Zugang: Tissone

Noch ein alter Spanier. Fernando Tissone, 31-jähriger defensiver Mittelfeldspieler, Argentinier mit italienischem Pass, hat unterschrieben. Er war zuletzt vereinslos, hatte vorher bei Malaga gespielt.

Langsam wird es wirklich lustig. Wie viele Spieler wollen sie denn noch für diese Position verpflichten? Es gibt mit Chachua, Klyots, Verbny und Holodyuk vier gute und z.T. schon erfahrene Eigengewächse. Hinzu kamen Tkachuk und Arques und jetzt noch der hier.

Ich neige dazu, mich den Reihen der Meckerer anzuschließen, wenn ich langsam zu dem Eindruck komme, dass diese Saison massenweise eingekauft wurde, aber kaum Qualität dabei ist, wobei gleichzeitig absolute Leistungsträger der Vorsaison (Borovyk, Dytyatyev und Hladky) gehen gelassen wurden. Kopftisch.

Zugang Memeshev, öffentliche Kritik am Trainer

Es geht weiter. Karpaty verpflichten weitere Spieler. Mittelfeldspieler Redvan Memeshev, zuletzt vereinslos, vorher bei Volyn Lutsk, kommt.
Derweil häufen sich (vorhersehbarerweise) die Stimmen derer, die den aktuellen Kurs des Clubs scharf kritisieren und die Entlassung des Trainers fordern.

Fernseh-Kommentator Viktor Vatsko hat noch einmal ordentlich die Keule rausgeholt und das miserable Spiel der Mannschaft angeprangert, dabei schießt er sich auch wie letztes Mal wieder kräftig auf den spanischen Mittelfeldspieler Arques ein.

Der frühere Karpaty-Spieler Ihor Kulchytskyj fordert die Entlassung des Trainers und begründet das u.a. damit, dass Navarro überhaupt nicht die ukrainische Liga kennt und nicht einmal seinen Kader richtig einschätzen kann, was man am Beispiel Fedetskyjs sehen kann, der auf der ungewohnten Mittelfeldposition bei der Niederlage gegen Mariupol nicht gut aussah.

Mariupol – Karpaty: 3:0

Heute spielten Karpaty in Mariupol. Das Spiel hatte im Vorfeld für einige Kontroversen gesorgt, da Karpaty einer der Clubs waren, die nicht in der Kriegsregion spielen wollten, sich aber damit nicht hatten durchsetzen können. Vor dem Spiel war zu sehen, dass für ukrainische Verhältnisse ziemlich strikte Sicherheitskontrollen stattfanden inklusive Durchleuchten wie am Flughafen.

Karpaty spielten mit dem selben System wie beim Sieg gegen Stal’ letzte Woche: 4:2:3:1. Hierbei gab es wieder einige kleine Änderungen in der Aufstellung: Im Tor stand wie letzte Woche Pidkivka. In der linken Verteidigung bekam wieder Lebedenko das Vertrauen, der genesene Corteggiano ersetzte Lobaj in der Innenverteidigung, daneben Nesterov und rechts Miroshnichenko, für den Fedetskij auf die Doppelsechs zusammen mit Klyots gesetzt wurde. Im offensiven Mittelfeld stand links Chachua, zentral Di Franko und rechts Kudob’yak, und vorn wieder Debelko. Auf der Bank saß zum ersten mal seit längerem wieder Linksaußen Hrysio, ansonsten die üblichen Verdächtigen Pereira, Ribas, Blasko sowie Lobaj und Tkachuk. Holodyuk war nach seiner gelbroten Karte aus der letzten Woche gesperrt.

Trainer Navarro hat mit Fedetskyj und Miroshnichenk etwas Gedränge in der rechten Verteidigung , seine Lösung war durchaus kreativ. Außerdem tauschten Di Franco und Khudob’yak die Position, d.h., Di Franco auf der 10 und Khudob’yak als Rechtsaußen. Ich fand auch gut, dass, obwohl Corteggiano wieder zur Verfügung stand, dennoch Lebedenko wieder spielte, der war nach seinem schlechten Einstand gegen Yarmolenko beim 0:5 in Kyiv immer besser ins Spiel gekommen.

Das Spiel begann – wie fast schon jede Woche – mit Angriffen von Karpaty. Dieses Mal dauerte es immerhin 10 Minuten, bis Karpaty zurücklagen – ein schöner und platzierter Kopfballtreffer nach guter Flanke. Eine gut abgestimmte Defensivreihe hätte so ein Ding nicht zugelassen. Nach knapp 18 Minuten stand es 2:0. Eine Flanke von rechts wurde von Lebedenko unhaltbar ins Tor abgefälscht. Nach einer kurzen Schockpause übernahmen Karpaty wieder das Spiel und kamen fortan zu guten Chancen, ohne dass das zählbare Ergebnisse gehabt hätte. Mariupol konterte. Dass sie das können, hatten sie ja schon gezeigt. Das Ergebnis wirkte zum Ende der ersten Halbzeit wie eine Karikatur des Spielverlaufs, wobei man natürlich sagen muss, dass das Vergeben von Chancen nun einmal bestraft wird.

In die zweite Halbzeit kamen Karpaty mit Arques für Chachua. Die Hausherren begannen offensiver und hatten gleich in den ersten Minuten einige gute Chancen. Nach 52 Minuten kam Ribas für Debelko, etwas unverständlich, da der mit seiner physischen Spielweise und Zweikampfstärke gut ausgesehen hatte. Somit waren bis auf den offenbar immer noch verletzten Carrascal wieder alle “Spanier” auf dem Platz. Nach 69 Minuten kam Hrysio für Di Franco.

Karpaty versuchten es zunehmend mit der Brechstange und wurden natürlich immer anfälliger für Konter. Pidkivka hatte ein paar Gelegenheiten, auch mal Bälle abzuwehren, nachdem er in der ersten Halbzeit fast nichts auf Tor bekommen, aber zwei Stück aus dem Netz hatte holen müssen. Karpaty hatten auch immer wieder Chancen, bei denen fast immer Khudob’yak beteiligt war, aber alles ohne Ergebnis. In der Nachspielzeit fiel dann noch das 3:0 aus einem Konter.

Das war ein frustrierender Abend. Karpaty haben über weite Strecken gut gespielt, aber daraus nichts machen können. Mariupol haben gut gekontert, ein schönes Tor gemacht, beim zweiten einfach Glück gehabt und dann noch einen Konter in der Nachspielzeit verwandelt. Ob das Ergebnis in Ordnung geht, kann man diskutieren. Wer aus Ballbesitz und Chancen nichts macht, darf sich im Grunde nicht beschweren. Somit sieht das Fazit nach 5 Spielen ernüchternd aus: ein Sieg, ein Unentschieden und drei Niederlagen.

Zu den Leistungen der Spieler: für mich war Khudob’yak eindeutig der beste bei Karpaty. Er gab nie auf, kämpfte spielte – ein Vorbild. Ansonsten waren Miroshnichenko und Lebedenko auffällig, wenn sie nach vorn kamen, wobei drei Gegentore auch nicht unbedingt für sie sprechen. Was die “Spanier” betrifft, war Di Franco am auffälligsten. Er ist technisch stark, beweglich, spielte aber oft etwas eigensinnig. Arques versuchte in einer Situation wieder den Pirlo zu machen, was gut schief ging, war aber ansonsten ganz OK. Von Ribas war wenig zu sehen. Corteggiano war ebenfalls unauffällig.

Was der Mannschaft nach wie vor fehlt, ist Killerinstinkt. Ich bleibe dabei, man hätte Hladkyj verpflichten sollen, als das möglich war. mit Ksyonz und Carrascal warten noch zwei starke Leute auf Erholung von ihren Verletzungen, aber das sind beides auch keine Spieler für die Sturmspitze. Man wird sehen, ob und was noch auf dem Transfermarkt geht. Aber warum man zwei mittelmäßige statt einen guten Stürmer gekauft hat, ist mir nicht so ganz klar.

Karpaty – Stal’: 3:1

Heute hatten Karpaty (“Los Karpatos”) ihr nächstes Schicksalsspiel, zu hause gegen Stal’. Die Vereinsführung hatte angekündigt, nach 5 oder 6 Spielen die Arbeit des Trainerteams zu bewerten. Dies hier war Spiel Nummer 4, nach einem Unentschieden und zwei Niederlagen in den vergangenen Wochen.

Karpaty traten wieder mit einem leicht veränderten Kader an: Gespielt wurde offensiv, mit einem 4:2:3:1. Im Tor stand Pidkivka anstatt Mysak (an dem es in den letzten Wochen sicher nicht gelegen hatte, aber vielleicht ging es auch um den psychologischen Faktor nach 5 Gegentoren letzte Woche). In der Viererkette standen wieder Lebedenko links, zentaral Lobaj sowie Nesterov und rechts Rückkehrer Fedetskyj. Auf der Doppel-6 standen Klyots und Tkachuk, davor Miroshnichenko, der aus der rechten Verteidiger vorgerückt war, Chachua und Khudob’yak, in der Sturmspitze Debelko. Ksyonz ist immer noch verletzt.

Interessant dabei war, dass die “Spanier” Arques, Coteggiano, Di Franco und Ribas nur auf der Ersatzbank saßen, weiterhin dass Hutsulyak und Osman nicht einmal im Kader standen und Youngster Nazar Vyzdryk statt Busko auf der Bank saß. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Navarro immer noch damit beschäftigt ist, seinen Kader überhaupt kennenzulernen und daher fröhlich durchprobiert. Ich weiß nicht, ob mir das gefällt.

Das Spiel begann wie üblich – Karpaty attackierten, wurden ausgekontert und lagen umgehend zurück: Pidkivka brachte beim Versuch, dem Gegner den Ball vom Fuß zu pflücken, selbigen zu Fall, Elfmeter nach 6 Minuten, 0:1 und gelb für Pidkivka, der nach der – äh, ziemlich fragwürdigen – Regel vom letzten Mann selbst im Strafraum durchaus hätte rot sehen können.

Das Spiel lief danach weiter mit nervösen Hausherren, die aber leichte Feldvorteile hatten. Nach 26 Minuten kam Holodyuk für Tkachuk, woraufhin das Spiel der Hausherren noch etwas sicherer wurde. In der 30. Minute erzielte dann Khudob’yak den verdienten Ausgleich. Generell lief es so: Karpaty griffen an, Stal’ konterte. Pidkivka hatte einige Gelgenheiten, den von ihm verschuldeten Elfmeter wieder gut zu machen. In der 44. Minute vergab Debelko eine Großchance nach einer flachen Flanke Khudob’yaks von der Grundlinie direkt in den 5-er.

Nach der Pause bekam dann doch ein Legionär eine Chance, Di Franco kam für Miroshnichenko. Karpaty war die tonangebende Mannschaft und kam zu einigen Chancen, etwa in der 51. Minute, wo ein Verteidiger in letzter Not von der Grundlinie rettete. In der 59. Minute ging dann Fedesktyj vom Platz, und für ihn kam der nächste “Spanier” – Corteggiano.

In der 64. Minute gingen Karpaty dann doch noch verdient in Führung. Holodyuk verwandelte einen Freistoß aus etwa 18 Metern direkt. Das Spiel plätscherte danach ein wenig. Karpaty waren entschlossen, den Vorsprung nicht mehr aus der Hand zu geben, und Stal’ fiel es sichtbar schwer, nun selber das Spiel zu machen. In der 80. Minute gab es dann erneut Elfmeter, dieses Mal für Karpaty. Debelko war kam im Strafraum zu Fall gekommen, mir schien das aber eher eine Schwalbe oder Schwäche zu sein. Egal, er verwandelte sicher, 3:1.

Fazit: Karpaty haben ihren ersten Dreier. Gegen eine Mannschaft, die gegen Shakhtar so stark gespielt hatte, ist das eine durchaus anerkennenswerte Leistung, und der Sieg dürfte auch in Ordnung gehen. Dennoch war das kein großes Spiel. Karpaty sind immer noch sehr anfällig für Konter. Auf der Position des rechten Verteidigers hat man nun ein Luxusproblem: Fedetskyj und Miroshnichenko. Letzteren ins rechte Mittelfeld zu ziehen, finde ich vernünftig, aber als offensiver rechter Verteidiger finde ich ihn wirkungsvoller. Debelko als Sturmspitze gefällt mir besser als Ribas, auch wenn beide bei weitem nicht die Klasse von Hladky haben. Interessant finde ich, dass Chachua heute im offensiven und Klyots im defensiven Mittelfeld aufgestellt war, Klyots hatte sich in den letzten Monaten eigentlich in der offensiveren Rolle ziemlich wohl gefühlt. Zu Di Franco kann ich mich noch nicht so richtig zu einer Aussage durchringen. Er ist kein schlechter Spieler, aber ob er jetzt eine echte Verstärkung auf seiner Position ist, scheint mir zweifelhaft. Sowohl Klyots als auch Hutsulyak und Khudob’yak habe ich in der Position schon stärker gesehen. Ach ja, Youngster Orest Lebedenko macht sich. Nach der Unsicherheit, die letzte Woche noch zum 1:0 für Dynamo geführt hatte, war er heute sicherer, und er hatte einige gute Szenen im Offensivspiel. Pidkivka im Tor hat seine Sache gut gemacht. Für mich ist er ohnehin die Nummer 1.

Ein kleiner Disclaimer noch: Bei all diesem Lob ist natürlich der Kontext zu beachten: wir reden hier von der unteren Tabellenhälfte in der UPL.

Ultimo für Sergio Navarro?

Gerüchten zufolge könnte der Ausgang des heutigen Spiels in Kyiv gegen Dynamo schon ein Schicksalsspiel für den neuen Karpaty-Trainer Sergio Navarro sein, berichtet Dynamomania. Im Bericht heißt es, es gäbe auch schon einen Nachfolger-Kandidaten, Volodymyr Mazyar, zuletzt tätig bei Veres Rivne. Mazyar war schon letztes Jahr in der näheren Auswahl gewesen, allerdings war damals die Entscheidung auf Saitsev gefallen, der dann aber auch nicht lange im Amt blieb.

Dynamo – Karpaty: 5:0

Heute spielten im (möglichen) Schicksalsspiel für Trainer Sergio Navarro Karpaty in Kyiv bei Dynamo.

Im Vergleich zur Heimniederlage letzte Woche gegen Vorskla stand praktisch eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz. Die Formation war so eine Art 4:2:3:1 mit Mysak im Tor, davor Miroschnichenko, Nesterov, Lobaj und Orest Lebedenko, ein junger Linksverteidiger aus der U21, der heute sein Debüt feierte. Im defensiven Mittelfeld standen Tkachuk und Chachua, davor Klyots, Khudob’yak und Hutsulyak, als Sturmspitze wieder Ribas. Aufgrund von Verletzungen fehlten nach wie vor Ksyonz, Hrysyo und Corteggiano.

Interessant ist, dass heute mit Ribas nur ein einziger spanischsprachiger Spieler auf dem Platz stand, d.h., Pereira, Arques, die in den ersten beiden Spielen in der Startformation standen, waren beide nicht dabei. Dafür war zum ersten Mal Neuzugang Tkachuk dabei. Ansonsten war dies zum ersten Mal in dieser Saison wieder eine typische Karpaty-Aufstellung mit vor allem Spielern aus der eigenen Jugend bzw. solchen die schon lange dabei sind.

Das Spiel begann wie auch in den letzten zwei Wochen mit einigen gefälligen Angriffen von Karpaty, die aber kein Resultat zeigten. Dynamo brauchte allerdings nur drei einigermaßen gefährliche Angriffe, um in der 10. Minute nach einem sehenswerten Dribbling von Yarmolenko dann durch Buyalskyj in Führung zu gehen. Lebedenko in der linken Verteidigung wirkte hier ziemlich überfordert, obwohl er davor in einigen Zweikämpfen gegen Yarmolenko noch recht gut ausgesehen hatte.

Das Spiel ging nach dem Tor im Grunde ähnlich weiter. Karpaty waren um offensive Aktionen bemüht, Dynamo wirkte abgeklärt und war mit eigentlich jedem Angriff gefährlich. Es hätte nach 20 Minuten durchaus schon 2:0 stehen können. Zum Ende der Halbzeit schienen Karpaty das Spiel ein wenig besser kntrollieren zu können, die Passquote wurde besser, und sie kamen einige Male zu durchaus ernstzunehmenden Möglichkeiten. So ging es ohne zählbare Veränderungen in die Pause.

Die zweite Halbzeit begann ohne Auswechselungen, allerdings wechselte Hutsulyak auf rechts und Klyots auf links. Karpaty begannen mit einigen sehenswerten Angriffen, vor allem Hutsulyak war sehr aktiv und erkämpfte einige Bälle in der gegnerischen Hälfte. Nach 5 Minuten hätte eigentlich der Ausgleich fallen müssen – Chachua spielte schön diagonal auf Klyots links, der bis zur Grundlinie durchzog und den Ball scharf und flach Ribas vor die Füße spielte, der es aber kurz vor dem 5er stehend nicht schaffte, den Ball direkt aufs Tor zu spielen.

Wie in der ersten Halbzeit traf dann aber Dynamo – Zyhankov bekam in einer ganz ähnlichen Situation den Ball diagonal in den Strafraum gespielt und machte es besser als Ribas. Zu dem Zeitpunkt wirkte die 2:0 Führung für Dynamo allerdings schon etwas schmeichelhaft, da Karpaty spielerisch durchaus mithalten konnten und auch viel kampfstärker waren als noch in den letzten zwei Wochen. Dann fiel in der 58. Minute das 3:0 durch Mbokani nach einem schön herausgespielten Konter. Das war schon ziemlich hart. Nach 61 Minuten stand es 4:0, erneut durch Tsyhankov, der nach einem noch gut von Mysak parierten Distanzschuss an der richtigen Stelle war und den Ball aus 3 Metern einköpfte.

Anschließend kam Neuverpflichtung Di Franco für Khudob’yak und Arques für Chachua. Na gut, viel schlimmer konnte es ja nicht mehr werden. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass danach die Forderung der Heimfans erhört wurde und Husev auf den Platz kam, er ersetzte Yarmolenko. Er ist mit vollem Recht eine Club-Ikone, und ich freue mich über jedes Spiel, das er macht und darüber, wie er immer Vollgas gibt..

Das Spiel war natürlich gelaufen. Karpaty griffen weiter an und versuchten, doch noch irgendwie ein Tor zu erzielen. Dynamo versuchte, das Spiel zu kontrollieren, was ihnen aber immer weniger gelang. Aber letztlich war es wieder wie schon gerade vorher, es stand plötzlich 5:0, wieder Tsyhankov, eher ein Zufallstreffer, aber das passte dann schon irgendwie alles perfekt zusammen. Am Ende durfte Andrij Busko noch ein paar Minuten für Lebedenko linken Verteidiger spielen.

Kommen wir zum Fazit. Dass die “Löwen” hier nichts holen würden, war im Grunde anzunehmen gewesen. Das Resultat – 5:0 – war freilich eine regelrechte Hinrichtung, und wenn die Gerüchte, dass Trainer Navarro schon auf der Abschussliste steht, stimmen, dann dürfte das heute genau den Grund geliefert haben, den die Vereinsführung gebraucht hat.

Ich muss allerdings sagen, dass heute weit mehr von dem zu sehen war, was Karpaty eigentlich ausmacht: Leidenschaft, Kampfgeist, nie aufgeben – das war kein Vergleich zu der leblosen Vorstellung letzte Woche gegen Vorskla, und sie hätten heute ein weit knapperes Ergebnis verdient gehabt, vor allem auf jeden Fall auch mindestens ein Tor.

Ein paar Beobachtungen zu den Spielern: Hutsulyak war eher schwach ins Spiel gekommen, legte aber vor allem in der zweiten Hälfte richtig zu. Tkachuk konnte sich nicht so richtig zeigen, kämpfte aber, was gegenüber der pomadigen Spielweise von Arques eine Wohltat ist. Lebedenko war am Anfang der Respekt anzumerken, in der zweiten Halbzeit hatte er gerade auch in Offensivaktionen einige gute Szenen. Lobaj war richtig stark, ich kann absolut nicht verstehen, warum er in den zwei Spielen davor nicht in der Startformation war. Klyots war auch gut, wenn auch nicht so stark wie in einigen Spielen Ende letzter Saison. Khudob’yak war nicht so auffällig wie sonst, und von Ribas war ich auch nicht so richtig begeistert – er hätte unbedingt sein Tor machen müssen, und mir fehlt hier einfach die reife und technisch starke Spielweise von Hladky, der übrigens offenbar jetzt einen Club in der Türkei gefunden hat, der anders als Karpaty bereit ist, seinen Gehaltsvorstellungen zu entsprechen. Di Franco war zu kurz auf dem Platz, um wirklich etwas zu zeigen.

Ich verstehe auch nicht, was jetzt eigentlich das Konzept des Trainers ist. In den ersten Spielen hat er eigentlich stärkere Spieler auf der Bank gelassen, erst heute stand zum ersten Mal eine Mannschaft auf dem Platz, die im Großen und Ganzen dem Leistungsniveau der einzelnen Spieler angemessen war. Nach einer solchen Klatsche und dem Abrutschen ans Tabellenende wird es nun verdammt schwierig, wieder das notwendige Selbstvertrauen zu tanken, um da wieder heraus zu kommen. Es klingt blöd, aber mit der Leistung heute hätten die sowohl Zirka als auch Vorskla geschlagen. So muss sich Navarro nun wohl einige Fragen gefallen lassen.

Zugang: Francisco Di Franco

Und der nächste spanischsprechende Spieler wurde verpflichtet: Francisco Di Franco, Argentinier, Mittelstürmer und hängende Spitze, zuletzt vereinslos. Das wurde gerade auf der Gesichtsbuchseite des Vereins bekanntgegeben. Recht lustig wirkt die Liste seiner bisherigen Stationen, wo besonders hervorgehoben wird, dass er bei einem großen Club wie Boca Juniors gespielt hat, wobei nicht erwähnt wird, dass er es dort nie in die erste Mannschaft geschafft hat.

Ich kann darüber nach den Leistungen der ersten beiden Spieltage nur zunehmend den Kopf schütteln und hoffe gleichzeitig, dass ich mich mit meiner Skepsis irre. Anstatt drei bestenfalls mittelmäßige Stürmer zu kaufen, hätte man lieber den ablösefreien und willigen Hladky holen sollen, der letzte Saison einen wesentlichen Anteil am Aufschwung in der Rückrunde hatte. Ich habe wirklich keine Lust, schon wieder bis zum (vor-) letzten Spieltag auf den gesicherten Klassenerhalt zu warten.

Viktor Vatsko über “Los Karpatos”

Sehr böser Kommentar von Viktor Vatsko, seines Zeichens Fußball-Kommentator, zur Niederlage gegen Vorskla, den ich hier einfach mal unkommentiert zur allgemeinen Erheiterung oder wahlweise Nachdenklichkeit übersetze:

Das Spiel von Karpaty war eine Katastrophe. Zum Club waren Spanier – erfahrene Fußballer – gestoßen. Ich rede hier nicht davon, dass vorher einer in der dritten und ein anderer in der fünften Liga gespielt hatte.

Jede Standardsituation war ein Herzinfarkt vor dem Karpaty-Tor. Jeder Standard war eine Chance. Zwei Tore erzielte Vorskla nach Standardsituationen. Über das Spiel gesehen entstanden nach Standardsituationen für Vorskla 6 Chancen.

Gut, die wurden vergeben, das kann jedem passieren. Aber spanischer Fußball, das ist tiki-taka. Wo war hier tiki-taka? Dieser Fußball, den Karpaty spielen wollen und den der Trainerstab als Devise ausgegeben hat, ist sehr, sehr bequem für Vorskla – das ist nicht-zum-tiki-taka. Beim richtigen tiki-taka spielen Leute, die Fußball spielen können: Xavi, Iniesta. Das wird es hier nicht geben. Dieser Stil ist bequem für Satschko, Wernydub, Sewidow und Babitsch (Trainer von Vorskla Poltava, Zorya Luhansk, FK Mariupol und Chornomorets Odessa) – für Mannschaften, die gut im Konterspiel sind.

Tempo gibt es bei Karpaty keines, Umschalten von Angriff auf Verteidigung und zurück – nichts, das Einleiten von Angriffen ist eine Katastrophe. Arques (Spanier, der vorher in der dritten spanischen Liga gespielt hatte) denkt, er ist Pirlo – ein Spieler, der Bälle nicht stoppt. Aber technisch und intellektuell ist er der Schnürsenkel an Pirlos rechtem Schuh.

Dies war ein sehr entlarvendes Spiel. Die Mannschaft spielte nicht: weder im Angriff, noch in der Verteidigung. Ohne Willen, ohne Kampf, alle Zweikämpfe gingen verloren. Bei Vorskla, so hatte man den Eindruck, standen Pogba, Errera und Fellaini auf dem Platz, nicht aber Scharpar und Sklyar. Das war eine Schande auf voller Länge. Und es waren noch Leute gekommen, um ihre Mannschaft zu unterstützen.

Zur Erinnerung, Vorskla besiegte Karpaty in Lviv mit 1:3.

Karpaty – Vorskla: 1:3

Heute spielten Karpaty erneut zu hause ihr zweites Saisonspiel gegen Vorskla.

Die Hausherren traten mit dem selben System und eine nur auf einer Position geänderten Position an wie letzte Woche. Auf der Bank blieb dieses Mal Linksverteidiger Corteggiano, was mich wundert, da der letzte Woche sehr stark gespielt hatte, und für ihn bekam Kiew-Leihgabe Osman eine Chance. Außerdem spielte Klyots statt Ksyonz.

Das Spiel begann mit einer Großchance für Karpaty, in Führung gingen aber die Gäste in der 6. Minute nach einer sehenswerten Kombination, die von einem Freistoß etwa 20m vor dem Tor ausging. Danach war das Spiel offen, wenn auch nicht hochklassig. Vorskla war vor allem bei Standards jedesmal gefährlich, was ja im letzten Spiel bei Karpaty so gar nicht der Fall gewesen war.

Der 1:1-Ausgleich in der 18. Minute kam dann doch recht überraschend: Miroshnichenko spielte auf Khudobyak, der am rechten Strafraumeck den Ball bekam und flach diagonal an die Fünfmeterraumgrenze spielte, wo Neuzugang Ribas genau das machte, wozu man Mittelstürmer braucht: an der richtigen Stelle stehen und den Fuß hinhalten. Das war wohl der beste Spielzug von Karpaty im ganzen Spiel. Zum Ende der ersten Halbzeit hin nahm der Spielanteil von Karpaty zu, denen es langsam besser gelang, ihr Passspiel aufzuziehen.

Die zweite Hälfte begann wie die erste. Nach knapp 5 Minuten verlor Arques in der Mitte des Feldes bei einem versuchten Dribbling den Ball, worauf Vorskla einen Konter einleitete und sicher verwandelte. In der 56. Minute kam es zu einem Debut: Offensiver Mittelfeldspieler und Spielmacher Jorge Carrascal, der eigentlich ja noch bis zum Monatsende verletzungsbedingt hätte fehlen sollen, kam für Holodyuk. 10 Minuten später stellten Karpaty auf zwei Angreifer um – Debelko kam für Chachua. Karpaty kamen nicht richtig ins Spiel. Sie gelangten einige Male vor das gegnerische Tor, aber das wirkte oft eher zufällig oder war Einzelaktionen (vor allem Khudobyak) zu verdanken. Vorskla wirkte reifer und vor dem Tor auch gefährlicher.

In der 77. Minute kam Verteidiger Ivan Lobaj, was eigentlich keiner so richtig verstand, da die Mannschaft zurücklag und mit Oleksij Hutsulyak noch ein guter Stürmer auf der Ersatzbank saß.

In der Nachspielzeit fiel dann mit dem 1:3 die Entscheidung. Karpaty sind wieder da, wo sie letzte Saison die ganze Zeit waren – mitten im Abstiegskampf. Trotz neuen Trainers und der vielen Neuverpflichtungen krankt es immer noch an den selben Stellen – am schwersten wiegt dabei der Mangel an Stabilität, man lässt sich einfach zu leicht aus dem Spielfluss bringen. Genauso ein bekanntes Leiden ist die schlechte Chancenverwertung. Wer bei der Form von den Top-4 redet, lebt in einem Paralleluniversum.

Noch ein paar Worte zu den neuen Spielern: Pereira war OK, wobei ich nicht finde, dass er stärker ist als Lobaj, der letzte Saison durchgehend stark war. Arques hat mit seinem missglückten Dribblingversuch die Niederlage eingeleitet, kein schlechterer Spieler als seine Mannschaftskameraden, aber eben auch kein besserer. Ribas hat ein Tor gemacht und hatte auch so ein paar gute Szenen, aber ich persönlich fand Hladky letzte Saison auf der Position besser, weil der einfach aktiver am Spiel teilnimmt und beweglicher wirkt. Carrascal ist tatsächlich vielversprechend: schnell und technisch stark, ließ Linksverteidiger Matvienko ein paarmal richtig alt aussehen.

Ich verstehe nicht, warum Hutsulyak nicht spielt. Für mich ist er eindeutig stärker als Debelko, zumal er auch mit seiner guten Technik und Schnelligkeit im offensiven Mittelfeld stark ist. Ich würde eigentlich auch gern mal Tkachuk sehen, der ebenfalls in dieser Saison noch nicht zum Einsatz gekommen ist.

Alles in allem war das sehr enttäuschend heute.