Vorskla – Karpaty: 0:0

Ich habe eben gerade noch geschafft, mir das Spiel Vorskla – Karpaty vom Ende der ersten Halbzeit an anzusehen. Hier sind meine Eindrücke und Gedanken dazu.

Zur Ausgangslage: Dies ist ein Spiel der Abstiegs-Runde, d.h. die untere Hälfte der Tabelle nach einem kompletten Satz von Hin- und Rückspielen spielt jetzt aus, wer am Ende auf dem letzten Platz steht und absteigen muss (nur der letzte steigt ab). Vorskla führte die Gruppe an, Karpaty war Drittletzer.

Die Aufstellung bei Karpaty war ähnlich defensiv wie schon letztes Wochenende, eine Art 3:2:2:2:1, d.h. eine Dreierkette in der Innenverteidigung mit Lobaj, Nesterov, Dytyatev, davor zwei Außenverteidiger mit Zubeyko und Matviyenko, davor eine Doppel-6 mit Chachua und Verbny, zwei offensive Mittelfeldspieler rechts und links außen mit Klyots und Khudobiyak und schließlich als Spitze Hladky. Interessant ist hier, dass Verbny, der m.E. letzte Woche nicht sehr stark wirkte, den Vorzug vor Filimonov bekam und dass Klyots wieder im offensiven Mittelfeld aufgestellt war, obwohl er eigentlich sonst eher auf der 6er-Position zu hause ist. Etatmäßiger Flügelspieler rechts und Leistungsträger Pavlo Ksyonz stand nicht im Aufgebot, ist vermutlich noch verletzt.

Von dem Moment an, wo ich einschaltete (etwa 30te Minute) war deutlich zu sehen, dass Vorskla deutliches Übergewicht hatte – mehr Zug nach vorn, passsicherer. Karpaty versuchte, die Angriffe in den zwei Abwehrreihen versacken zu lassen und auf Konter zu spielen, die zeigten aber eher selten auch nur irgendeine Wirkung. In dem Kontext konnte ich eigentlich auch niemanden besonders hervorheben. Die Mannschaft wurde ganz einfach vom Gegner gut beschäftigt, schaffte es aber ganz ordentlich, den Ball aus dem eigenen 16er fern zu halten.

Am Rande bemerkt: das war das erste Spiel, wo sie mit den neuen Auswärtstrikots antraten, ganz in grün, wobei bei den Hemden auf der Vorderseite und den Ärmeln ein etwas dunkler grünes Muster, das so ein wenig an ukrainische Stickerei erinnern sollte, aufgedruckt ist. Sieht ziemlich cool aus

Kurz nach der Pause kam dann Hutsulyak für Chachua und besetzte den linken Flügel, wodurch wie letzte Woche auch Klyots auf die 6er-Position wechselte und Khudobiyak auf den rechten Flügel. Am Spielverlauf änderte das wenig, wobei man, je länger das Spiel lief, sagen muss, dass auch die Hausherren keine wirkliche Torgefahr ausstrahlten, das ging alles immer nur bis zur Strafraumgrenze und nicht weiter, und Karpaty schienen mit dem 0:0 ganz gut leben zu können.

In der 76en Minute kam Miroshnichenko für Matvienko, der sich offenbar eine Blessur geholt hatte (die aber nicht wirklich ernst aussah), und in der 73. Minute kam Hrysio für Khudobyak. In den letzten Minuten hatten Karpaty eine Reihe von Offensivaktionen, u.a. ein Freistoß aus guter Entfernung, den Klyots ausführte (auch der Umstand erscheint mir interessant, ich habe ihn früher nicht als Freistoßschützen gesehen).

Alles in allem muss man sagen, dass Karpaty heute defensiv gut standen, was ja wahrlich nicht immer der Fall war. Der Altersdurchschnitt der Mannschaft auf dem Platz dürfte locker 4 Jahre höher sein als das in der Hinrunde üblicherweise der Fall war: Khudobiyak, Nesterov, Dytyatev, Zubeyko und Hladky sind alle Ende 20 / Anfang 30, offenbar hat die Erfahrung mit der Kindergartentruppe der Hinrunde zu einem Umdenken geführt. Andererseits ist schön zu sehen, dass sich einige der Jungspieler aus dem eigenen Nachwuchs gut entwickeln: Lobay spielt regelmäßig sicher und fehlerfrei in der Innenverteidigung, Klyots bekommt mehr Spielzeit als früher und scheint aktuell eine Entwicklung zum Offensivspieler zu vollziehen, Chachua ist ja schon eine feste Größe, Hutsulyak kommt nach seiner Rückkehr langsam in den Tritt, und Hrysio wird langsam an das Erstliga-Niveau herangeführt.

Das erklärte Ziel ist ja, im nächsten Jahr eher an den EL-Plätzen zu kratzen als an der Abstiegszone. Das wird m.E. nur möglich sein, wenn sie vorn weiterhin jemanden wie Hladky haben, denn die Mannschaft hat ansonsten keinen echten Knipser. Und das wird schwierig: Hladky hat noch 2 Jahre Restvertrag bei Dynamo und einen Marktwert weit jenseits von einer Million, was deutlich jenseits der ökonomischen Möglichkeiten bei Karpaty liegt. Also können wir wohl am ehesten auf eine Fortsetzung des Leihgeschäfts hoffen oder vielleicht darauf, dass Hutsulyak und Khomchenko (der heute nicht spielte) in den letzten Wochen noch einen wirklich großen Sprung machen. Ich kann mir das realistisch nicht vorstellen.

Am Ende stand es dann 0:0, verdient würde ich sagen, weil Vorskla aus ihrer Feldüberlegenheit nichts machen konnten und Karpaty sicher in der Defensive standen.

Karpaty – Dnipro: 2:2

Heute war das erste Spiel für Karpaty im “Abstiegs-Playoff”, in dem die 6 Teams der unteren Tabellenhälfte (12 Teams, Hin- und Rückspiel, dann Aufteilung in je eine Gruppe der oberen und der unteren 6) gegen den Abstieg kämpfen (nur der Letzte steigt ab). Ernsthaft mit dem Abstieg zu tun haben hier eigentlich nur 3 Mannschaften – Karpaty, Dnipro und Volyn, die anderen – Vorskla, Stal und Zirka – haben sicheren Abstand und spielen eigentlich nur noch zum Spaß mit.

Bei Karpaty fehlten verletzungsbedingt Holodyuk und Ksyonz, wodurch einige Umstellungen nötig waren, die auch noch etwas weiter gingen.

Karpaty spielten rein formal mit einer extrem defensiven Aufstellung: hinten eine Dreierkette aus Lobai, Nesterov und Dytatyev, davor zwei weitere nominelle Außenverteidiger mit Zubeyko und Matviyenko. Im zentralen Mittelfeld standen Filimonov und Chachua.

Maksym Hrysio, der in den letzten Wochen auf dem Platz stand, saß auf der Bank, stattdessen spielte auf dem linken Flügel Oldie Khudobiak, links Klyots, der eigentlich ein 6er ist, und vorn Hladky.

Karpaty spielten trotz der defensiven Aufstellung sehr offensiv und machten in der ersten Halbzeit jede Menge Druck. Das 1:0 für Karpaty war ein Eigentor, und es hätten durchaus noch ein paar mehr Tore sein können.

Im Laufe des Spiels kamen Hutsulyak und Verbny für Filimonov und Chachua. Klyots ging mit Verbny auf die Doppel-6 zurück, und Hutsulyak übernahm mit Khudobyak die Unterstüzung Hladkys.

In der 2. Halbzeit fiel dann der Ausgleich und wenig später noch der Führungstreffer für Dnipro. Das waren beides eigentlich vermeidbare Tore, bei der die Abwehr von Karpaty nicht gut aussah. Das finde ich eigentlich bemerkenswert, da dort einiges an Erfahrung auf dem Platz stand. Anfang der Saison waren Karpaty ja regelrecht eine Kindergartentruppe gewesen, bei der nur Zubeyko, Khudobiak und Ksyonz als “Erwachsene” durchgingen – das hat sich spätestens seit der Winterpause deutlich geändert, die Mannschaft hat jetzt eher eine gesunde Mischung zwischen alt und jung.

Es war dann auch Oldie Khudobiak, der die Abwehr Dnipros regelrecht düpierte – er wurde in einer eher chaotischen Vorwärtsbewegung irgendwie und halbhoch ungefähr auf Strafraumhöhe ziemlich ungenau angespielt, so dass ein Dnipro-Abwehrspieler den Ball direkt annehmen konnte und offenbar vorhatte, ihn an den Torwart weiterzuleiten. Khudobiak schaffte es gerade noch, den Ball in der Luft zu erwischen und etwas anzulupfen, rannte dann mit Entschlossenheit hinterher und köpfte den quasi selbst vorgelegten Ball am Torwart vorbei ins Netz. Ja, wenn wir den nicht hätten!

Es gab noch kurz vor dem Ende einige Schock-Momente am Strafraumrand der Gastgeber, die aber alle zu keinem Tor führten – Dytyatev vollführte eine Heldentat, bei einem Konter im Strafraum mit einem Tackling von hinten links den Ball sauber zu erwischen und keinen Elfmeter dafür zu kassieren.

Neben Dytyatev war in der ersten Halbzeit Chachua gut und auch gefährlich, wenn er nach vorn ging. Hladky war gut “wie immer”, ansonsten war ich aber von zwei Spielern positiv überrascht: Klyots zeigte in seiner ungewohnt offensiven Rolle eine sehr starke Leistung, und Hutsulyak, der in den ersten Spielen nach seiner Rückkehr eher eine Enttäuschung war, scheint langsam angekommen zu sein: er zeigte einiges an feiner Technik und strahlte Torgefahr aus. Das kann durchaus noch etwas werden. Matvienko ist natürlich pure Klasse, aber der ist nach der Saison mit Ablauf seiner Leihe auch wieder weg.

Warum Verbny hereinkam, wurde mir nicht ganz klar, vielleicht eine Verletzung, ich fand ihn nicht sehr beeindruckend, er viel am Ende noch durch ein ziemlich unnötiges Foul auf, für das er verdient gelb sah.

Alles in allem ein unterhaltsames Spiel mit einem verdienten Ergebnis. Karpaty fielen leider wieder ein wenig in alte Gewohnheiten zurück – dämliche Tore zu fangen und dann den Spielfluss zu verlieren. Ein Glück haben sie noch Opa Khudobiak!

Die Transfers in der Winterpause 2016/2017

In Winterpause 2016/2017 gab es bei Karpaty einige bemerkenswerte Änderungen.

Zunächst wurden drei absolute Leistungsträger für extrem wenig Geld abgegeben (wobei man bei den Ablösesummen immer etwas vorsichtig sein muss, weil oft nicht durchdringt, welche Nebenabsprachen da noch dran sind):

  • Volodymyr Kostevych, hochtalentiertes Eigengewächs und Stammspieler im linken Mittelfeld, wurde an Lech Poznan nach Polen verkauft.
  • Gustavo Blanco Leschuk, praktisch der einzige, der da vorn irgendwie Durchschlagskraft hatte, wurde nach sehr starker Hinrunde an Shakhtar Donetsk verkauft, offenbar, weil sein Vertrag im Sommer ausgelaufen wäre und er wegen attraktiver Angebote der Konkurrenz nicht unterzeichnen wollte.
  • Rechtsverteidiger Vasyl Kravets, der in dieser Saison sehr auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde mit Kaufoption nach Spanien an CD Lugo verliehen.

Ansonsten gab es die bei Karpaty schon fast übliche Entlassungswelle, d.h., mit Spielern, die nicht mehr benötigt wurden, wurden Verträge aufgelöst. Das war bei Artur Karnoza ziemlich überraschend, da der doch einige gute Spiele gemacht hatte.

Weil zur Zeit fast alle ukrainischen Clubs Probleme haben, ihre Spieler zu bezahlen, werden kaum noch überhaupt Ablösesummen gezahlt. So gab es bei Karpaty auch einige Qualität für lau:

  • Innenverteidiger Oleksiy Dytyatev und die nur kurz zuvor abgegebene Clublegende im Mittelfeld Oleh Holodyuk kamen aus Poltava.
  • Defensivmittelfelder Artem Filimonov und Torwart Evgen Borovyk wechselten aus Odessa. Letzterer soll nach Karriereende in den Trainerstab wechseln, mit Roman Pidkivka, der die Hinrunde gut gespielt hat, ist ein sehr talentierter Torwart schon im Wartestand.
  • Stürmer Viktor Khomchenko kam aus Lutsk, wo er wegen Problemen mit dem Trainer nicht mehr Bestandteil der Planung war.

Wenn man sich die Mannschaft anschaut, wirken diese Transfers nicht unbedingt alle wie strategische Verstärkungen. In der Verteidigung gab es Verbesserungsbedarf und einen Abgang, der zu kompensieren war.

Im zentralen Mittelfeld scheint mir Filimonov eher so ein Gelegenheitskauf zu sein (freilich ein guter), denn da war eigentlich fast schon Gedränge: Ambrosi Chachua spielt eine gute Saison, Dmytro Klyots ist noch jung, entwickelt sich aber, im offensiven zentralen Mittelfeld gibt es Khudob’yak, während in den Winger-Positionen rechts und links wenig Alternativen gibt: Ksyonz ist gesetzt, aber links hinterlässt Kostevych eine Lücke. Zaviisky rechts ist noch sehr jung und muss noch etwas wachsen.

Vorn war die größte Lücke. Topscorer Blanco war gegangen, und Neuzugang Khomchenko ist ganz einfach nicht in der selben Liga. Hinzu kommt, dass Kadimyan, Puchkowsky, Gabriel und Karnoza alle herausgeworfen worden waren, so dass es da ziemlich dünn aussah.

Das war dann die Situation, wo wir uns alle fragten, was da noch kommt. Da die Mannschaft mit -6 Punkten in die Saison gestartet und immer noch mit einigem Abstand Tabellenletzter war, gab es hier einigen Grund zur Sorge.

Wie bei Karpaty üblich, wurden erst mal einige Junioren ins erste Team befördert und durften sich bei den Testspielen zeigen: die zentralen Angreifer Maksym Salamakha und Dmytro Zayikyn sowie auf dem linken Flügel Maksym Hrysyo. Letzterer ist der einzige, der Stand jetzt noch im ersten Kader steht, die anderen beiden wurden wieder in die U21 zurück versetzt. Hier war also noch keine Lösung in Sicht.

Dann gab es noch einen vollkommen unbekannten Brasilianer, Rogerio Alves dos Santos (“China”) aus der U21 von Atlético Juventus in Brasilien, der bei einigen Testspielen mitmachen durfte. Es wurde dann recht bald verkündet, dass man ihn verpflichten wollte, offiziell wurde aber der Vollzug erst nach einigen Wochen verkündet. Der Mann ist noch jung, und ob er sich durchsetzen wird, muss sich zeigen. Einige Male hat so etwas ja funktioniert (z.B. Lucas oder auch Blanco), aber oft auch gar nicht (wie gerade mit Gabriel).

Und dann kam Kamerad Zufall zur Hilfe. Der als großes Talent betrachtete Oleksiy Hutsulyak kam von seiner Leihe aus Spanien zurück und erklärte, er wolle wieder in der Heimat spielen. Wie weit das wirklich Heimweh oder einfach nur der Misserfolg dort war, weiß wohl nur er. Jedenfalls traute man dem einiges zu, was aber bisher noch nicht so richtig in die Tat umgesetzt wurde.

Der größere und wohl für die Saison kritische Zufall war, dass Dynamo Kyiv klamm ist und mit dem Kader Geld sparen muss. Stürmer Oleksandr Hladky, der schon vor einigen Jahren mal ein Jahr auf Leihe bei Karpaty gespielt hatte, spielte in der Planung von Trainer Rebrov keine Rolle mehr und sollte verkauft werden – zunächst nach Russland, was der Spieler aber aus politischen Gründen ablehnte. So kam in letzter Minute ein Leihgeschäft mit Karpaty zustande. Der Spieler ist noch immer in guter Erinnerung und sehr populär, und er hat mehr als die Qualität, die durch den Abgang von Blanco entstandene Lücke zu schließen.

Er hat seit Beginn der Rückrunde schon dreimal getroffen und hat der Mannschaft endlich die lange vermisste Durchschlagskraft gegeben. Er ist ähnlich wie Blanco sehr kopfballstark, aber dabei etwas beweglicher und technisch versierter (mein Gefühl). Ich fürchte, dass nach dieser Saison aber wieder Schluss sein wird, ich kann mir nicht vorstellen, dass Dynamo den bei dann noch 2 Jahren Restvertrag umsonst ziehen lässt.

So haben wir nun Gedränge im Sturm. Wie gesagt, zwei Spieler sind schon wieder in die zweite Reihe gerückt, aber Karpaty haben jetzt für die zentrale Sturmposition neben Hladky noch Hutulyak, Khomchenko und China, was bei einem 4:2:3:1-Spielsystem faktisch bedeutet, dass hier eine Position vierfach besetzt ist. Man wird sehen.

So haben Karpaty nun – womit wirklich keiner gerechnet hat – den Kader tatsächlich verstärkt und sind in guter Verfassung. Die rote Laterne hat Volyn übernommen, auf dem vorletzten Platz steht Dnipro, was aber vor allem an den 12 Punkten Abzug wegen finanzieller Probleme liegt.

Jetzt geht es in die “Playoff”-Runde, wo die unteren 6 Clubs gegen den Abstieg spielen. Wenn Karpaty so weiter machen, werden sie damit wohl nichts zu tun haben. Aber es ist ja noch früh.

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