Ukraine hatte es Gerüchte darüber gegeben. Als dann das Angebot real war, dachte ich nicht lange nach, denn das Niveau des Fußballs in Spanien und auch der zweiten Liga dort ist eines der stärksten und anspruchsvollsten in Europa. Ich war jung und es war mir klar, dass das die beste Option war, um weiter voranzukommen.

Ich bereue es überhaupt nicht, dass ich für CD Lugo unterschrieben habe, und zu keinem Zeitpunkt habe ich es bereut. Ich habe viel Positives aus den Trainingseinheiten mitgenommen, sowohl körperlich als auch mental, zum Beispiel wie man sich auf die Spiele vorbereitet, denn jedes Spiel ist anders. All diese Dinge helfen mir und haben mir in diesem Jahr, in dem ich in die Ukraine ausgeliehen war, sehr geholfen.

Mit Tino Saques habe ich ein normales, herzliches Arbeitsverhältnis wie zwischen jedem Spieler und dem Präsidenten.

Wie bewertest Du die Saison von Olimpik Donetsk? Ihr hattet viele Probleme mit den Schiedsrichtern, und Euer Präsident Vladyslav Geltsin hat sich bitterlich darüber beschwert?

Das Niveau der Mannschaft war recht gut, das konnte man in der ersten Runde sehen, wir hatten den siebten Platz belegt und eine Chance, um die europäischen Plätze zu kämpfen, was eines der Ziele der Mannschaft gewesen war. Zu Beginn der Rückrunde verloren wir zwei Schlüsselspiele gegen Dynamo Kiew und Dnipro, dann wurde der Trainer gewechselt, was uns nicht passte, und da begannen auch die Probleme mit den Schiedsrichtern. Wir hatten eine Serie von schlechte Ergebnissen. Es gab einige unerklärliche Schiedsrichterentscheidungen, z.B. hatten wir ein klares Tor erzielt, das dann selbst mit VAR nicht anerkannt wurde, sehr harte rote Karten, sie gaben einen Elfmeter gegen uns, den es nicht hätte geben dürfen, und nach diesen Entscheidungen drückte sich der Präsident bei einem Interview, sagen wir es mal so, überschwänglicher aus als sonst. Aber man kann ihn verstehen, es war einfach die Anhäufung all dieser Entscheidungen.

Aber gut, am Ende haben wir es geschafft, in der UPL zu bleiben, und ich denke, dass die nächste Saison viel stabiler und besser für Olimpik Donetsk verlaufen wird.

Übrigens, wie würdest Du einem spanischen oder CD-Lugo-Fan erklären, was mit Karpaty – Deinem Team und dem von Vasyl Kravets vor Eurer Ankunft in Galizien [Lugo] – passiert ist? Der Club wurde gleich um mehrere Spielklassen herabgestuft, nachdem er früher sogar in europäischen Wettbewerben gespielt hatte… Was für ein Drama.

Das, was mit Karpaty passiert ist, ist in dieser Form in der Ukraine nicht das erste Mal. Etwas ähnliches ist in den letzten zehn Jahren z.B. mit Dnipro passiert. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Finanzierung abbrach, und dann war da noch Covid, obwohl die Situation bei Karpaty ohnehin schon sehr kompliziert war: Es gab eine Menge Schulden. Es ist eine sehr traurige Geschichte und niemand wollte, dass das passiert, aber man konnte nichts tun, so ist das eben. Jetzt spielt das Team in der dritten ukrainischen Liga und es geht ihnen nicht sehr gut, aber wir hoffen, dass sie bald, so Gott will, wieder in der UPL werden spielen können.

Wie kommst Du mit dem Trainerwechsel zurecht? Beim CD Lugo ist diese Art von Situation ja normal, aber Du hast sie auch bei Olimpik erlebt…

Was den Trainerwechsel betrifft, halte ich ihn für eine gute Sache. Solange es eine wohlüberlegte Entscheidung ist, ist sie meist positiv für das Team. Man kann von allen Trainern im Training sehr gute Dinge mitnehmen. In meiner Karriere hat es noch keine Saison gegeben, die wir mit demselben Trainer beendet haben, mit dem wir sie begonnen hatten.

Ich habe alle Spiele von CD Lugo verfolgt, und nach einer Pechsträhne, in der sie nicht gewinnen konnten, hat mir gefallen, wie die Mannschaft in der Schlussphase der Saison mit dem neuen Trainer Ruben Albés reagiert hat.

Wie war es, mit Yaya Toure als Assistenztrainer zu arbeiten? Wer waren die Trainer, die in Deiner Karriere den größten Einfluss auf Dich hatten?

Es war sehr interessant, mit Yaya Toure zu arbeiten, weil er eine Fußballlegende ist. Er erzählte uns viele Geschichten über Manchester City und Guardiolas Barça, er erzählte uns, wie er sich abseits des Platzes verhält und welche Routine er hat, um auf höchstem Niveau mithalten zu können. Er fungierte mehr als Psychologe, obwohl er uns auch als Trainer etwas beibrachte. Ich hätte gerne länger mit ihm gearbeitet, wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja in einem anderen Team wieder.

Von allen Trainern, die ich hatte, hat mich José Morais bei Karpaty, der vorher Assistenztrainer von Jose Mourinho gewesen war, am meisten geprägt. Er hat mir im Fußballerischen sehr geholfen, wie man sich auf dem Spielfeld verhält und auch auf psychologischer Ebene, indem er mir half, wichtige Informationen über alle Mitspieler und Gegner auf dem Feld zu erkennen und verstehen. Nachdem ich mit ihm gearbeitet hatte, wurde ich dann vom CD Lugo unter Vertrag genommen.

Wie hast Du Dein Debüt beim CD Lugo in Erinnerung? Wie war Deine Beziehung zu [dem damaligen Trainer] Eloy Jiménez?

Ich erinnere mich gut an mein Debütspiel gegen Nàstic, obwohl es eine Formalität war, weil wir den Klassenerhalt bereits gesichert hatten und es keine Aufregung gab.

Als Eloy Jiménez in die Mannschaft kam, wollte ich dem Trainer beweisen, dass ich Spielzeit verdiene und für die Mannschaft nützlich sein kann. Er versprach es mir, und er tat das auch, obwohl ich ein bisschen wütend auf ihn war, weil es nur wenige Minuten waren, aber rückblickend verstehe ich, dass es genau die Minuten waren, die ich verdient hatte. Es ist lange her und ich bin ihm dankbar für die Arbeit, die er mit mir gemacht hat, die Möglichkeiten, die er mir gab, weil er mir vertraute. Eloy Jimenez war der Trainer, mit dem ich bei CD Lugo die größten Fortschritte gemacht habe.

Orest Lebedenko, Photo: © Informationszentrum «FK Karpaty»

Warum hast Du Dich entschieden, auf Leihbasis für eineinhalb Jahre zu Olimpik zu wechseln? Hat man Dir nicht angeboten, zu bleiben und am Projekt teilzunehmen?

Eloy Jiménez wurde entlassen und Curro Torres kam, und anfangs lief Arbeit und Training mit ihm gut, aber dann war ich nicht im Aufgebot – in der ersten, der zweiten und der nächsten Woche. Da ging ich auf ihn zu, um ihn zu fragen, was das Problem sei, und er sagte mir einfach, dass ein anderer Linksverteidiger komme [am Ende handelte es sich um seinen Landsmann Vasyl Kravets] und dass die sportliche Führung nach einem Ausweg [einem Transfer] suche. Bis dahin hatte ich nichts davon gewusst, und in diesem Moment änderte sich meine Situation radikal: Ich musste eine Lösung finden. CD Lugo bot mir eine Leihe zu Cultural Leonesa an, aber ich lehnte ab, weil ich nicht in der Segunda B spielen wollte und suchte dann nach anderen Auswegen. Ich dachte, dass die beste Option für die Fortsetzung meiner Karrieree eine Leihe zu Olimpik sei.

Was hat sich von dem Orest Lebedenko, der zu Lugo kam, zum jetzigen, der in seinen Teams wichtige und hochwertige Spielzeit sammelt, geändert?

Viele Dinge haben sich geändert, fast alles: jetzt weiß ich, was es heißt, jedes Spiel zu spielen, ich bin stärker und habe mehr Erfahrung, außerdem habe ich hart gearbeitet, um mich mit Arbeit im Fitnessstudio auch physisch zu verbessern. Zu Lugo kam ich als ein Kind, das noch nicht verstand, was den Fußball taktisch ausmacht, und körperlich fehlte es mir auch ein wenig. Jetzt sehe ich den Fußball anders. Ich werde hier nicht aufhören, ich werde weiter daran arbeiten, noch besser zu werden.

Wie hat sich der ukrainische Fußball verändert, welche Unterschiede siehst Du zum spanischen Fußball, wo denkst Du, profitierst Du von dem einen oder anderen der beiden Stile?

In dem Jahr, in dem ich in Lugo war, hat sich der ukrainische Fußball ein bisschen verändert, die Mannschaften sind dazu übergegangen, den Ball mehr zu kontrollieren, mit schnellerem Umschaltspiel und Gegenangriffen zu spielen, ich würde sagen, dass es da eine Verbesserung gegeben hat.

Es gibt immer noch einige Unterschiede zwischen dem spanischen und dem ukrainischen Fußball. Zum Beispiel sind die Vereine in Spanien sehr gut im Umgang mit dem Ball und können sich je nach Gegner auf fast jeden Spielstil einstellen. In der Ukraine ist das ein bisschen komplizierter.

Sowohl in der Ukraine als auch in Spanien gibt es Mannschaften, die den Großteil des Spiels in der Offensive verbringen. Ich fühle mich wohler im Angriff, wenn ich meine Schnelligkeit nutze, obwohl mir klar ist, dass ich als Verteidiger wissen muss, wie man gut verteidigt. Das hängt eher von der Spielweise der jeweiligen Mannschaft ab, nicht davon, ob wir in der Ukraine oder in Spanien sind.

Die ukrainische Nationalmannschaft befindet sich in einem Erneuerungsprozess und setzt seit der Ankunft von Andrij Schevtschenko als Trainer auf junge Spieler … Könnte es passieren, dass Du von der Nationalmannschaft eingeladen wirst? Du wurdest ja bereits in die Jugendnationalmannschaften berufen?

Aktuell hat unsere A-Nationalmannschaft ein sehr gutes Team mit Spielern, die in Top-Teams in Europa spielen, so dass es im Moment sehr schwierig ist, eingeladen zu werden, vor allem, wenn man in der Ukraine bei einer anderen Mannschaft als Dynamo Kyiv oder Shakhtar spielt. Aber nicht nur ich, alle Ukrainer geben ihr Bestes, um es in die A-Mannschaft zu schaffen, das ist das höchste, was es gibt. Um eine bessere Chance zu haben, es in die Nationalmannschaft zu schaffen, muss man meiner Meinung nach in einer europäischen Liga mit sehr hohem Niveau spielen.

Wie erleben junge Menschen den Fußball in der Ukraine, und wie schwierig ist es, im Profifußball Fuß zu fassen?

In der Ukraine wird jetzt viel Geld in den Breitenfußball investiert, es gibt viele Akademien für Jugendliche mit guter Infrastruktur, wodurch immer mehr junge Fußballer auftauchen, obwohl viele von ihnen es am Ende nicht schaffen.

Zu welchem Spieler der Mannschaft von CD Lugo hattest oder hast Du die engste Beziehung? Wie war der Integrationsprozess in der Kabine?

Als ich in Lugo war, verstand ich mich mit allen gut, ich konnte mit jedem reden. Tete Morente, Toni Martinez, Manu Barreiro, Iriome, Pita, Campabadal, Jose Carlos… Ich hatte das Glück, all diese großartigen Spieler zu treffen!

Meine Eingewöhnung war genau so, wie ich es erwartet hatte. Ich wusste, dass es aus vielen Gründen nicht einfach werden würde, unter anderem wegen meines Alters, ich war 19 Jahre alt und kam zu einem sehr professionellen Team, in dem jedes Spiel so gespielt wird, als wäre es das letzte und in einer der anspruchsvollsten Meisterschaften. Ich hatte das Glück, im Training in den ersten Monaten eine Person zu haben, die alles für mich übersetzte, was für meine Anpassung und das Team im Allgemeinen sehr wichtig war; auch Campa, Aburjania und Jose Carlos halfen mir und gaben mir Ratschläge. Die Mentalität der Menschen in Spanien ist offen und sehr positiv, dadurch konnte ich mich schnell integrieren.

Welche Ziele hattest Du Dir bei Deiner Ankunft in Lugo gesetzt? Inwieweit hat es Dich beeinflusst, dass es vor Dir einen Fußballer namens Vasyl Kravets gegeben hatte? Wie ist Deine Beziehung zu ihm?

Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, was wir Fußballer wollen – Spielzeit und dass unsere Arbeit geschätzt wird. Ich kam sehr jung und unerfahren, und die, die schon hier waren, arbeiteten auf sehr hohem Niveau. Ich fand es schon etwas komisch, als Kravets ins Team kam. Ich habe keinen Kontakt mit ihm, ich weiß nicht, was seine Rückkehr auf Leihbasis für eine halbe Saison für einen Einfluss gehabt hat. Danach habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen.

Was hast Du in deinen Monaten in Lugo am meisten vermisst?

Ich habe niemanden vermisst, ich ärgerte mich nur, weil ich nicht spielte. Am Anfang hatte ich meine Eltern vermisst, aber dann kamen sie mich für ein paar Tage besuchen, und die ganze Gegend hat ihnen auch sehr gut gefallen.

Wo würdest Du in der nächsten Saison gerne spielen?

Die Entscheidung über meine Zukunft wird jetzt von CD Lugo getroffen, es hängt also von ihnen ab. Wenn sie nicht wollen, dass ich zurückkomme, habe ich mehrere Optionen für meine Zukunft.

Original: Lugoslavia