Wie auf der Club-Webseite mitgeteilt, haben sich Verein und Spieler auf eine Vertragsauflösung geeinigt. Der 25-jährige war erst zu Beginn der Saison aus der Konkursmasse des FK Poltava zu Karpaty gewechselt und hatte unter Trainer Morais (der den Club mittlerweile verlassen hat) zum Ende von dessen Dienstzeit einige Einsätze von Anfang an gehabt. Über einen neuen Club ist noch nichts bekannt.
Diese Nachricht ist ein Schock: Medienberichten zufolge hat Trainer Morais letzte Woche schon zurücktreten wollen, was vom Verein aber abgelehnt wurde.
Nun hat er sich aus dem Vertrag herausgekauft, Herkunft des Geldes und Ziel des Portugiesen dürfte ein koreanischer Club sein.
Morais hatte die Mannschaft im August dieses Jahres von Trainer Boychyshyn übernommen, der die bereits aus der letzten Saison bekannten Schwächen – Abschlussschwäche und Konteranfälligkeiten – nicht in den Griff bekommen hatte.
Unter Morais wurden deutliche Verbesserungen erreicht, die sich allerdings bislang nicht im notwendigen Maße in Punkten manifestieren konnten, so war etwa zu beobachten, dass die neue Viererkette ein deutlicher Fortschritt und auch das Aufbauspiel viel reifer geworden war. Insofern, gerade zumal jetzt auf die Schnelle kein geeigneter Ersatz zu finden sein dürfte, muss der plötzliche Abgang des Trainers als ein großer Verlust betrachtet werden.
Laut Vereinswebseite wird die Mannschaft vorübergehend wieder von Oleh Boychyshyn, verstärkt von Alexander Chyzhevsky und Roman Hnatov, übernommen.
Nachtrag: wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist der koreanische Club, der Morais verpflichtet hat, Jeonbuk Hyundai Motors FC, der laut Vizepräsident Smalijchuk Morais ein Angebot gemacht habe, “dem man nicht widerstehen” könne.
Verschiedenen ukrainischen Sportsites zufolge steht der senegalesische Innenverteidiger Papa Gueye kurz vor einer Unterschrift bei Karpaty. Gueye war als Spieler bei Metalist und Dnipro schon in der Ukraine aktiv gewesen und war zuletzt vereinslos.
Gueye ist mit seinen 34 Jahren schon ein Fußball-Senior, könnte aber aufgrund seiner Erfahrung und Klasse (sein Marktwert stand laut transfermarkt.de während seiner Zeit bei Metalist zwischenzeitlich bei 6 Mio €) durchaus eine wertvolle Verstärkung für die mitunter etwas zu leicht auszuspielende Innenverteidigung sein, zudem bringt er mit seinen 1.89m dringend benötigte Lufthoheit mit.
Ponde hat einen porgugiesischen Pass, ist aber gebürtiger Rumäne. Er stieß 2008 zur Jugendmannschaft von Sporting, wo er die verschiedenen Altersstufen durchlief, dabei 11 Einsätze in portugiesischen Jugendnationalmannschaften hatte und seit letztem Jahr bei Sporting B gelistet war.
Er ist mit seinen 23 Jahren immer noch jung und entwicklungsfähig, wobei es bei Sporting für den Sprung in die erste Mannschaft nicht gereicht hat. Er hat einen Vertrag über 3 Jahre unterschrieben und konnte ablösefrei verpflichtet werden.
Ponde ist ein Mittelstürmer. Mit 1.79m ist er zwar kein Kopfballungeheuer, bringt aber doch etwas mehr körperliche Präsenz mit als die etatmäßigen Stürmer Rodrigo Vargas, Catriel Sánchez und William De Camargo
(wir erinnern uns, dass beim 2:0 Auswärtssieg bei Dynamo am letzten Wochenende Oleksij Hutsulyak, der zuletzt eigentlich immer im Mittelfeld eingesetzt worden war, auf der Mittelstürmerposition spielte).
Shevchenko gilt als ein guter Torwart, der sich aber bei seinem Club gegen Nationaltorwart Andriy Pyatov nie hat durchsetzen können. Zuletzt hieß es, er habe seinen in diesem Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängert, was aber ganz offensichtlich nicht stimmen kann, wenn ihn sein Club nun verleiht.
Etwas unklar ist, welche Pläne sein neuer Club mit ihm hat. Stammtorwart Maksym Kuchynsky hat gestern beim überraschenden Auswärtssieg bei Dynamo wieder eine sehr gute Leistung gezeigt, so dass es sehr überraschen würde, sollte er nun ins zweite Glied zurücktreten. Sein derzeitiger Ersatz, Herman Penkov, gilt als talentiert, außerdem scheint die Formkurve vom hochveranlagten Eigengewächs Roman Pidkivka, der vergangenen Samstag in der zweiten Mannschaft 90 Minuten spielte und eine starke Leistung zeigte, wieder nach oben zu weisen.
Ob einer der drei sich kürzlich verletzt hat, was ja auch ein guter Grund für eine solche Leihe sein könnte, ist derzeit unbekannt.
Seit gestern ist das Sommertransferfenster geschlossen, und es wird Zeit, einen Blick auf die Transferaktivitäten dieses Sommers bei Karpaty zu werfen.
Zusätzlich wurden einige Spieler aus der zweiten Mannschaft in die erste befördert: Linksverteidiger Orest Lebedenko und im zentralen Mittelfeld Dmytro Klyots, und der wohl wertvollste Spieler der Mannschaft, Jorge Carrascal, wurde über die Kaufoption nach seiner Leihe für 2 Mio US-$, was ein neuer Clubrekord ist, übernommen.
Der aktuelle / neue Kader
Die Frage, die sich natürlich zuerst stellt, ist, ob der Kader nun gegenüber der Vorsaison stärker oder schwächer geworden ist. Schauen wir einmal, wie es auf den einzelnen Positionen aussieht:
Im Tor Oleksij Shevchenko war in der letzten Saison eine Bank im Tor, weshalb ja auch Shakthar ihn verpflichten wollte. Ihn adäquat zu ersetzen, konnte somit in keinem Fall leicht sein. Verpflichtet wurden Kuchynskyj und Penkov, ein älterer, erfahrenerer und ein jüngerer, als talentiert geltender Mann. In den bisherigen Saisonspielen stand stets Kuchynskyj im Tor, und hier gab es Licht und Schatten: eine Mann-des-Tages-Vorstellung gegen Zorya, insgesamt gut auf der Linie, fußballerisch aber eher beschränkt. Von Penkov haben wir bisher noch nichts gesehen, hier ist ein Urteil noch nicht möglich. Eigengewächs Roman Pidkivka war vom letzten Trainer, Oleh Boychyshyn, angeblich wegen Probleme mit seiner Einstellung, aufs Abstellgleis gestellt worden. Mittlerweile hat er nach längerer Zeit wieder zwei Spiele in der zweiten Mannschaft gemacht und vor allem bei der 0:3 Niederlage gegen die Dynamo-Junioren eine starke Partie gezeigt. Insgesamt ist die Mannschaft auf dieser Position jedenfalls schwächer geworden. Shevchenko war ein kompletterer Torwart als Kuchynskyj, von dem in seinem Alter auch keine größere Entwicklung mehr zu erwarten ist. Penkov ist eine unbekannte Größe, und Pidkivka ist aktuell von einem Platz in der ersten Elf vorerst noch weit entfernt.
Verteidigung Die Verteidigung ist ja seit langem schon das Problemkind der Mannschaft, was aber auch ein wenig dem offensiven Stil geschuldet ist. Ein Problem war hier aber auch immer die mangelnde Tiefe der Mannschaft – wenn eine Stammkraft ausfiel, fehlte sofort Qualität. Schlimmer wurde es außerdem noch dadurch, dass Innenverteidiger Andriy Nesterov mit einer schweren Verletzung lange ausfallen wird. Entsprechend wurde hier aufgestockt. Die beiden neuen Innenverteidiger haben inzwischen schon Einsatzzeiten gehabt, und beide haben bislang im besseren Sinne unauffällig gespielt. Viel kann man hier natürlich noch nicht sagen. Auf der linken Seite wurde das Experiment mit Oleksiy Hutsulyak als Verteidiger beendet, stattdessen kam Lebedenko in die Mannschaft, der seine Sache sehr gut machte. Außerdem wurde mit Mehremic ein erfahrener Mann verpflichtet, der in den letzten Spielen ausgesprochen stark war. Rechts hat Denys Miroshnichenko als Pendant (auch in der offensiven Spielweise) seinen Platz, und Kapitän Artem Fedetsky wurde kurzerhand zum Innenverteidiger umfunktioniert. Etwas unklar ist, ob die Ausleihe von Sandokhadze eine Trennung auf Raten oder eine Pause, um Spielzeit zu sammeln sein soll. Ob die Personaldecke nun dick genug, hängt nun vor allem vom Spielsystem ab. Unter Boychyshyn wurde ja mit einer Dreierkette gespielt, für die jetzt sicher genug Qualität und Tiefe zur Verfügung steht, nur scheint der neue Trainer José Morais eine Viererkette zu bevorzugen – hierfür fehlt nun wieder ein Innenverteidiger als Backup, und es könnte wieder eng werden.
Mittelfeld Im Mittelfeld ist die Spielstärke durch den Zugang von Méndez, der einige sehr vielversprechende Auftritte gezeigt hat, eher noch gestiegen. Auf der Sechserposition stehen mit Cristian Erbes, Oleh Holodyuk und den kürzlich aus der zweiten Mannschaft beförderten Nazar Verbny und Dmytro Klyots vier gute Spieler bereit, auch die Mischung aus Jugend und Erfahrung stimmt hier. Weiter vorn ist die Qualität sogar noch höher: Hutsulyak, Myakushko, Di Franco und schließlich Carrsacal, den der neue Trainer eher im Mittelfeld als in der Sturmspitze sieht. Entsprechend kann man sagen, dass das Mittelfeld Qualität gewonnen hat.
SturmAuch der Sturm war bisher oft ein Problemkind – spielstark, aber oft wenig effizient. Entsprechend hatte in der letzten Saison Carrascal vorn “ausgeholfen” und zusammen mit Maryan Shved eine Doppelspitze gebildet. Das hatte man besser, mal schlechter geklappt. Hinzugekommen ist nun De Carmargo, von dem wir noch nichts gesehen haben, weiter stehen der derzeit verletzte Catriel Sánchez, der bereits einige starke Auftritte hatte, und Rodrigo Vargas, der sich bisher zwar fleißig, aber abschlussschwach gezeigt hatte, im Kader. Die drei letztgenannten sind alle eher kleinwüchsig und keine “Stoßstürmer”. Das mag beim Spielstil “Los Karpatos” passen, hat aber gegen Mannschaften, die sich hinten hineinstellen (wie gerade erst am letzten Wochenende Arsenal) den Nachteil, dass man die gute alte Brechstange mit Flanken auf kopfballstarke Mittelstürmer nicht zur Verfügung hat. Man hätte problemlos den aktuell vereinslosen Serhij Petrov, einen Zweimetermann, der deutlich spielstärker ist als der abgegebene Akulinin, verpflichten können, hat das aber nicht getan. Hier bleibt, wie auch schon in der letzten Saison ein Fragezeichen, zumal die Qualität des neuen Brasilianers aktuell völlig unbekannt ist.
Ausblick
Interessant wird hier vor allem, welche Art Fußball unter dem neuen Trainer, wenn er erst einmal richtig Fuß gefasst hat, gespielt werden soll. Unter Boychyshyn war ja meist eine Art 3:5:2 bevorzugt worden, bei dem die Außenspieler im Mittelfeld die Außenpositionen hinten mit abdecken (was bei Kontern des Gegners oft nicht gut funktionierte) und die Doppelsechs vor der Dreierkette abräumen sollte.
Der neue Trainer scheint eine Viererkette hinten zu bevorzugen. Da hat er auf der linken Position ein Luxusproblem, da sowohl Mehremic als auch Lebedenko aktuell sehr stark sind, in der Mitte ist es eher eng, da Nesterov verletzt ist und man bei den beiden neuen erst noch sehen muss, was die wirklich können.
Das 4:3:3 in der letzten Woche wirkte nicht überzeugend, da Erbes und Holodyuk auf den Außenpositionen zu wenig Tempo haben und das Aufbauspiel dadurch oft etwas zäh wirkte. Außerdem verfügt die Mannschaft über keinen echten Neuner – Carrascal wäre da vorn eine Verschwendung, und Shved kommt eher über die Außenpositionen.
Es wird also interessant sein zu sehen, welche Formation sich mit dem vorhandenen Kader verwirklichen lässt: Ein 4:2:3:1 würde mehr Druck und Tempo im Mittelfeld erlauben, brächte aber das selbe Problem auf der Mittelstürmerposition mit. Ein 4:4:2 wäre aufgrund der Doppelspitze wohl die logischere Formation, nur stünde man dann vor sehr unangenehmen Entscheidungen: Di Franco oder Carrascal? Erbes, Holodyuk, Verbnyj oder Klyots? Nur auf den Außenpositionen wäre die Sache hier noch einigermaßen klar mit Hutsulyak und Myakushko.
Heute liegt ja eines der zwei schwersten Auswärtsspiele der Saison an, wenn es am Abend in Kyiv gegen Dynamo geht. Wir dürfen gespannt sein, ob und welche der o.g. Überlegungen der Trainer dann wohl angestellt hat. Den Kader kann er jetzt ja kaum noch groß ändern, er wird also ein System finden müssen, das die vorhandenen Spieler optimal einsetzt – eine anspruchsvolle Aufgabe.
Der junge Innenverteidiger Ivan Lobaj wechselt zu Rukh Vynnyky. Bei Ruhk stehen ja derzeit eine ganze Reihe von Karpaty-Spieler auf Leihbasis unter Vertrag, der Wechsel von Lobaj hingegen ist permanent.
Lobaj ist ein Eigengewächs des Clubs und war seit 2016 Spieler in der ersten Mannschaft, wo er in der vorletzten Saison einen Stammplatz hatte und in der letzten Saison immerhin noch auf 29 Einsätze in der Liga kam. In der aktuellen Saison stand er erst einmal auf dem Platz und war inzwischen in die zweite Mannschaft versetzt worden.
Neben Lobaj wechselt zusätzlich noch Jungnationalspieler Andrij Remeniuk (offensives Mittelfeld, rechter Flügel) zu Rukh, allerdings nur auf Leihbasis bis zum Jahresende und mit Option einer vorzeitigen Kündigung des Leihvertrages zur Winterpause. Auf seiner rechten Seite kommt er zur Zeit nicht an Serhij Myakushko vorbei, und nach dem Kauf von Kevin Méndez als Backup hätte er nicht mit vielen Einsatzzeiten in der ersten Mannschaft rechnen können. Remenyuk gilt aber als großes Talent, und der Verein will daher natürlich dafür sorgen, dass er sich mit möglichst viel Einsatzzeit weiter entwickelt.
Der junge kolumbianische Angreifer war letzte Saison verpflichtet worden, bisher aber nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz gekommen. Es wird berichtet, er sei verspätet aus dem Urlaub heimgekehrt, woraufhin sich Verein und Spieler auf eine Vertragsauflösung geeinigt hätten.