Transfersperre

Karpaty dürfen nach aktuellem Stand für die kommende Spielzeit keine neuen Spieler registrieren, das gilt also auch für die bereits verpflichteten Spieler. Grund ist der aktuell andauernde Streit um die Gehaltsforderungen des ehemaligen Spielers Volodymyr Hudyma. Nach Angaben der Karpaty-Vereinsführung ist diese Entscheidung illegal, da der entsprechende Antrag der Anwälte Hudymas bereits im Mai abgelehnt worden war.

Es war ja zu befürchten, dass so etwas wieder passieren würde, und es ist nach ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit sicher nicht auszuschließen, dass Hudyma mit seinen Forderungen recht hat, wobei man sich ja mit Vorverurteilungen zurückhalten sollte.

Wenn es dabei bleibt, hat das potentiell katastrophale Folgen für den Club – sie haben sich von Leistungsträgern der letzten Saison getrennt und dürfen die dafür neu verpflichteten Spieler nicht einsetzen.

Kaderkarussell und Gerüchte vor der Saison 2017/2018

Wie in jeder Transferperiode wird bei Karpaty der Kader kräftig durchrotiert.
Dabei sind auch wieder einige deftige Überraschungen dabei. Nachdem der
neue Trainer Sergio Navarro sich die Spieler im Trainingslager und
einigen Testspielen in Polen in Ruhe anschauen konnten, werden die
ersten “Opfer” nun bekannt: die beiden Innenverteidiger und bisherigen
Stammspieler Yevhen Zubeyko und Oleksiy Dytyatyev
werden den Club verlassen. Zubeyko hatte einen auslaufenden Vertrag,
der nicht verlängert wurde, während Dytyatyev einen noch laufenden
Vertrag hat und nicht gerade begeistert auf die Ankündigung des Clubs
reagiert hat.

Eine noch größere Überraschung ist, dass Torhüter Yevhen Borovyk,
der in der Rückserie der letzten Saison ein echter Leistungsträger war,
ebenfalls auf der Abschussliste steht. Auch er hat noch einen laufenden
Vertrag. Er kommentierte das Ganze eher diplomatisch. Soweit ich weiß,
war seinerzeit vereinbart worden, dass er nach seiner Karriere als
Spieler in den Trainerstab wechseln sollte. Ich bin gespannt, ob es
dabei bleibt.

Der vierte Abgangs-Kandidat ist Viktor Khomchenko,
der seinerzeit als Schnäppchen ablösefrei von Volyn Lutsk gekommen war.
Er hatte sich in der letzten Saison gegen die Konkurrenz von Hladky,
Hrysyo und Hutsulyak nicht durchsetzen können und war deshalb als
potentieller Abgang schon zu vermuten gewesen. Khomchenko hatte noch im
letzten Testspiel ein Tor erzielt, wurde jetzt aber nach hause
geschickt. Eine offizielle Erklärung gibt es hier aber noch nicht.

Dazu,
wer die entstandenen Lücken schließen soll, gibt es einige Gerüchte. In
der Innenverteidigung durften sich zwei Nachwuchsspieler in der ersten
Mannschaft zeigen: Nazar Vyzdryk (Seite auf Transfermarkt) und Andriy Busko.
Ob die beiden den Sprung ins erste Team schaffen werden, muss sich
zeigen. Hier sehen wir das übliche Muster bei Karpaty: teurere und
ältere Spieler werden durch jüngere und billigere aus dem eigenen
Nachwuchs ersetzt. Das hat in der Vergangenheit mal besser und mal
schlechter geklappt, ich denke nur an die letzte Transferpause im
Winter, wo dann doch wieder einige (auch der hier aussortierten) ältere
Spieler in den Kader geholt wurden, die zu einer wesentlichen
Stabilisierung und damit sicher auch dem Klassenerhalt beitrugen.

Außerdem gibt es Gerüchte, dass Karpaty (wieder) an Verteidiger Artem Schabanow (Seite auf Transfermarkt),
der zuletzt bei Stal gespielt hat, interessiert sind. Auf dem Papier
dürfte der nicht so ganz billig zu haben sein, er hat ja auch noch einen
Vertrag bis 2019, aber wann ist zum letzten Mal in der unteren Hälfte
der UPL eine Ablöse gezahlt worden? Ich kann mich ehrlich gesagt nicht
erinnern.

Was die Torwartposition betrifft, mache ich mir keine
großen Sorgen. Roman Pidkivka, der im erweiterten Kader der
U21-Nationalmannschaft steht, hat vor dem Zugang Borovyks sehr gut
gespielt (in der Vorsaison war er durch eine lange Verletzung lange Zeit
aus dem Gefecht), da mache ich mir eher Sorgen, wie lange es dauert,
bis ein “größerer” Club mit Geldscheinen winkt.

Im Sturm finde
ich zwar den (vermutlichen) Abgang Khomchenkos nicht verwunderlich, aber
letztlich bleiben doch einige offene Fragen. Roman Debelko ist für mich
ein unbeschriebenes Blatt. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht
vorstellen, dass er die Mittelstürmerposition adäquat ausfüllen kann,
sollte Hladky nicht finanziert werden können. Hutsulyak ist ja
eigentlich gelernter Mittelstürmer und wurde in der letzten Saison zum
offensiven Mittelfeldspieler umgeschult wo er am Ende immer besser
wurde. Er ist ja ein technisch starker Mann. Dass er ggf. Hladky
ersetzen könnte, halte ich für unwahrscheinlich, so weit ist der noch
nicht. Unklar bleibt auch, was aus dem Neuzugang aus Brasilien “China”
Rodgerio Alves wird, der einmal für 10 Minuten spielen durfte, dabei
auch m.E. keine schlechte Figur machte, aber Gerüchten zufolge auch auf
der Abschussliste steht (nur ist zu dem Thema danach nichts mehr durch
die ukrainische Sportpresse gegangen, daher halte ich das aktuell noch
für eine sehr vage Vermutung).

Das hier war sicher noch nicht
der letzte Stand. Erfahrungsgemäß geht es bei Karpaty für die nächsten
Wochen noch ziemlich turbulent weiter.

Kurz vor dem Transferfenster

Stürmer Oleksander Hladky darf Dynamo Kyiv ablösefrei verlassen. Karpaty würden ihn nach Ablauf der Leihe in der letzten Saison gern halten, allerdings steht dessen Gehalt, das weit höher ist, als es bei Karpaty üblich ist, dem aktuell im Wege. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

Wenn man sich die letzte Saison ansieht, muss man sagen, dass Hladky den Club vor dem Abstieg gerettet hat. Blanco-Leschchuk, der ja bis zur Winterpause der beste Torschütze war und im Winter zu Shakhtar wechselte, hatte m.E. bei weitem nicht Hladky’s Qualität – sowohl spielerisch als auch als Führungsfigur. Ich hoffe, die kriegen das irgendwie eingetütet. Ohne adäquaten Ersatz dürfte es trotz aller großen Versprechungen, man wolle nächste Saison um die internationalen Plätze spielen, wieder eng werden (und wer weiß, welche Punktabzüge wegen verweigerter Zahlungen an ehemalige Spieler da noch warten).

Ein anderer geliehener Leistungsträger, Mykola Matvienko, soll Presseberichten nach ins Ausland verliehen werden, um mehr Spielpraxis zu sammeln. Das ist aus der Sicht seines Clubs verständlich, wird aber bei Karpaty eine merkliche Lücke reißen.

Von den bisherigen Neuzugängen bin ich – bis auf Bartulovytsch – noch nicht so richtig überzeugt, aber wir werden ohnehin erst einmal sehen müssen, wie sich die Spielweise mit dem neuen Trainer ändern wird und welche Spieler sich dann letztlich hervortun. Wie viel Bartulovytsch mit 30 noch bringt, müssen wir mal sehen. In seiner Zeit bei Karpaty war er richtig gut, und ich fand es sehr schade, dass er nach Ablauf der Leihe wieder weg war.

Interessant ist dabei auch, dass ein weiterer ehemaliger (Leih-) Spieler von Karpaty, Valery Fedorchuk, Dynamo ebenfalls ablösefrei verlassen darf. Auch der hatte damals in Lviv einen richtig guten Eindruck hinterlassen. Aber ich fürchte, auch hier wird die Größenordnung des Gehalts der Sache im Wege stehen dürfte, und ohnehin finde ich, dass die Mannschaft aktuell im Mittelfeld ganz gut aufgestellt ist.

Ich bin sehr gespannt, ob Dmytro Klyots in der kommenden Saison den nächsten Schritt in seiner Entwicklung macht. Für mich war der einer, der durchaus Potential zeigte. Von Chachua hatte ich das eigentlich auch schon erwartet, er war aber zum Saisonende nicht mehr so stark. Im offensiven Mittelfeld wurde Rückkehrer Hutsulyak, der ja eigentlich gelernter Stürmer ist, in der neuen Rolle auch immer besser.

Wenn das Saisonziel eine Platzierung um Position 4 herum sein soll, dann muss die Mannschaft aber vor allem daran arbeiten, etwas mehr Konstanz und sich nicht immer wieder durch völlige Katastrophenspiele zwischendurch um die Früchte der Arbeit zu bringen.

Gerüchte: Mysak und Filimonov

Es gibt aktuell Vermutungen, dass Mysak und Filimonow den Verein verlassen müssen.

Mysak war als Torhüter zuletzt nur noch dritte Wahl, nachdem der Senior Borowyk in der Winterpasuse gekommen war und Roman Pidkiwka den Stammplatz abgenommen hatte. Da Borowyk sicher nicht mehr lange spielen wird und es schon Absprachen mit ihm gibt, dass er nach seinem Karriereende in den Trainerstab wechseln wird, stellt sich für mich da die Frage, wer dann der Mann hinter dem hoch veranlagten Pidkiwka sein wird – Ivan Siletsky aus der zweiten Mannschaft ist für mich ein ziemlich unbeschriebenes Blatt.

Filimonow gehört zu den wertvolleren Spielern des Kaders und war auch erst in der Winterpause von Odessa nach Lwiw gewechselt. Er hatte zum Ende der Saison hin seinen Stammplatz verloren.

Noch ist nichts offiziell verkündet worden. Aber die Trennung von einer ganzen Reihe von Spielern ist bei Karpaty schon fast normal geworden. Offenbar spielt auch das Spielergehalt eine Rolle, das man nur bei Stammspielern und Leistungsträgern bereit ist zu bezahlen, und wenn adäquater Ersatz aus der eigenen Jugend herangerückt ist, dann ist oft der Moment gekommen. Mir scheint, dass das finanzielle Polster nach wie vor dünn ist, der Club gehört ja nicht zu den klassischen Oligarchen-Teams, wo – solange der Oligarch mag – reichlich Geld fließt.

Die Transfers in der Winterpause 2016/2017

In Winterpause 2016/2017 gab es bei Karpaty einige bemerkenswerte Änderungen.

Zunächst wurden drei absolute Leistungsträger für extrem wenig Geld abgegeben (wobei man bei den Ablösesummen immer etwas vorsichtig sein muss, weil oft nicht durchdringt, welche Nebenabsprachen da noch dran sind):

  • Volodymyr Kostevych, hochtalentiertes Eigengewächs und Stammspieler im linken Mittelfeld, wurde an Lech Poznan nach Polen verkauft.
  • Gustavo Blanco Leschuk, praktisch der einzige, der da vorn irgendwie Durchschlagskraft hatte, wurde nach sehr starker Hinrunde an Shakhtar Donetsk verkauft, offenbar, weil sein Vertrag im Sommer ausgelaufen wäre und er wegen attraktiver Angebote der Konkurrenz nicht unterzeichnen wollte.
  • Rechtsverteidiger Vasyl Kravets, der in dieser Saison sehr auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde mit Kaufoption nach Spanien an CD Lugo verliehen.

Ansonsten gab es die bei Karpaty schon fast übliche Entlassungswelle, d.h., mit Spielern, die nicht mehr benötigt wurden, wurden Verträge aufgelöst. Das war bei Artur Karnoza ziemlich überraschend, da der doch einige gute Spiele gemacht hatte.

Weil zur Zeit fast alle ukrainischen Clubs Probleme haben, ihre Spieler zu bezahlen, werden kaum noch überhaupt Ablösesummen gezahlt. So gab es bei Karpaty auch einige Qualität für lau:

  • Innenverteidiger Oleksiy Dytyatev und die nur kurz zuvor abgegebene Clublegende im Mittelfeld Oleh Holodyuk kamen aus Poltava.
  • Defensivmittelfelder Artem Filimonov und Torwart Evgen Borovyk wechselten aus Odessa. Letzterer soll nach Karriereende in den Trainerstab wechseln, mit Roman Pidkivka, der die Hinrunde gut gespielt hat, ist ein sehr talentierter Torwart schon im Wartestand.
  • Stürmer Viktor Khomchenko kam aus Lutsk, wo er wegen Problemen mit dem Trainer nicht mehr Bestandteil der Planung war.

Wenn man sich die Mannschaft anschaut, wirken diese Transfers nicht unbedingt alle wie strategische Verstärkungen. In der Verteidigung gab es Verbesserungsbedarf und einen Abgang, der zu kompensieren war.

Im zentralen Mittelfeld scheint mir Filimonov eher so ein Gelegenheitskauf zu sein (freilich ein guter), denn da war eigentlich fast schon Gedränge: Ambrosi Chachua spielt eine gute Saison, Dmytro Klyots ist noch jung, entwickelt sich aber, im offensiven zentralen Mittelfeld gibt es Khudob’yak, während in den Winger-Positionen rechts und links wenig Alternativen gibt: Ksyonz ist gesetzt, aber links hinterlässt Kostevych eine Lücke. Zaviisky rechts ist noch sehr jung und muss noch etwas wachsen.

Vorn war die größte Lücke. Topscorer Blanco war gegangen, und Neuzugang Khomchenko ist ganz einfach nicht in der selben Liga. Hinzu kommt, dass Kadimyan, Puchkowsky, Gabriel und Karnoza alle herausgeworfen worden waren, so dass es da ziemlich dünn aussah.

Das war dann die Situation, wo wir uns alle fragten, was da noch kommt. Da die Mannschaft mit -6 Punkten in die Saison gestartet und immer noch mit einigem Abstand Tabellenletzter war, gab es hier einigen Grund zur Sorge.

Wie bei Karpaty üblich, wurden erst mal einige Junioren ins erste Team befördert und durften sich bei den Testspielen zeigen: die zentralen Angreifer Maksym Salamakha und Dmytro Zayikyn sowie auf dem linken Flügel Maksym Hrysyo. Letzterer ist der einzige, der Stand jetzt noch im ersten Kader steht, die anderen beiden wurden wieder in die U21 zurück versetzt. Hier war also noch keine Lösung in Sicht.

Dann gab es noch einen vollkommen unbekannten Brasilianer, Rogerio Alves dos Santos (“China”) aus der U21 von Atlético Juventus in Brasilien, der bei einigen Testspielen mitmachen durfte. Es wurde dann recht bald verkündet, dass man ihn verpflichten wollte, offiziell wurde aber der Vollzug erst nach einigen Wochen verkündet. Der Mann ist noch jung, und ob er sich durchsetzen wird, muss sich zeigen. Einige Male hat so etwas ja funktioniert (z.B. Lucas oder auch Blanco), aber oft auch gar nicht (wie gerade mit Gabriel).

Und dann kam Kamerad Zufall zur Hilfe. Der als großes Talent betrachtete Oleksiy Hutsulyak kam von seiner Leihe aus Spanien zurück und erklärte, er wolle wieder in der Heimat spielen. Wie weit das wirklich Heimweh oder einfach nur der Misserfolg dort war, weiß wohl nur er. Jedenfalls traute man dem einiges zu, was aber bisher noch nicht so richtig in die Tat umgesetzt wurde.

Der größere und wohl für die Saison kritische Zufall war, dass Dynamo Kyiv klamm ist und mit dem Kader Geld sparen muss. Stürmer Oleksandr Hladky, der schon vor einigen Jahren mal ein Jahr auf Leihe bei Karpaty gespielt hatte, spielte in der Planung von Trainer Rebrov keine Rolle mehr und sollte verkauft werden – zunächst nach Russland, was der Spieler aber aus politischen Gründen ablehnte. So kam in letzter Minute ein Leihgeschäft mit Karpaty zustande. Der Spieler ist noch immer in guter Erinnerung und sehr populär, und er hat mehr als die Qualität, die durch den Abgang von Blanco entstandene Lücke zu schließen.

Er hat seit Beginn der Rückrunde schon dreimal getroffen und hat der Mannschaft endlich die lange vermisste Durchschlagskraft gegeben. Er ist ähnlich wie Blanco sehr kopfballstark, aber dabei etwas beweglicher und technisch versierter (mein Gefühl). Ich fürchte, dass nach dieser Saison aber wieder Schluss sein wird, ich kann mir nicht vorstellen, dass Dynamo den bei dann noch 2 Jahren Restvertrag umsonst ziehen lässt.

So haben wir nun Gedränge im Sturm. Wie gesagt, zwei Spieler sind schon wieder in die zweite Reihe gerückt, aber Karpaty haben jetzt für die zentrale Sturmposition neben Hladky noch Hutulyak, Khomchenko und China, was bei einem 4:2:3:1-Spielsystem faktisch bedeutet, dass hier eine Position vierfach besetzt ist. Man wird sehen.

So haben Karpaty nun – womit wirklich keiner gerechnet hat – den Kader tatsächlich verstärkt und sind in guter Verfassung. Die rote Laterne hat Volyn übernommen, auf dem vorletzten Platz steht Dnipro, was aber vor allem an den 12 Punkten Abzug wegen finanzieller Probleme liegt.

Jetzt geht es in die “Playoff”-Runde, wo die unteren 6 Clubs gegen den Abstieg spielen. Wenn Karpaty so weiter machen, werden sie damit wohl nichts zu tun haben. Aber es ist ja noch früh.