Veres – Karpaty: 2:2

Heute spielten Karpaty auswärts in der “Arena Lwiw” gegen Veres Rivne ihr letztes Spiel vor der Winterpause (die Fortsetzung des Heimspiels gegen Olimpik wird erst im nächsten Jahr stattfinden). Das Hinspiel war 1:6 verloren gegangen und hatte faktisch das Ende der Tätigkeit von Trainer Navarro eingeleitet. Karpaty sind in der Zwischenzeit mit nur drei Punkten Vorsprung auf den vorletzten Platz abgerutscht und haben in 17 Spielen überhaupt erst zweimal gewonnen und dabei nicht mehr als 9 Treffer erzielt. Die Situation kann man nur als kritisch bezeichnen.

Karpaty liefen mit einer Dreierkette hinten auf. Das ist seit dem Trainerwechsel eher ein 3:4:3 als noch unter Dolub und Sajzew so eine Art 3:2:2:2:1, wo die Mittelfeldspieler auf dem Flügel die Verteidigung unterstützten und im Grunde wie vorgezogene Außenverteidiger spielten.

Im Tor stand wieder Pidkiwka. Die Dreierkette hinten bildeten Miroshnichenko, Lobaj und Fedetsky. Nesterow scheint aktuell nur zweite Wahl zu sein und saß auf der Bank, Senytsya war nach seinen Fehlern in der Niederlage gegen Oleksandriya nicht mehr im Kader, und Pereira war verletzt, so stand also Miroshnichenko hinten in der Dreierkette, der sich gegen Oleksandriya nach der Auswechslung von Pereira da hinten auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte. Im Mittelfeld standen außen Di Franco und Hutsulyak, zentral Tissone und Holodyuk, vorn auf den Flügeln Carrascal und Myakushko, im Sturmzentrum Akulinin, der gegenüber dem aktuell sehr formschwachen Hladky den Vorzug erhalten hatte.

Veres ist zwar Aufsteiger, hat aber eine ganze Reihe erfahrener und qualitativ ordentlicher UPL-Spieler in seinen Reihen und steht verdient in der oberen Tabellenhälfte. Das Spiel war entsprechend von Anfang an intensiv und 09.12.2017 – umkämpft. Veres war die bessere Mannschaft und hatte die besseren Chancen, vor allem ein Konter mit Ex-Karpate Serhijchuk allein auf de Weg zum Tor, der gerade noch in letzer Sekunde von einem sauberen Slidingtackle von Lobaj gestoppt werden konnte. Nach 13 Minuten klingelte es dann. Fedetsky, der sich kurz vorher verletzt hatte, konnte seinem Gegenspieler nicht folgen, der an der rechten Strafraumgrenze rechts an ihm vorbei ging und den Ball sauber flach neben dem (von ihm gesehen) rechten Pfosten ins Tor setzte – ein vollkommen unhaltbarer Ball. Karpaty reagierten mit Kampf und hatten prompt etwas mehr vom Spiel, während Veres versuchte, mit der Führung im Rücken zu kontrollieren.

Nach 27 Minuten stand es 2:0, Serhijchuk kam vor dem Fünfmeterraum mit 4 Karpaty-Spielern im Strafraum und Miroshnichenko direkt neben sich in aller Ruhe zum Kopfball. Miroshnichenko ist ein schneller und spielstarker Außenverteidiger, aber kein Kopfballungeheuer und Abräumer. Man muss hier schon die Entscheidung des Trainers hinterfragen, wie sinnvoll es ist, 3:4:3 zu spielen, wenn nur zwei gelernte Innenverteidiger auf dem Platz stehen, und die Dreierkette nicht noch einmal einigermaßen eingespielt ist. Ich habe keine Hinweise dafür gefunden, dass Nesterow verletzt ist, aber das Trio aus Fedetsky rechts, Nesterow in der Mitte und Lobaj links hat unter Sajtsew sehr viel sicherer gestanden und einige Spiele “zu Null” abgeliefert. Ich wage zu behaupten, dass ein gelernter und erfahrener Innenverteidiger wie Nesterow seinen Gegenspieler in der Situation nicht zum Kopfball hätte kommen lassen. Da bleibt irgendwie nur Kopfschütteln.

Nach dem 2:0 hatten Karpaty noch etwas mehr Spielanteile. Das sah vorn auch alles ganz gefällig aus, Myakushko und Carrascal wirbelten da schön herum, aber richtig Torgefahr entstand trotzdem nicht – “Hightower” Akulinin ist weder der schnellste auf den Beinen noch besonders beweglich und kein Ersatz für einen Hladky in Normalform, aber den gibt es ja zur Zeit leider auch nicht. Und so einen muss man halt auf Englisch hoch anspielen und nicht wie auf Spanisch (bzw. Kolumbianisch) immer wieder flach. So ging es mit 2:0 in die Pause.

Karpaty kamen mit Chachua für Di Franco aus der Pause. Nach 62 Minuten kam dann Shved für den angeschlagen wirkenden Fedetsky. Hutsulyak (der so ziemlich auf allen Positionen außer im Tor einsetzbar zu sein scheint) spielte nun in der Verteidigung, Chachua im linken Mittelfeld und Shved Linksaußen. Karpaty erspielten sich mit viel Kampf eine deutliche Feldüberlegenheit, wobei das letztlich immer noch war wie in der ersten Halbzeit: nett anzusehen, aber es fehlte immer die Präzision beim letzten Pass. Wenn Veres nach vorn kam, was das immer brandgefährlich, und Pidkiwka war einige Male gefordert. In der 66. Minute wäre er aber geschlagen gewesen, als Serhijchuk in aller Ruhe ungefähr vom Elfmeterpunkt abzog, der Ball aber das Dreieck traf. So lief das irgendwie die ganze Zeit: Karpaty produzierten hübsche, aber brotlose Kunst, Veres kam mal eben vors Tor, und sofort brannte es lichterloh.

Nach 71 Minuten fiel dann aber doch der Anschlusstreffer. Shved wurde links geschickt, war zu schnell für seine Gegenspieler, zog in den Strafraum hinein und tunnelte aus ungefähr 7 Metern mit einem diagonalen Flachschuss den Torwart. Das war sehenswert und gleich das zweite Feldtor innerhalb von 7 Tagen (letzte Woche hatte ja im später abgebrochenen Spiel Myakushko das 1:0 erzielt). Außerdem war es schon fast logisch, dass der Treffer durch eine Individualaktion und nicht einen Spielzug zustande kam. Nun waren noch rund 15 Minuten Zeit, um den Ausgleich zu erzielen oder noch ein paar Treffer in Kontern zu fangen. Es sah allerdings deutlich mehr nach einem Ausgleich aus. Karpaty spielten selbstbewusst mit Schwung nach vorn, und die Fans machten ordentlich Stimmung. Nach 75 Minuten ging Holodyuk vom Platz, für ihn kam Klyots.

Und kaum zu glauben, der Ausgleich fiel tatsächlich. Myakushko lief in der 84. Minute rechts den Verteidigern weg und spielte – endlich einmal! – eine echte Flanke in den Strafraum, die Akulinin mit einem gehechteten Kopfball verwandelte. So kann das funktionieren, aber warum erst jetzt? Karpaty wollten jetzt mehr. Ein Unentschieden war eigentlich auch zu wenig, wenn man die Tabelle betrachtet. Es blieb am Ende aber beim Unentschieden, das, wenn man beide Halbzeiten betrachtet, wohl auch so in Ordnung ging. Ich hätte mir die Leidenschaft und den Offensivdruck der letzten 20 Minuten schon ein wenig früher gewünscht.

Fazit: Karpaty haben den bodenlosen Absturz vorerst abgewendet. Der Abstand nach oben wie nach unten hat sich nicht geändert, da die gesamte Konkurrenz (Chornomorets, Stal’ und Zirka) ebenso unentschieden gespielt haben. Die Mannschaft hat eine eindrucksvolle Aufholjagd hingelegt und damit sicher auch den Respekt der Fans ein Stück weit zurückgewonnen. In diesem Kontext ist auch wichtig zu erwähnen, dass die oft kritisierten Legionäre Carrascal, Di Franco und Tissone rannten, kämpften und grätschten, wie man es von einem Karpaty-Spieler erwartet.

Spieler des Tages war für mich heute Mariyan Shved, der ja bisher kaum überhaupt Spielzeit gehabt hatte, aber heute nicht nur durch seinen Treffer die Wende einleitete, sondern auch auf seiner linken Seite schnell und dribbelstark war und die etwas behäbigen Verteidiger bei Veres einige Male alt aussehen ließ.

Ansonsten stark waren Myakushko (wie immer), dann der gelernte Mittelstürmer Hutsulyak, der sowohl im linken Mittelfeld wie auch der linken Innenverteidigung eine souveräne, fehlerfreie Leistung zeigte und schließlich Pidkiwka, der bei den zwei Gegentreffern absolut machtlos war, aber seine Mannschaft das eine wie andere Mal im Spiel hielt.

Es bleibt zu hoffen, dass es nach der Winterpause gelingt, wieder eine stabile Dreierkette da hinten zusammenzubekommen, so viel Glück wie heute wird man nicht immer haben.

Oleksandriya – Karpaty: 3:0

Heute spielten Karpaty zum ersten Mal unter neuem Trainer Trainer, es war das Auswärtsspiel bei Oleksandriya. Nach der Niederlage am letzten Wochenende standen Karpaty vor diesem Spiel auf dem vorletzten Platz, also zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder auf einem Abstiegsplatz.

Die Aufstellung war gegenüber dem letzten Wochenende ein wenig verändert: Im Tor weiterhin Pidkiwka, davor eine Dreierreihe aus Fedetskyj, Senytsya (der am letzten Wochenende einen guten Eindruck hinterlassen hatte) und Pereira (was mir einen Schrecken einjagte), davor auf den Außenpositionen Miroshnichenko und Hutsulyak, im zentralen Mittelfeld Tissone und Khudob’yak (der Holodyuk ersetzte), davor Myakushko, Hladky und Carrascal. Auf der Ersatzbank war weder Lobaj noch Nesterov zu sehen, es scheint, als wären beide derzeit verletzt.

Die erste Halbzeit verlief ausgeglichen mit leichten Vorteilen für Karpaty. Beide Mannschaften kamen von Zeit zu Zeit in die Hälfte des Gegners, aber so ganz große Chancen kamen auch auf beiden Seiten nicht zustande. Bei Karpaty fiel auf der rechten Offensivposition Myakushko auf, der sich in den letzten Wochen in eine immer bessere Form gespielt hat. So ging es mit 0:0 in die Pause.

Nach der Pause ging es für Karpaty ohne Wechsel weiter. Das Spiel verlief zunächst wie in der ersten Halbzeit. Nach 57 Minuten musste Pereira (ohne Schaden verursacht zu haben) verletzt vom Platz. Für ihn kam – wohl nicht zuletzt aufgrund der Personalnot in der Verteidigung – Marian Shved, der ins Mittelfeld ging, wofür Miroshnichenko in die Verteidigung zurückfiel. Kurz danach fiel der Führungstreffer für Oleksandria: durch ein schönes Solo wurde die Verteidigung in der linken Strafraumhälfte ausgespielt, der Schuss konnte von Pidkiwka zunächst abgewehrt werden, der Nachschuss saß dann. Senytsya sah bei der Aktion nicht besonders gut aus. Das 2:0 fogte in der 66. Minute, Miroshnichenko und Senitsya kamen sich bei einem steil in den Strafraum gespielten Ball gegenseitig in den Weg und überließen dann den Ball ganz einfach dem gegnerischen Angreifer. So wenig ich von Pereira halte, muss ich doch sagen, dass nach seiner Verletzung die Verteidigung bei Karpaty einfach auseinanderfiel.

Das Spiel war jetzt im Grunde entschieden, und wir konnten alle nach hause gehen. Aber die Bestrafung war noch nicht zuende. Nach 77 Minuten stand es 3:0. Senytsya spielte von der Mittellinie einen Rückpass auf Pidkiwka so schwach, dass ein gegnerischer Stürmer ihn problemlos erlaufen konnte und ins Netz brachte.

Die Niederlage ist – wenn man die erste Halbzeit betrachtet – ziemlich überraschend. Aber wenn in einer Dreierkette hinten zwei Stammkräfte und dann selbst der Ersatz ausfallen, dann ist halt alles verloren. Miroshnichenko ist ein offensiver Außenverteidiger, der da hinten in der Dreierkette nichts verloren hat. Senytsya hat heute einige böse Fehler gemacht, der wird noch etwas lernen müssen, bis er gut genug für die erste Mannschaft ist. Auf der Bank saß noch Lebedenko, der wie Miroshnichenko ein offensiver Außenverteidiger ist. Schöner Mist. Ich hoffe, dass nächste Woche Nesterov und Lobaj wieder verfügbar sind, sonst gibt es dann wieder kräftig Haue.

Wenn Stal’ heute gegen Dynamo Kyiv gewinnen sollte, wären Karpaty letze. Herzlichen Glückwunsch, so macht es richtig Spaß. Ich bin bedient und geh mich besaufen.

Karpaty – Mariupol: 0:1

Heute spielten Karpaty zu hause in leerem Stadion (Sanktion wegen der Ausschreitungen in Ivano-Frankiwsk beim Pokalspiel vor einigen Wochen) gegen Mariupol.

Karpaty spielten in der selben Formation wie in den letzten Wochen, ich nenne sie mal 3:4:2:1 – mit Pidkivka im Tor, einer Dreierkette hinten mit Fedetskyj, Debütant Senytsya (Kapitän der U21) und Lobaj, davor ein Mittelfeld mit Myakushko und Hutsulyak auf den zurückgezogenen Außenpositionen, der Doppel-6 mit Holodyuk und Tissone, im offensiven Mittelfeld Di Franco und Carrascal sowie Hladky im Sturm. Interessant war auch die Reservebank, wo mit Lebedenko, Shved und Stasyshin gleich drei weitere Spieler aus der U21 saßen. In der U21 kommen neben den Jungspielern auch häufiger Spieler aus der ersten Mannschaft zum Einsatz. Der Kader ist ja ziemlich groß, und es scheint, als würde die U21 hier bewust genutzt, um eine Konkurrenzsituation zu schaffen.

Das Spiel begann mit dominanten Hausherren, die das flüssige Angriffsspiel zeigten, was sie an besseren Tagen auszeichnet. Neu-Nationalspieler Myakushko zeigte deutlich Selbstvertrauen und fiel durch einige schöne Tempodribblings auf. Die Führung erzielten aber die Gäste nach 19 Minuten durch eine schöne Einzelaktion abgeschlossen von der Strafraumgrenze. Das war überraschend, zeigte aber auch wieder, wie effizient Mariupol spielt (was ja gerade Karpaty nun gar nicht hinbekommen). Das war ein sichtbarer Schock, auch wenn Karpaty weiter mehr Spielanteile hatten. Sie erspielten sich auch einige schöne Chancen, aber deren Verwertung war und ist ein großes Problem der Mannschaft. Nach 39 Minuten hätte es Elfmeter für Karpaty geben müssen, als Carrascal im Strafraum umgerempelt wurde, stattdessen gab es Gelb für Schwalbe und Fassungslosigkeit bei den Karpaty-Spielern und mir.

Nach der Halbzeit ging es ohne Änderungen weiter. Nach 48 Minuten hatte Hladky allein vor dem Tor den Ausgleich auf dem Fuß, ließ sich aber noch von der Seite abdrängen. Das zeigt doch wieder ein wenig, wie schwach das Selbstvertrauen der Spieler vor dem Tor ist, das Ding hätte Hladky in Normalform locker verwandelt. Nach 57 Minuten kam Debütant Stasyshin für Di Franco. Mariupol begann, sich größere Spielanteile zu erarbeiten und nicht mehr allein zu kontern. Zählbares gab es aber auf beiden Seiten nichts. Nach 77 Minuten ging Myakushko nach starkem Spiel (er war der einzige mit Durchsetzungsvermögen da vorn, aber offenbar erschöpft) vom Platz, für ihn kam Oldie Khudob’yak. Später kam noch Akulinin, aber es nützte nichts mehr, es blieb bei der 0:1 Heimniederlage.

Eigentlich war das kein schlechtes Spiel, aber eben nur eigentlich. Der Gegentreffer war absolut unnötig und hätte nicht passieren dürfen. Und da zur Zeit das beste, was die Mannschaft herausholen kann, ein 0:0 oder ein 1:1 mit einem Freistoßtor von Myakushko ist, war dann nicht mehr drin. Di Franco und Carrascal haben da vorn schön gewirbelt, aber Hladky hat Ladehemmung und krieg die einfachsten Dinger nicht rein. Mariupol hat in der ersten Halbzeit aus eineinhalb Chancen ein Tor gemacht. Welch ein Unterschied.

Prykarpattya – Karpaty: 1:0 (Pokal)

Heute spielten Karpaty in einem Pokalspiel auswärts bei Prykarpattya Ivano-Frankivsk. Trotz der zwei Klassen Unterschied war das ein richtiges galizisches Derby mit massig Emotionen sowohl auf dem Platz als auch auf den Tribünen.

Karpaty spielten im üblichen 4:2:3:1-System, wobei auf einigen Positionen Spieler, die am Wochenende nicht im Kader gestanden hatten, in die Startformation rückten. Im Tor stand wieder Mysak, davor spielten Myroshnichenko, Lobaj, Nesterov und Lebedenko, auf der Doppel-6 Tissone und Klyots, davor Ksyonz, Khudob’yak und Myakushko, vorn Hladkyj.

Das Spiel fand bei Regen statt, und der Platz war in schrecklichem Zustand. Dafür war das Stadion so voll, wie es bei Ligaspielen schon seit Monaten nicht gewesen war. Die erste Halbzeit hatte ein einigermaßen grausiges Nivau. Der schlechte Platz verhinderte sicher ein Stück weit, dass Karpaty ihre größere KLasse hätten ausspielen können, aber dass die Mannschaft zur Zeit nicht gerade überragenden Fußball spielt, kam sicher auch dazu. Die Platzherren hielten gut dagegen, z.T. mit hartem körperlichen Einsatz, was der Sache eine starke emotionale Komponente gab. Kurz vor der Pause fiel das irreguläre 1:0 für die Hausherren nach einem klaren Foul an Tissone, welches aber vom Schiedsrichter nicht geahndet wurde. Anschließend kam es zu einer ziemlichen Vernebelung des Spielfelds durch Feuerwerkskörper.

Nach der Halbzeitpause wurde das Spiel etwas besser. Hutsulyak kam für Myakushko und Memeshev für Tissone. Karpaty hatten mehr Spielanteile und einige gute Chancen. Dennoch fiel in der 65. Minute das nächste Tor wieder für die Hausherren – ein schöner Distanzschuss von der rechten Strafraumecke, der sauber ins linke Dreieck einschlug, keine Chance für Mysak. Es folgten Hanba-Hanba-Rufe von der Tribüne (vermutlich von Karpaty-Fans), immer mehr Explosionen von Feuerwerkskörpern, und das Spiel wurde rund 30 Minuten unterbrochen. Bei Wiederanpfiff wechselten Karpaty erneut, der neu verpflichtete Stürmer Akulinin kam für Lebedenko. Kszonz fiel etwas zurück, und es wurde faktisch mit 4:4:2 weitergespielt.

Das Spiel wurde jetzt zwar nicht besser, aber wenigstens spannender. Karpaty stellten auf lange Bälle um, was angesichts der Bodenverhältnisse keine schlechte Idee war, und drängten auf das Anschlusstor. Dabei machten sie natürlich hinten auf und wurden anfällig für Konter. Das lief eine ganze Weile so, und in der 126. Minute, direkt vor dem Abpfiff, erzielte Memeshev den Anschlusstreffer nach einem Freistoß.

Nun sind Karpaty also auch noch gegen einen unterklassigen Gegner aus dem Pokal geflogen. Natürlich war dies ein extrem emotionales Spiel, was ein Stück weit die üblichen Machtverhältnisse außer Kraft setzt, und das 1:0 war klar irregulär. Aber die Leistung von Karpaty war wieder nicht gerade beeindruckend. Ich kann nicht erkennen, dass sich nach der Entlassung von Trainer Navarro etwas verbessert hätte. Unter jenem hatten sie immerhin noch besser den Ball laufen lassen. Im Moment ist das einfach nur alles sehr schwach.

Zorya – Karpaty: 0:0

Heute spielten Karpaty auswärts gegen Zoriya Luhansk. Dies war das erste Spiel seit dem desaströsen 1:6 zu hause gegen Veres Rivne und der darauf folgenden Entlassung von Trainer Navarro.

Das Spielsystem bei Karpaty war das von den letzten Wochen gewohnte: 4:2:3:1, wobei es auf einigen Positionen veränderte Besetzungen gab. Im Tor stand Mysak, wobei Pidkiwka, der letzte Woche 6 Stück gefangen hatte, nicht einmal im Kader stand, die Abwehrreihe mit Fedetskyj, Lobaj, Nesterov und Corteggiano, der aus der Innenverteidigung wieder nach außen gerückt war und Lebedenko ersetzte, der ebenfalls nicht im Kader stand. Die Doppel-6 besetzten Chachua (der in den letzten Wochen noch auf der linken Außenbahn gespielt hatte) und Holodyuk. Tissone, der in seinen ersten zwei Spielen einen sehr starken Eindruck gemacht hatte, aber letzte Woche blass geblieben war, fehlte komplett. Im offensiven Mittelfeld stand Pavlo Ksyonz, der von seiner Verletzung genesen ist, Di Franco und Neuzugang Myakushko. Als Sturmspitze spielte wie erwartet Hladkyj.

Die erste Halbzeit verlief weitgehend ereignislos. Beide Teams neutralisierten sich, beide hatten einige, wenn auch nicht riesige Chancen, und keines erzielte ein Tor. Zoriya hatte dabei aber etwas mehr vom Spiel. Immerhin, Karpaty lagen schon mal nicht zurück.

Nach der Halbzeitpause begannen Karpaty unverändert, und es ging zunächst so weiter, wie die erste Halbzeit schon verlaufen war, wobei der Druck von Zoriya sichtbar zunahm. In der 57. Minute kam Dmytro Klyots für Ambrosij Chachua und in der 73. Minute Carrascal für Ksyonz. Zu diesem Zeitpunkt war das 0:0 ziemlich schmeichelhaft für Karpaty, und Torwart Mysak wurde immer mehr zum Helden des Tages. In der 88. Minute musste Andriyewskyj für Zoriya mit einer zweiten gelben Karte vom Platz. Gleich danach ging Fedetskyj für Miroshnichenko. Karpaty hatten im Anschluss an diese Szene einige Chancen, die sie aber kläglich vergaben. So blieb es am Ende beim 0:0, das beiden Mannschaften nicht wirklich hilft.

Ein Fazit fällt mir schwer. Nach dem 1:6 letzte Woche konnte es nur besser werden, aber sonst? Bester Mann auf dem Platz war Mysak, der das Glück hatte, gut eingeschossen zu werden und dann keinen Ball passieren zu lassen (das erinnert mich an das Spiel gegen Shakhtar in der letzten Saison, wo Pidkiwka ähnlich heroisch gehalten hatte, dann aber am Ende doch den Siegtreffer für Shakhtar durchlassen musste). Von Hladkyj war nicht viel zu sehen. Die Mannschaft hatte einfach zu wenig Offensivaktionen, um ihn gut in Szene zu setzen. Myakushko war schwach, eine Enttäuschung. So richtig bin ich von der Aufstellung nicht überzeugt. Sowohl Tissone als auch Khudob’yak waren nicht im Aufgebot, was schon mehr als merkwürdig ist, da die beiden in den letzten Wochen stark gespielt hatten. Ksyonz war von seiner langen Verletzung zurück, hat wie gewohnt geackert, aber blieb auch ohne große Szenen.

Der große Befreiungsschlag ist ausgeblieben. Wir werden nun sehen müssen, wie sich die Mannschaft in den nächsten Wochen präsentiert. Der Club sucht derzeit nach einem neuen Trainer, d.h., wie auch letzte Saison ist Saitsev auf dem Trainerposten nur als Übergangslösung gedacht.

Karpaty – Veres: 1:6

Heute spielten Karpaty zu hause im wieder nur mäßig gefüllten Stadion Ukrajina gegen Veres Rivne, was nun, nachdem Volyn ja letzte Saison abgestiegen waren, als “Westderby” bezeichnet wird (naja, ich hatte nicht das Gefühl, dass hier die Leidenschaft des Lokalpatriotismus überschäumte, dazu hat diese Begegnung einfach zu wenig Tradition).

Das Spielsystem bei Karpaty war wieder das gewohnte, ein 4:2:3:1 mit Pidkiwka im Tor, hinten Fedetskyj, Lobaj, Corteggiano und Lebedenko, die Doppel-6 mit Holodyuk und Tissone, das offensive Mittelfeld mit Di Franco, Khudob’yak und Chachua, und Hutsulyak als Mittelstürmer. Interessant war die Ersatzbank: Zum ersten Mal seit der zweiten Runde stand Carrascal wieder im Aufgebot, der sich offenbar mittlerweile ausreichend von seiner Verletzung erholt hat, weiterhin saßen auch die Neuzugänge der vergangenen Woche Myakushko und Akulinin auf der Bank. Memeshev und Debelko durften gestern mit der U21 ran und waren heute nicht im Kader.

Das Spiel begann eher ruhig und ohne den üblichen Sturmlauf bei Karpaty. Im Grunde spielten Karpaty wieder ohne echten Stürmer – vorn im Zentrum wechselten sich Hutsulyak, Di Franco und Chachua ab, zogen sich aber auch immer wieder ins Mittelfeld zurück. Es gab auf beiden Seiten ein paar Chancen, aber ohne dass etwas wirklich gefährliches dabei gewesen wäre und reichlich Fehlpässe auf beiden Seiten – von dem oft schön flüssigen Spiel der letzten Wochen war bei Karpaty nichts zu sehen. In der 20. Minute hatten sie eine gute Chance nach einem sehr schönen Freistoß von Khudob’yak in den Strafraum hinein, den aber Chachua nicht kontrollieren konnte.

Es sah nicht nach einem Tor für auch nur eine Seite aus, als dann Veres in der 34. Minute nach einem Eckstoß in Führung ging. Das Tor wirkte ein wenig wie ein Weckruf für beide Mannschaften, die nun deutlich aktiver wurden. Karpaty setzten sich phasenweise rund um den gegnerischen Strafraum fest und hatten einige Chancen. Aus meiner Sicht fehlte bei der Spielweise allerdings dann doch ein körperlich präsenter Mann mit Lufthoheit im Strafraum. Nach 44 Minuten gab es dann nach einem Konter von Veres Foulelfmeter, Pidkiwka hatte einen allein vorstürmenden Gegenspieler von den Beinen geholt, und es stand 0:2.

Nach der Pause kam Miroshnichenko für Fedetskyj in der rechten Außenverteidigung und Klyots für Tissone im defensiven Mittelfeld.

Es ging zerfahren weiter. VeresHeute spielten Karpaty zu hause im wieder nur mäßig gefüllten Stadion Ukrajina gegen Veres Rivne, was nun, nachdem Volyn ja letzte Saison abgestiegen waren, als “Westderby” bezeichnet wird (naja, ich hatte nicht das Gefühl, dass hier die Leidenschaft des Lokalpatriotismus überschäumte, dazu hat diese Begegnung einfach zu wenig Tradition).

Das Spielsystem bei Karpaty war wieder das gewohnte, ein 4:2:3:1 mit Pidkiwka im Tor, hinten Fedetskyj, Lobaj, Corteggiano und Lebedenko, die Doppel-6 mit Holodyuk und Tissone, das offensive Mittelfeld mit Di Franco, Khudob’yak und Chachua, und Hutsulyak als Mittelstürmer. Interessant war die Ersatzbank: Zum ersten Mal seit der zweiten Runde stand Carrascal wieder im Aufgebot, der sich offenbar mittlerweile ausreichend von seiner Verletzung erholt hat, weiterhin saßen auch die Neuzugänge der vergangenen Woche Myakushko und Akulinin auf der Bank. Memeshev und Debelko durften gestern mit der U21 ran und waren heute nicht im Kader.

Das Spiel begann eher ruhig und ohne den üblichen Sturmlauf bei Karpaty. Im Grunde spielten Karpaty wieder ohne echten Stürmer – vorn im Zentrum wechselten sich Hutsulyak, Di Franco und Chachua ab, zogen sich aber auch immer wieder ins Mittelfeld zurück. Es gab auf beiden Seiten ein paar Chancen, aber ohne dass etwas wirklich gefährliches dabei gewesen wäre und reichlich Fehlpässe auf beiden Seiten – von dem oft schön flüssigen Spiel der letzten Wochen war bei Karpaty nichts zu sehen. In der 20. Minute hatten sie eine gute Chance nach einem sehr schönen Freistoß von Khudob’yak in den Strafraum hinein, den aber Chachua nicht kontrollieren konnte.

Es sah nicht nach einem Tor für auch nur eine Seite aus, als dann Veres in der 34. Minute nach einem Eckstoß in Führung ging. Das Tor wirkte ein wenig wie ein Weckruf für beide Mannschaften, die nun deutlich aktiver wurden. Karpaty setzten sich phasenweise rund um den gegnerischen Strafraum fest und hatten einige Chancen. Aus meiner Sicht fehlte bei der Spielweise allerdings dann doch ein körperlich präsenter Mann mit Lufthoheit im Strafraum. Nach 44 Minuten gab es dann nach einem Konter von Veres Foulelfmeter, Pidkiwka hatte einen allein vorstürmenden Gegenspieler von den Beinen geholt, und es stand 0:2.

Nach der Pause kam Miroshnichenko für Fedetskyj in der rechten Außenverteidigung und Klyots für Tissone im defensiven Mittelfeld.

Es ging zerfahren weiter. Veres spielte sehr aggressiv und ließ Karpaty nicht ihr Kombinationsspiel aufziehen. Nach 52 Minuten stand es dann 0:3, ein schneller Vorstoß, Flanke vom Strafraumrand flach in die Mitte, die Innenverteidigung schlief. Geradezu ein deja vu, fürchterlich.

Fünf Minuten später kam Carrascal für Chachua. In der 72. Minute fiel das 0:4, wieder nach einem Konter. Nach Minute 74 gab es einen weiteren Elfmeter für Veres, 0:5. Und so ging das weiter. Karpaty versuchten irgendwie zu stürmen, ließen sich wie Schuljungen auskontern, 0:6 nach 82 Minuten. Nach 86 Minuten erzielte Carrascal den Ehrentreffer zum 1:6 – er bekam den Ball im Strafraum nach einem kleinen Durcheinander auf den Fuß und lochte ein, kein herausgespielter Treffer.

Das war nun wieder eine Klatsche: 1:6 zu hause gegen einen Aufsteiger. OK, bei Veres standen fast ausschließlich gestandene UPL-Spieler auf dem Platz, die sicher nicht schlechter waren als bei Karpaty. Die haben das auch sehr geschickt gemacht, mit dem aggressiven Forechecking kamen Karpaty überhaupt nicht klar. Aber die sind ja nun auch nicht Shakhtar oder Dynamo.

Das war ein ganz schwaches Spiel, auf praktisch allen Positionen, viel schwächer als das 0:5 gegen Dynamo vor ein paar Wochen. Die von mir in den letzten Wochen gelobte Defensive war kinderleicht auszuspielen, und das Problem der letzten Wochen besteht unverändert: einfach keine Torgefahr. Und warum bei 0:2 nach der Halbzeit auf zwei defensiven Positionen gewechselt wird, wenn da noch drei interessante offensive Optionen auf der Bank sitzen, will mir auch nicht in den Kopf.

Für den Trainer dürfte nun auch langsam der Hammer fallen, wobei ich mich frage, was jetzt ein Trainerwechsel bringen soll? Der Kader ist ja nun einmal der, der er ist. spielte sehr aggressiv und ließ Karpaty nicht ihr Kombinationsspiel aufziehen. Nach 52 Minuten stand es dann 0:3, ein schneller Vorstoß, Flanke vom Strafraumrand flach in die Mitte, die Innenverteidigung schlief. Geradezu ein deja vu, fürchterlich.

Fünf Minuten später kam Carrascal für Chachua. In der 72. Minute fiel das 0:4, wieder nach einem Konter. Nach Minute 74 gab es einen weiteren Elfmeter für Veres, 0:5. Und so ging das weiter. Karpaty versuchten irgendwie zu stürmen, ließen sich wie Schuljungen auskontern, 0:6 nach 82 Minuten. Nach 86 Minuten erzielte Carrascal den Ehrentreffer zum 1:6 – er bekam den Ball im Strafraum nach einem kleinen Durcheinander auf den Fuß und lochte ein, kein herausgespielter Treffer.

Das war nun wieder eine Klatsche: 1:6 zu hause gegen einen Aufsteiger. OK, bei Veres standen fast ausschließlich gestandene UPL-Spieler auf dem Platz, die sicher nicht schlechter waren als bei Karpaty. Die haben das auch sehr geschickt gemacht, mit dem aggressiven Forechecking kamen Karpaty überhaupt nicht klar. Aber die sind ja nun auch nicht Shakhtar oder Dynamo.

Das war ein ganz schwaches Spiel, auf praktisch allen Positionen, viel schwächer als das 0:5 gegen Dynamo vor ein paar Wochen. Die von mir in den letzten Wochen gelobte Defensive war kinderleicht auszuspielen, und das Problem der letzten Wochen besteht unverändert: einfach keine Torgefahr. Und warum bei 0:2 nach der Halbzeit auf zwei defensiven Positionen gewechselt wird, wenn da noch drei interessante offensive Optionen auf der Bank sitzen, will mir auch nicht in den Kopf.

Für den Trainer dürfte nun auch langsam der Hammer fallen, wobei ich mich frage, was jetzt ein Trainerwechsel bringen soll? Der Kader ist ja nun einmal der, der er ist.

Olimpik – Karpaty: 0:0

Heute spielten Karpaty auswärts im fast leeren Dynamo-Stadion in Kyiv bei Olympik Donetsk.

Nachdem Sebastian Ribas den Club heute verlassen hat und Roman Debelko letzte Woche schwach gespielt hatte, begannen Karpaty ohne einen echten Mittelstürmer. Das Spielsystem war eine Art 4:1:4:1, mit Pidkiwka im Tor, hinten Fedetskyj, Lobaj, Corteggiano und Lbedenko, davor die Tissone, davor Miroshnichenko, Di Franco, Holodyuk, Chachua und als Stürmer Khudob’yak.

Die ersten 20 Minuten gehörten den Gästen, die flüssig nach vorn spielten. Auffällig war Di Franco, der einige Male mit schöne Dribblings zeigte und dann seine Mitspieler gut ins Spiel brachte. Trotz der formalen Aufstellung mit einem Stürmer sah mir das System eigentlich eher danach aus, als würde mit 5 offensiven Mittelfeldspielern gespielt. Khudob’yak und auch Di Franco tauchten hin und wieder vor dem Tor auf, zogen sich aber immer wieder in die Mittelfeldreihe zurück. Miroshnichenko spielte heute wieder offensiv, da seine rechte Verteidigerposition jetzt von Fedetskyj besetzt ist. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, weil er durch seine Schnelligkeit und ordentliche Dribblingkünste gut Räume aufreißen kann. Allerdings sah man an einigen Szenen doch, dass er weit in der gegnerischen Hälfte oft noch nicht so ganz weiß, was er mit dem Ball machen soll.

Ab der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit wurde das Spiel etwas ausgeglichener. Olympik versuchte vor allem, durch Konter zum Abschluss zu kommen. Vor allem Moha war durch seine Dribblings gefährlich. Mehr Spielanteile hatten aber immer noch Karpaty. Es waren einige schöne Spielzüge dabei, wo oft einfach der letzte Pass nicht stimmte, aber es lag schon etwas in der Luft. Von Minute 30 an hatte dann Olympik etwas mehr Ballbesitz, und Karpaty konterten.

Die zweite Halbzeit begann ohne Wechsel und wieder mit Angriffen von Karpaty. Nach 49 Minuten musste allerdings Tissone heraus, der sich bei einem schönen Fernschuss offenbar leicht verletzt hatte. Für ihn kam Arques. Das Spielsystem blieb formal unverändert, aber Tissones Fehlen war schon merklich, da Arques nicht diese Defensivqualität hat und auch nicht so sehr das Spiel an sich reißt. Es ging also fortan noch etwas mehr hin und her, und die Chancen für Karpaty kamen eher etwas zufällig zustande. Nach 68 Minuten kam Klyots für Holodyuk, der ebenfalls ein wenig angeschlagen wirkte. Das brachte noch einmal eine Belebung im Mittelfeld. Karpaty erspielten sich wieder ein leichtes Übergewicht und hätten bis zur 80. Minute eigentlich längst führen müssen.

Für die letzten 10 Minuten kam dann noch Husulyak für Chachua herein, der ein gutes Spiel gemacht hatte. Interessanterweise besetzte er auch nicht die Mittelstürmerposition, sondern positionierte sich ebenfalls im offensiven Mittelfeld. Beide Mannschaften hatten noch Chancen auf die Führung, aber am Ende blieb es beim 0:0, das für Karpaty eher zwei verlorene als ein gewonnener Punkt waren.

Das war wieder ein ziemlich gutes Spiel von Karpaty. In der Verteidigung sind sie endlich stabil, auch nachdem Tissone raus war, sah das immer noch gut aus. Fedetskyj hat hier einen großen Anteil, aber auch Lebedenko in der linken Verteidigung war wieder gut. Im Mittelfeld läuft der Ball schön, das ist alles schön anzusehen.

Der Spieler des Tages war Di Franco. In der ersten Halbzeit war er eindeutig der beste Spieler auf dem Platz, in der zweiten Halbzeit war er nicht mehr ganz so stark, aber immer noch sehr fleißig. Tissone zeigte wieder Klasse, ich hoffe, er fällt nicht länger aus. Was bei Karpaty fehlt, habe ich ja letzte Woche schon geschrieben: das Team braucht einen Knipser, der ohne viel Zurechtlegen einfach mal auf das Tor schießt. So einen hatten sie heute nicht, jedes Mal, wenn es in den Strafraum ging, wurde noch mal der Ball auf den anderen Fuß gelegt, abgespielt, kurz: vertändelt.

Arques hat zumindest keinen Schaden angerichtet, obwohl er einmal kurz davor war. Ich beginne aber zu verstehen, warum er immer wieder spielen darf. In allen drei Reihen spielt jeweils ein “Spanier”. Denen ruft Navarro während des Spiels seine Anweisungen zu, und die müssen an die anderen weitergeben, was zu tun ist. Das ist nachvollziehbar, aber kann eigentlich kein Dauerzustand werden.

Mal sehen, ob sie nun Petrov holen, nachdem durch dem Abgang von Ribas wieder ein Platz frei geworden ist.

Karpaty – Oleksandria: 0:0

Heute spielten Karpaty zu hause gegen Oleksandria.

Bei Karpaty stand wieder eine leicht geänderte Mannschaft auf dem Platz. Die Aufstellung erinnerte an ein 4:2:3:1. Im Tor stand wieder Pidkiwka. Die Viererkette bestand von rechts nach links aus Fedetskyj, Lobaj, der den verletzten Nesterov ersetzte, Corteggiano und Lebedenko. Das Mittelfeld bestand in der Zentrale aus dem Neuen, Tissone (der seit fast einem Jahr keinen Fußball in einem Top-Wettbewerb gespielt hatte) und Holodyuk, davor auf den Flügeln Khudob’yak rechts, Chachua links und Di Franco zentral. Im Sturm stand Debelko.

Dieses Spiel konnte wieder einmal als “Schicksalsspiel” durchgehen, da es das sechste war, nach dem der Vorstand die Leistung des Trainers bewerten wollte, und auch, weil die heimischen Ultras bereits sehr deutlich gemacht hatten, dass sie mit der Leistung der Mannschaft unzufrieden seien, vor allem, weil dort viele Ausländer die Eigengewächse verdrängt hatten.

Karpaty begannen etwas kontrollierter und weniger stürmisch als in den letzten Partien. Tissone spielte sehr defensiv, so dass das System beinahe wie eines mit 5 Verteidigern wirkte. Offenbar war seine Aufgabe, mit seiner Erfahrung den Spielaufbau aus der eigenen Hälfte heraus zu konsolidieren. Nach 5 Minuten stand es 1:1 nach guten Chancen. Karpaty hatten bereits früher schon eine gute Möglichkeit gehabt, dann holte Pidkiwka sehr sehenswert einen Flachschuss aus der unteren linken Ecke beim ersten richtigen Angriff von Oleskandria. Fortan hatte Oleksandria die besseren Chancen, während bei Karpaty selbst Khudob’yak in der Verteidigung aushalf und Pidkiwka noch ein paar mal zeigen konnte, dass er seinen Platz in der Startformation verdient hatte.

Zur Mitte der ersten Halbzeit hin wurde das Spiel ausgeglichener und unterhaltsam. Beide Seiten hatten ihre Chancen. Es gab eine ganze Reihe gelber Karten gegen Karpaty-Spieler, was z.T. etwas kleinlich wirkte. Auffällig war, dass viele Angriffe bei Karpaty von Tissone ausgingen, der eine Art Doppelrolle spielte: Hinten Staubsauger und nach vorn Spieleröffner. Dabei wurde in der Verteidigung auf Schönspielerei verzichtet und auch gern mal ein längerer Pass ins offensive Mittelfeld gespielt. In der gegnerischen Hälfte ähnelte das Spiel dann aber wieder eher dem der letzten Wochen – also durchaus Kurzpässe und direktes Spiel.

Die zweite Halbzeit begann mit stärkerem Regen und ohne Auswechselungen. Karpaty war zunächst die aktivere Mannschaft und kam gleich zu drei guten Chancen innerhalb der ersten 5 Minuten, wobei jedes Mal Khudob’yak schön angespielt wurde undauf seiner rechten Seite schön die Abseitsfalle aushebelte. Nach 60 Minuten kam bei Karpaty Neuling Memeshev für Debelko, der heute keinen guten Tag hatte. Für ihn rückte Chachua in die Mittelstürmerposition. Memeshev hatte gleich ein paar gute Momente – starke physische Präsenz und guten Offensivaktionen.

Um die 70. Minute herum kam dann Miroshnichenko für Fedetskyj, etwas später Hutsulyak für Chachua, so dass nun wieder ein gelernter Mittelstürmer vorn im Sturmzentrum stand. Hutsulyak hätte sich gleich danach unsterblich machen können, als er auf der rechten Seite schön steil geschickt wurde und dann nach ein wenig Warten auf nachrückende Mitspieler den Ball einfach dem gegnerischen Torwart zuspielte, der ihn dankbar aufnahm. Kurz darauf hätte er selber treffen können, als er den Ball schön von Di Franco zugespielt bekam, aber der Torwart gut reagierte und abwehren konnte. In den letzten 20 Minuten gehörten eindeutig Karpaty, die aber nichts Zählbares daraus machen konnten.

Als Fazit fallen mir einige Aspekte ein. Zum Einen – das ist neu – stand die Null. Das war ein Riesenfortschritt, nachdem die Abwehr in allen vorherigen Spielen dieser Saison löcherig war. Die Spielweise, wie sie heute gezeigt wurde, war ein Fortschritt. Der Versuch, in der eigenen Hälfte direktes Kurzpassspiel zu zeigen, war u.a. ja verantwortlich gewesen für die vielen Gegentore. Die Viererreihe hinten mit einem defensiven Tissone davor funktionierte. Die Spielweise in der gegnerischen Hälfte war dann wieder etwas “spanischer”, was aber auch gut funktionierte, und wenn dann dabei Ballverluste auftraten, tat das nicht so weh wie in der eigenen Hälfte. Generell sehe ich, obwohl es nur für einen statt drei Punkte gereicht hat, eine gute Leistung. So kann es gehen.

Spieler des Tages war der neue “alte Spanier” – Tissone, der meine Skepsis Lügen gestraft hat. Man merkte deutlich, dass er schon auf europäischem Niveau gespielt hatte. Der Auftritt war fehlerfrei, er stabilisierte die Abwehr und leitete jede Menge Angriffe durch kluge Pässe ein. Der Einkauf war Stand heute ein richtig guter. Dicht darauf folgte wie so oft Ihor Khudob’yak, der mich immer wieder ins Staunen versetzt: er rennt, kämpft, ist überall auf dem Feld und spielt dann das eine oder andere Mal richtig gefährliche Pässe ins Sturmzentrum.

Die Legionäre sind ja aktuell ein großer Streitpunkt im Umfeld des Vereins. Heute standen ja vergleichsweise wenige auf dem Platz. Über Tissone habe ich ja schon geschrieben. Corteggiano spielte eine solide Partie, der ging für mich in Ordnung. Di Franco hat mir auch gefallen, technisch stark und schnell, war an einigen gefährlichen Aktionen beteiligt.

Das große Problem der Mannschaft ist für mich aber nach wie vor, dass sie keinen Knipser hat. Debelko hat heute einige gute Chancen ziemlich kläglich vergeben. Ribas hat mir in seinen bisherigen Spielen auch nicht besonders gefallen. Hutsulyak fand ich letzte Saison im offensiven Mittelfeld besser aufgehoben. Hier muss m.E. noch dringend eine Verstärkung her. Hladky hat sich ja leider erledigt. Letzte Saison fand ich Serhij Petrov, der gerade mit Lutsk abgestiegen ist, sehr vielversprechend, vor allem ist er physisch präsent und kopfballstark. Das wäre doch mal was?

Mariupol – Karpaty: 3:0

Heute spielten Karpaty in Mariupol. Das Spiel hatte im Vorfeld für einige Kontroversen gesorgt, da Karpaty einer der Clubs waren, die nicht in der Kriegsregion spielen wollten, sich aber damit nicht hatten durchsetzen können. Vor dem Spiel war zu sehen, dass für ukrainische Verhältnisse ziemlich strikte Sicherheitskontrollen stattfanden inklusive Durchleuchten wie am Flughafen.

Karpaty spielten mit dem selben System wie beim Sieg gegen Stal’ letzte Woche: 4:2:3:1. Hierbei gab es wieder einige kleine Änderungen in der Aufstellung: Im Tor stand wie letzte Woche Pidkivka. In der linken Verteidigung bekam wieder Lebedenko das Vertrauen, der genesene Corteggiano ersetzte Lobaj in der Innenverteidigung, daneben Nesterov und rechts Miroshnichenko, für den Fedetskij auf die Doppelsechs zusammen mit Klyots gesetzt wurde. Im offensiven Mittelfeld stand links Chachua, zentral Di Franko und rechts Kudob’yak, und vorn wieder Debelko. Auf der Bank saß zum ersten mal seit längerem wieder Linksaußen Hrysio, ansonsten die üblichen Verdächtigen Pereira, Ribas, Blasko sowie Lobaj und Tkachuk. Holodyuk war nach seiner gelbroten Karte aus der letzten Woche gesperrt.

Trainer Navarro hat mit Fedetskyj und Miroshnichenk etwas Gedränge in der rechten Verteidigung , seine Lösung war durchaus kreativ. Außerdem tauschten Di Franco und Khudob’yak die Position, d.h., Di Franco auf der 10 und Khudob’yak als Rechtsaußen. Ich fand auch gut, dass, obwohl Corteggiano wieder zur Verfügung stand, dennoch Lebedenko wieder spielte, der war nach seinem schlechten Einstand gegen Yarmolenko beim 0:5 in Kyiv immer besser ins Spiel gekommen.

Das Spiel begann – wie fast schon jede Woche – mit Angriffen von Karpaty. Dieses Mal dauerte es immerhin 10 Minuten, bis Karpaty zurücklagen – ein schöner und platzierter Kopfballtreffer nach guter Flanke. Eine gut abgestimmte Defensivreihe hätte so ein Ding nicht zugelassen. Nach knapp 18 Minuten stand es 2:0. Eine Flanke von rechts wurde von Lebedenko unhaltbar ins Tor abgefälscht. Nach einer kurzen Schockpause übernahmen Karpaty wieder das Spiel und kamen fortan zu guten Chancen, ohne dass das zählbare Ergebnisse gehabt hätte. Mariupol konterte. Dass sie das können, hatten sie ja schon gezeigt. Das Ergebnis wirkte zum Ende der ersten Halbzeit wie eine Karikatur des Spielverlaufs, wobei man natürlich sagen muss, dass das Vergeben von Chancen nun einmal bestraft wird.

In die zweite Halbzeit kamen Karpaty mit Arques für Chachua. Die Hausherren begannen offensiver und hatten gleich in den ersten Minuten einige gute Chancen. Nach 52 Minuten kam Ribas für Debelko, etwas unverständlich, da der mit seiner physischen Spielweise und Zweikampfstärke gut ausgesehen hatte. Somit waren bis auf den offenbar immer noch verletzten Carrascal wieder alle “Spanier” auf dem Platz. Nach 69 Minuten kam Hrysio für Di Franco.

Karpaty versuchten es zunehmend mit der Brechstange und wurden natürlich immer anfälliger für Konter. Pidkivka hatte ein paar Gelegenheiten, auch mal Bälle abzuwehren, nachdem er in der ersten Halbzeit fast nichts auf Tor bekommen, aber zwei Stück aus dem Netz hatte holen müssen. Karpaty hatten auch immer wieder Chancen, bei denen fast immer Khudob’yak beteiligt war, aber alles ohne Ergebnis. In der Nachspielzeit fiel dann noch das 3:0 aus einem Konter.

Das war ein frustrierender Abend. Karpaty haben über weite Strecken gut gespielt, aber daraus nichts machen können. Mariupol haben gut gekontert, ein schönes Tor gemacht, beim zweiten einfach Glück gehabt und dann noch einen Konter in der Nachspielzeit verwandelt. Ob das Ergebnis in Ordnung geht, kann man diskutieren. Wer aus Ballbesitz und Chancen nichts macht, darf sich im Grunde nicht beschweren. Somit sieht das Fazit nach 5 Spielen ernüchternd aus: ein Sieg, ein Unentschieden und drei Niederlagen.

Zu den Leistungen der Spieler: für mich war Khudob’yak eindeutig der beste bei Karpaty. Er gab nie auf, kämpfte spielte – ein Vorbild. Ansonsten waren Miroshnichenko und Lebedenko auffällig, wenn sie nach vorn kamen, wobei drei Gegentore auch nicht unbedingt für sie sprechen. Was die “Spanier” betrifft, war Di Franco am auffälligsten. Er ist technisch stark, beweglich, spielte aber oft etwas eigensinnig. Arques versuchte in einer Situation wieder den Pirlo zu machen, was gut schief ging, war aber ansonsten ganz OK. Von Ribas war wenig zu sehen. Corteggiano war ebenfalls unauffällig.

Was der Mannschaft nach wie vor fehlt, ist Killerinstinkt. Ich bleibe dabei, man hätte Hladkyj verpflichten sollen, als das möglich war. mit Ksyonz und Carrascal warten noch zwei starke Leute auf Erholung von ihren Verletzungen, aber das sind beides auch keine Spieler für die Sturmspitze. Man wird sehen, ob und was noch auf dem Transfermarkt geht. Aber warum man zwei mittelmäßige statt einen guten Stürmer gekauft hat, ist mir nicht so ganz klar.