Karpaty – Olimpik: 2:1 (2. Halbzeit)

Heute fand die zweite Halbzeit des noch im alten Jahr wegen Schnee beim Stand von 1:1 abgebrochenen Heimspiels gegen Olimpik Donetsk statt. Karpaty waren nach der Heimniederlage gegen Zorya am letzten Wochenende auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht und hatten die Chance, mit einem Sieg wieder an Stal’ und Chornomorets vorbeizuziehen.

Das System war gegenüber letztem Sonntag fast unverändert 3:4:2:1, allerdings war aus der Mittelfeldreihe eine Raute geworden, mit Roman Pidkivka im Tor, dann einer Dreierkette mit Miroshnichenko, Lobaj, und Nesterov, im Mittelfeld Myakushko, Verbnyj (defensiv), Carrascal (offensiv) und Hutsulyak, dann auf den Flügeln Di Franco und Shved und Akulinin im Sturmzentrum.

Die ersten Minuten wirkten etwas zerfahren. Karpaty hatten mehr Ballbesitz, es gab aber eine Menge Fehlpässe und wenig systematisches Aufbauspiel. Auffällig war hier vor allem Myakushko, der mit einigen Individualaktionen den Ball in die Nähe des gegnerischen Tors brachte. In der 55. Minute fiel das 2:1, der Torschütze war Jorge Carrascal, der aus ca. 25 Metern flach zwischen diversen Mannschaftskameraden und gegnerischen Abwehrspielern hindurch in die rechte Ecke traf. Der Schuss wirkte nicht unhaltbar auf mich, aber der Torwart konnte aufgrund der ganzen Spieler im Strafraum offenbar zu wenig sehen.

Im Anschluss wurde das Spiel bei Karpaty etwas sicherer, und sie erarbeiteten sich eine ganze Reihe von Chancen. Besonders auffällig waren hier Myakushko und Carrascal. Akulinin arbeitete viel im Sturmzentrum, bekam aber nach wie vor nichts, was seine Größe und Vorteile im Kopfballspiel in Szene setzen könnte. In der 80. Minute gab es eine rote Karte gegen einen Olimpik für ein ziemlich übles Foul an Akulinin. Karpaty hatten noch eine Zahl von Chancen, die sie alle vergaben. Da Olimpik heute ziemlich schwach war, reichte es zu einem 2:1 Sieg, und Karpaty sind erst einmal wieder aus der Abstiegszone heraus.

Karpaty – Zorya: 0:2

Heute spielten Karpaty ihr erstes Spiel nach der Winterpause zu hause gegen Zorya Luhansk. Nachdem Stal’ gestern ihr Heimspiel gewinnen konnten, brauchten Karpaty heute unbedingt Punkte, um vom letzten Tabellenplatz wegzukommen.

Gespielt wurde in einem 3:4:2:1-System mit Pidkiwka im Tor, Fedetskyj, Nesterov und Lobaj als Dreierkette hinten, davor Myakushko, Chachua, Klyots und Husulyak im Mittelfeld, Di Franco und Shved als Außenstürmer und im Sturmzentrum Hightower Akulinin. Carrascal, der in den letzten Spielen stark aufgetreten war, fehlte gelbgesperrt, alle drei Neuzugänge, Cortes, Bedoya und Sandokhadze, saßen auf der Bank.

Die erste halbe Stunde verlief einigermaßen ausgeglichen, mit leichten Feldvorteilen für die Hausherren, Kontern bei Zorya, aber ohne so richtige Chancen auf beiden Seiten. Das änderte sich in Minute 32, als nach einem sehr ungeschickten Einsteigen von Fedetskyj im Strafraum Elfmeter gepfiffen wurde. Der Elfmeter war berechtigt, kam aber trotzdem sehr überraschend und war im Grunde mal wieder symptomatisch für die gesamte Karpaty-Saison: ordentlich gespielt und dann so ein blödes Ding. Dieses Mal verlief es glimpflich, der Strafstoß traf den Pfosten, und es blieb beim 0:0. Danach wurde das Spiel etwas lebhafter, wobei Zorya etwas stärker wirkte. Es ging ohne Tore in die Kabine.

Nach der Pause begannen Karpaty ohne Wechsel. Sie spielten mit mehr Offensivdruck, und
in der der 52. Minute sah es aus, als hätten sie die Führung erzielt, der Treffer wurde aber wegen Abseits nicht gegeben. Praktisch im Gegenzug fiel dann die Führung nach einem Konter für die Gäste, die ein wenig die Verwirrung ausnutzen konnten. Karpaty spielten weiter nach vorn. Nach 62 Minuten kam Neuzugang Cortes für Myakushko. Nach 72 Minuten fiel dann das 0:2 nach einer schönen Einzelaktion, wobei auch Nesterov und Lobaj schlecht positioniert waren und dadurch ohne Not Raum ließen.

Nach 75 Minuten kam Verbnyj für Chachua, was taktisch zu keiner Änderung führte. Es sah nicht wirklich nach einem Ausgleich oder auch nur einem Anschlusstreffer aus, Zorya stand hinten sicher und hatte sogar noch einige gute Konterchancen.

Am Ende stand eine verdiente Heimniederlage. Zorya spielten sehr effektiv, brauchten kaum Chancen, um zu ihren Toren zu kommen. Hinten standen sie stabil genug, wobei die Karpaty-Offensive auch nicht gerade ein Gradmesser war.

Als Fazit bleibt zu bemerken, dass Karpaty im neuen Jahr exakt die gleichen Probleme haben wie im alten: es sieht alles ganz nett aus, aber man braucht viel zu viele Chancen, um ein Tor zu erzielen (hier hat der heutige Gegner hingegen sehr schön gezeigt, wie man es macht), und die Defensive ist immer mal wieder für einen Aussetzer gut, woraus dann Gegentore resultieren.

Mir fällt immer wieder auf, dass die beiden Flügelspieler gern diagonal in den Strafraum gehen und den Ball ins Tor tragen wollen, wodurch Mittelstürmer Akulinin kaum ins Spiel kommt: er ist ja nicht gerade beweglich, aber lang und kopfballstark. Mit flachen und kurzen Zuspielen funktioniert der nicht, und Flanken auf den Kopf werden praktisch keine geschlagen.

Der Zug ist noch nicht abgefahren. Man wird in der Abstiegsrunde noch Spiele gegen die direkte Konkurrenz haben, aber wenn die nicht langsam herausfinden, wo das Tor steht und lernen, über 90 Minuten konzentriert zu spielen, dann sieht es trotzdem zappenduster aus.

Neuzugänge trotz Transfersperre

Das Portal Football Ukraine meint, eine Erklärung gefunden zu haben, wie es Karpaty gelang, trotz des Transferverbots drei neue Spieler zu registrieren. Der Verein hat offenbar hier ausgenutzt, dass, wenn vor einem ordentlichen Gericht Einspruch gegen das Urteil erhoben wird, es für die Dauer erst einmal ausgesetzt wird.

Dennoch bleibt die “Hudyma-Affäre” immer noch ein Damoklesschwert über dem Club. Schlimmer noch, andere ehemalige Spieler sind in der letzten Zeit aufgetaucht, die ähnliche Vorwürfe erhoben. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist oder man einfach hofft, angesichts des aktuellen Erfolgs Hudymas, ein wenig auf dem Trittbrett mitfahren zu können, ist freilich ungeklärt.

Ukrainische Vereine sind ja generell bekannt dafür, mit durchaus “kreativen” Verträgen und Bezahlungsmodellen zu arbeiten, um ihre Kader finanziert zu bekommen (was schwer genug ist). Nach allem, was ich zum Thema Hudyma gelesen habe, scheint mir der Verein hier aber im Recht zu sein (Hudyma klagt Boni ein, die er, weil er nicht spielte, auch nicht bekam, die aber in seinem Vertrag einen größeren Teil seines Gesamtgehalts ausmachten), zumindest, solange man nicht zu dem Schluss kommt, dass Verträge wie der seinerzeit mit Hudyma sittenwidrig und somit sowieso nichtig seien.

Verliehen: Tkachuk und Debelko

Zwei Spieler müssen nun auch noch gehen, zumindest für den Rest der Saison. Jurij Tkachuk und Roman Debelko wurden nach Tallin in Estland verliehen. Was Debelko betrifft, war das logisch, da der Club ja gerade noch zwei Offensivkräfte verpflichtet hat. Warum man nun Tkachuk von Ruhk zurückgeholt hat, um ihn gleich wieder zu verleihen, will sich mir nicht ganz erschließen.

Ich warte jedenfalls noch ein wenig ab, ob es nicht noch weitere Änderungen gibt, bevor ich meine Zusammenfassung und Betrachtungen zu den Wintertransfers bei Karpaty verfasse 

Abgang: Khudob’yak

Es gibt einen weiteren Abgang zu vermelden. Clublegende und Kapitän Ihor Khudob’yak verlässt Karpaty. Bisher ist noch nicht bekannt, ob er einen neuen Club hat oder seine Karriere als Spieler beendet.

Er war zuletzt auf dem Platz meist nur noch zweite Wahl, wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob das die beste Entscheidung des Trainers war. Aber er ist nun auch schon 32 Jahre alt, und bei seinem Spielstil dürfte das Alter langsam auch seine Spuren hinterlassen.